Endzeitnotizen (22): Die „Entrückungs-Konvergenzhypothese 2020“ und „Entrückungs-Bäng-Zone“. Einwände dagegen

Da die Entrückung der Gemeinde plötzlich und ohne sie direkt ankündigende Vorzeichen erfolgen wird, kann man ihre Zeitzone nur im Hinblick auf das zweite Kommen des Herrn am Ende der großen Trübsal, folglich relativ zu den Vorzeichen für den Beginn der siebenjährigen Trübsalszeit eingrenzen. Der Trübsalsbeginn ist für die Vorentrückungsanhänger (Prätribulationisten) der Terminus ante quem für die Entrückung der Gemeinde.

In einem früheren Video (31.7.2020: „Rapture Watch: The Convergence of 2020: Divergence Hypothesis Shows How Close We Really Are!“ / youtube.com/watch?v=Sz9zhRNTRlY) hatte Brother Chooch (sprich „Tschutsch“) seine „Rapture Convergence Hypothesis 2020 (Entrückungs-Konvergenzhypothese) dargelegt.

Darin führt er eine Liste von Vorzeichen an, die seiner Meinung nach auf die Nähe des Trübsalbeginns deuten, und zwar:

1. Die rote Kuh
2. COVID-19
3. Papst Franziskus als wahrscheinlicher falscher Prophet der Offenbarung
4. Das Gleichnis vom Feigenbaum in der Ölbergrede des Herrn (Matthäus 24) und das biblische Höchstalter einer Generation von 80 Jahren (Psalm 90,10)
5. Das Große Zeichen am Himmel vom September 2017 (Offenbarung 12)
6. Das Militärbündnis des Hesekiel-38-Krieges gegen Israel.

Über die rote Jungkuh habe ich schon geschrieben: Endzeitnotizen (16): Die Rote Färse (hebr. Paráh Adumáh; engl. The Red Heifer) und ihre Bedeutung für die Endzeitchronologie. Auf die anderen Zeichen gehe ich jetzt nicht ein.

In einem Folgevideo („THE RAPTURE BANG ZONE UPDATE!!!„) / youtube.com/watch?v=hl4SActyQNc ) beschäftigte sich Br. Chooch besonders mit dem Feigenbaumgleichnis (s.o. Punkt 4) und dem Alter einer Generation.

Sein Grundgedanke ist einfach und logisch: Wenn (!) sich der Feigenbaum auf Israel bezieht, welches am 14. Mai 1948 als (ungläubige) Nation wiedergeboren und international anerkannt wurde, dann müsste die siebenjährige Trübsal spätestens um den 14. Mai 2021 beginnen, damit ihr Endpunkt nicht das biblische Höchstalter von 80 Jahren „dieser Generation“ überschreitet, die „nicht vergehen wird, bis dies alles geschehen ist“ (Matthäus 24,34).

Fügt man dem noch den weiteren Gedanken über die Angemessenheit der Entrückung am ersten der biblischen Herbstfeste, dem Posaunenfest (Jom Teruá) – welches später zum Jüdischen Neujahrsfest (Rosch ha-Schaná) wurde -, hinzu, dann bestand – nach dieser Hypothese – eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Entrückung am letzten Tag des jüdischen Neujahrsfestes am 18. – 20. September 2020 (am letzten Tag wegen der rituellen Posaunenstöße an diesem Fest in Verbindung mit 1. Korinther 15,52 „beim Ertönen der letzten Posaune“). Die Entrückung fand jedoch nicht statt.

Beim Nachdenken über die Gründe befasste man sich mit vielen schwierigen Details der unterschiedlichen Kalendersysteme, auch des Unterschieds zwischen unserem derzeit geltenden heidnischen Sonnenjahr (365 Tage +) und dem biblischen prophetischen Jahr (360 Tage; so auch in der Offenbarung des Johannes).

Br. Chooch kam dann auch auf diesen – etwas hausbacken erscheinenden – Gedanken: Wer sagt: ich bin 80 Jahre alt, kann dies nach allgemeinem Sprachgebrauch sagen bis zum letzten Tag vor seinem 81. Geburtstag. Daraus leitet er eine denkbare Terminverlängerung des Beginns der Trübsal und folglich der „Entrückungs-Bäng-Zone“ bis Mai 2022 ab.

Ich nehme diese Überlegungen ernst, habe jedoch zwei Einwände:

1. Namhafte prätribulationistische (!) Bibelgelehrte, wie Scofield, MacArthur und Ryrie in ihren Studienbibeln und Walvoord & Zuck in ihrem 5-bändigen dispensationalistischen Bibelkommentar, sind nicht der Ansicht, dass sich das Feigenbaumgleichnis auf den neuentstandenen Staat Israel bezieht. Und George E. Meisinger in seinem Artikel „Feigenbaumgleichnis“ im (prätribulationistischen!) „Lexikon zur Endzeit“ (hg. von Mal Couch) argumentiert sogar ausdrücklich gegen diese Auslegung (Seite 171). Aus dem genannten Artikel werde ich in einer eigenen Endzeitnotiz ausführlich zitieren. — Zu einem ähnlich negativen Ergebnis kommt man, wenn man die Ansichten der genannten Bibelwissenschaftler über die zukünftige Erfüllung der biblischen Herbstfeste betrachtet. Die Entrückung der Gemeinde wird nicht als Erfüllung des Posaunenfestes gesehen. Die Auffassung dieser Gelehrten, besonders was letzteren Punkt angeht, muss zwar nicht zutreffend sein, sie sollte jedoch vorsichtig stimmen.

2. Der Herr Jesus sagt im Feigenbaumgleichnis sehr klar: „So sollt auch ihr, wenn ihr dies alles seht, erkennen, dass es nahe an der Tür ist“ (Matthäus 24,33). Mit „all dies“ meint er: alle Zeichen, die er zuvor in seiner Rede angeführt hat. An die Liste dieser vom Herrn gegebenen Zeichen müssen wir uns also halten, um die Zeit, in der wir leben, prophetisch richtig zu beurteilen. Anhand dieser Zeichen können wir erkennen, dass es, anders als in allen früheren Generationen der Geschichte, heute „nahe an der Tür ist“.

G. de Th.

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