Endzeitnotizen (50): Das Tausendjährige Reich – Seine Andersartigkeit. Allgemeine Kennzeichen. Das Regierungssystem. (+ Diagramm)

Die biblischen Lehren über das Tausendjährige Reich verlangen von uns gründliches Umdenken über unsere Zukunft. Sie decken sich nämlich nicht mit dem, was die meisten Christen in Katechese und Predigt zu hören bekommen. Besonders für konservative und traditionalistische Katholiken ist die Herrschaftsform des Millenniums eine heftige Zumutung. Sind sie es doch gewohnt, sich unter „Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat“ außer der Herrschaft Christi über die Herzen der Gläubigen auch ein weltweites Imperium der katholischen Kirche unter dem Papst vorzustellen. Doch sollten sie nicht enttäuscht sein, wenn sie erfahren, dass die Bibel etwas anderes lehrt. Im Gegenteil kann das Verständnis der biblischen Lehren ihnen die Augen öffnen für Ursachen der Kirchenkrise, an die sie nie gedacht haben. Aber auch Nationalisten aller Kontinente dürfte es gar nicht schmecken, wie der Herr Jesus Christus seine theokratisch-monarchische Herrschaft über die ganze Erde ausüben wird – zum rechtverstandenen Wohl aller dann existierenden Nationen! Näheres in den folgenden Texten – der eine von Prof. DDr. John F. Walvoord (1910-2002), der andere von Dr. Arnold G. Fruchtenbaum (*1943) … G.d.Th.

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I.

Die Andersartigkeit des Millenniums

Ein so wichtiges Ereignis wie die Wiederkunft Jesu bringt ganz natürlich eine bemerkenswerte Änderung der Erde und ihrer Regierung mit sich. Nimmt man die vielen Prophezeiungen über das Tausendjährige Reich wörtlich, dann beschreiben sie eine Zeit, die von der des Gesetzes und der gegenwärtigen Zeit der Gnade völlig verschieden ist. Die leibliche Gegenwart Jesu wird viele Veränderungen mit sich bringen, da seine Herrschaft und Macht sich über die ganze Erde ausdehnen wird, er wird König der Könige und Herr der Herren sein und den Thron Davids als Sohn Davids einnehmen und über Israel regieren. Amillenaristen, die ein solches zukünftiges Tausendjähriges Reich leugnen, tun sich schwer bei dem Versuch, Hunderte von Bibelversen wegzudiskutieren, die dieses Königreich auf Erden beschreiben. Deshalb ist die prämillenale Deutung – daß sich nach dem zweiten Kommen Jesu das Tausendjährige Reich entfaltet – bei weitem vorzuziehen, da sie dem Alten und Neuen Testament Beachtung schenkt und die Deutung zuläßt, die erforderlich ist.

Beim zweiten Kommen Jesu werden die gegen Gott im Heiligen Land versammelten Armeen vernichtet (Offenbarung 19, 17, 21), das Tier und der falsche Prophet ergriffen und in den Feuersee geworfen (Vers 20). Satan wird gebunden (20, 1-3), und die Märtyrer der Trübsal weden auferstehen und mit Christus tausend Jahre regieren (Verse 4-6). Eine wörtliche Auslegung von Offenbarung 20,4-6 erfordert, daß Christus nach seiner Wiederkunft auf Erden tausend Jahre regiert.

Diese Regierung Christi wird einer bösen Welt Gerechtigkeit bringen, Friede einer durch Krieg zerrissenen Welt, Wohlstand einer ökonomisch unfähigen Welt, neues geistliches und soziales Leben und eine erneuerte Erde, die für das Tausendjährige Reich geeignet ist.

Quelle: John F. Walvoord, Brennpunkte biblischer Prophetie. Was kommt auf uns zu? Hänssler-Verlag, Neuhausen-Stuttgart 1992, S. 351.

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II.

Allgemeine Kennzeichen

Viele alttestamentliche Propheten richteten ihr Augenmerk auf die einzelnen Wesensmerkmale des messianischen Reiches und entwarfen ein umfassendes Gesamtbild des Lebens in diesem Zeitalter. Wir beschäftigen uns in diesem Kapitel mit denjenigen biblischen Belegstellen zu den allgemeinen Kennzeichen des messianischen Zeitalters, die gleichermaßen für Juden und für Heiden gelten.

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ZUSAMMENFASSUNG

Wir können die allgemeinen Kennzeichen des messianischen Zeitalters wie folgt zusammenfassen. Während dieser Zeit wird Satan verbannt und gebunden sein; folglich werden Sünde und Tod sehr stark zurückgehen, obwohl diese Mächte zu der Zeit noch nicht völlig beseitigt sein werden. Unter den Menschen werden Wohlstand und Frieden herrschen; ebenso werden die Tiere untereinander und zusammen mit den Menschen in Frieden leben. Viele unheilvolle Auswirkungen des Fluches (aber doch nicht alle) werden nicht mehr zu spüren sein. Die Zeit wird von Wahrheit, Heiligkeit und Gerechtigkeit geprägt sein. Das Recht wird sich von Jerusalem stetig in die ganze Welt ausbreiten. Jeder soll den Ertrag und die Freuden seiner Mühe genießen können.

Die Regierung

Das messianische Reich wird als absolute Monarchie regiert. Unterhalb des Monarchen gibt es noch mehrere Ebenen der Macht und Autorität. Der absolute Herrscher wird Jesus Christus selbst sein. Die von ihm delegierte Regierungsgewalt gliedert sich in zwei Linien: die jüdische und die heidnische Herrscherlinie. Jede von ihnen weist die genannten Ebenen der Regierungsgewalt auf. Man kann es folgendermaßen darstellen:

Dieses Kapitel befaßt sich mit verschiedenen Schriftstellen über das Regierungssystem des Reiches.

DER KÖNIG – DER HERR JESUS CHRISTUS

Das Alte wie auch das Neue Testament lehren eindeutig, daß Christus einmal auf dem Thron Davids sitzen und über Israel und ein Reich herrschen soll, das auch alle Heiden umfassen wird. Auf den Bund mit David als der Grundlage für die äußere Herrschaft Christi kommen wir im nächsten Kapitel zu sprechen. Hier wollen wir nur solche Stellen betrachten, die den Bund mit David berühren bzw. etwas über die Herrschaft Christi über ein Königreich im wörtlichen Sinne aussagen.

Die Errichtung des Thrones

[Es werden die Stellen zitiert und besprochen: Ps. 2,6-8; Jes. 9,5-6; Jes. 16,5; Jer. 23,5-6; Jer. 33,14-17; Sach. 14,9; Lk. 1,30-33.]

Die Herrschaft des Königs

[Offb. 12,5; Off. 19,15; Ps. 24,7-10; Ps. 72,1-19; Jes. 11,1-5]

Der Herr Jesus Christus wird sowohl König Israels als auch König der ganzen Welt sein. Unter seiner absoluten Macht und Herrschaft werden zwei Regierungen gebildet – eine für die Heiden und eine für die Juden.

DIE REGIERUNG ÜBER DIE HEIDEN

Die Gemeinde und die Heiligen aus der großen Trübsal

Daß die Gemeinde im Tausendjährigen Reich an der Herrschaft Christi teilhaben wird, lesen wir in Offenbarung 20,4-6:

„Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und das Gericht wurde ihnen übergeben; und ich sah die Seelen derer, die enthauptet worden waren um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen, und die das Tier nicht angebetet hatten noch sein Bild, und das Malzeichen weder auf ihre Stirn noch auf ihre Hand genommen hatten; und sie lebten und regierten mit Christus tausend Jahre. Die übrigen der Toten aber lebten nicht, bis die tausend Jahre vollendet waren. Dies ist die erste Auferstehung. Selig und heilig ist, wer teilhat an der ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Macht, sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre.“

In Vers 4 beschreibt Johannes die Heiligen, die zusammen mit Christus regieren sollen. Als erste Gruppe gehören dazu diejenigen, denen „das Gericht übergeben“ worden ist, also die Heiligen der Gemeinde, die kurz vor der großen Trübsal entrückt wurden. Bei dem Gericht handelt es sich um das Gericht vor dem Richterstuhl Christi. Dort werden die Werke der Glaubenden beurteilt. Der Ausgang des Gerichts wird darüber entscheiden, welchen Platz jeder einzelne Heilige der Gemeinde im Tausendjährigen Reich einnehmen wird. (Näheres über dieses Gericht siehe Handbuch der biblischen Prophetie I. S. 144-148).

Eine zweite Gruppe bilden diejenigen, die „enthauptet worden waren um des Zeugnisses Jesu willen“. Es sind die Glaubenden, die in der ersten Hälfte der Trübsal den Zeugentod sterben werden; von ihnen ist beim fünften Siegel die Rede (Offenbarung 6,9-11).

Eine dritte Gruppe besteht aus solchen, die den Antichrist oder sein Bild nicht anbeteten und nicht das Zeichen 666 auf ihre Stirn oder rechte Hand empfingen. Weil es sich dabei um Geschehnisse aus der Mitte der großen Trübsal handelt, ist die dritte Gruppe von Heiligen eher der zweiten Hälfte der Trübsal zuzuordnen.

Also werden sowohl die Heiligen der Gemeinde als auch diejenigen aus der großen Trübsal zusammen mit Christus tausend Jahre regieren. (Die Heiligen des Alten Testaments haben eine andere Bestimmung; wir sprechen darüber im folgenden Kapitel.)

Mit den Ereignissen von Vers 4 ist die erste Auferstehung abgeschlossen. Bei dieser Auferstehung werden alle Gerechten auferweckt; sie muß von der zweiten Auferstehung unterschieden werden, die sich tausend Jahre später ereignet.

Christus wurde drei Tage nach seinem Tode auferweckt und ist damit der Erstling der ersten Auferstehung (1. Korinther 15,23). Die Heiligen der Gemeinde werden bei der Entrückung vor der Trübsal auferstehen (1. Thessalonicher 4,16). Schließlich werden die Heiligen des Alten Bundes (Jesaja 26,19; Daniel 12,2) und die Heiligen aus der großen Trübsal (Offenbarung 20,4) in den fünfundsiebzig Tagen zwischen der Trübsal und dem Beginn des Tausendjährigen Reiches auferweckt werden. Wir haben schon darauf hingewiesen, daß während der folgenden tausend Jahre nur Ungläubige sterben werden. Eine Auferweckung der Heiligen aus dieser Zeit wird also nicht notwendig sein. Erst am Ende des Friedensreiches wird die zweite Auferweckung erfolgen.

Die Gemeinde und die Heiligen aus der großen Trübsal werden zusammen mit Christus die Nationen der Heiden regieren. Sie werden mit der Autorität des Königs versehen sein und für die Ausführung seiner Befehle sorgen.

Könige

Wie in Psalm 72 erwähnt, werden die verschiedenen Nationen der Heiden auch eigene Könige haben. Diese Könige werden natürliche menschliche Körper besitzen, während die über sie herrschenden Heiligen ihre geistlichen Auferstehungsleiber haben werden. Die einzelnen Könige sind also in ihren Nationen die obersten Herrscher, stehen aber ihrerseits unter den Heiligen der Gemeinde und der großen Trübsal.

DIE REGIERUNG ÜBER DIE JUDEN

David, der König und Prinz

[…]

Die zwölf Apostel über den zwölf Stämmen

[…]

Fürsten

[…]

Richter und Ratsherren

[…]

Israel als Haupt über die Heiden

Das letzte Glied in dieser Kette von Ebenen der Machtausübung besteht darin, daß Israel das Haupt über alle Heiden werden soll. Hierzu soll im nächsten Kapitel mehr gesagt werden, aber wir müssen schon an dieser Stelle darauf hinweisen.

Israels Stellung als Haupt über die Heiden gehörte schon zu Gottes Verheißungen an Israel im 5. Buch Mose. Eine solche Stelle ist 5. Mose 15,6:

„Denn der Herr, dein Gott, wird dich segnen, wie er dir verheißen hat. So wirst du vielen Völkern leihen, du aber wirst nicht entlehnen; du wirst über viele Völker herrschen, sie aber werden nicht herrschen über dich.“

Die Führerschaft Israels über die Heiden sollte ein Teil der Belohnung sein, die Gott in 5. Mose 28,1 seinem Volk für dessen Gehorsam versprach:

„Es wird aber geschehen, wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes, wirklich gehorchst und darauf achtest zu tun alle seine Gebote, die ich dir heute gebiete, daß dich dann der Herr, dein Gott, erhöhen wird über alle Völker auf Erden.“

Gehorsam und Führerschaft sollen das Wiedererstehen Israels als Nation begleiten. Diese Verheißung wird in 5. Mose 28,13 wiederholt:

„Und der Herr wird dich zum Haupt machen und nicht zum Schwanz; und du wirst nur zuoberst und nicht zuunterst sein, wenn du gehorchst den Geboten des Herrn, deines Gottes, die ich dir heute gebiete, daß du sie beobachtest und tust.“

Neben diesen Aussagen im Gesetz Moses beschrieben auch die Propheten die künftige Stellung Israels als Haupt über die Heiden. Eine solche Stelle ist Jesaja 14,1-2:

„Denn der Herr wird sich Jakobs erbarmen und Israel wieder erwählen und sie in ihrem Land zur Ruhe bringen; und die Fremdlinge werden sich ihnen anschließen und sich dem Hause Jakob beigesellen. Und es werden sich Völker ihrer annehmen und sie an ihren Ort bringen; dieselben wird sich das Haus Israel im Lande des Herrn zum Erbteil nehmen, so daß sie ihm als Knechte und Mägde dienen; also werden sie die gefangen nehmen, deren Gefangene sie gewesen sind, und diejenigen beherrschen, welche sie einst drängten.“

Nicht nur werden die Heiden die Juden in deren Land zurückbringen – Israel wird die Völker sogar in Besitz nehmen, so daß sie Knechte Israels werden. Ähnliche Stellen finden wir in Jesaja 49,22-23 und 61,6-7.

Die Ebenen der Machtausübung bezüglich der Juden erstrecken sich also von Jesus über David zu den zwölf Aposteln, den Fürsten, den Richtern und Ratsherren über ganz Israel, das wiederum zum Haupt über die Heiden wird.

Quelle: Arnold G. Fruchtenbaum, Handbuch der biblischen Prophetie, (c) 1982 by Ariel Ministries, (c) der deutschen Ausgabe 1983 Verlag Schulte & Gerth, Asslar 1991, S. 334-356.

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