„Friedrich Schiller – Der Triumph eines Genies“ (1940) – Deutsche Literaturverfilmung von Herbert Maisch

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Friedrich Schiller – Der Triumph eines Genies

FILM
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Filmdaten
Originaltitel: Friedrich Schiller – Der Triumph eines Genies
Produktionsland: Deutsches Reich
Erscheinungsjahr: 1940
Laufzeit: 102 Minuten
Sprache: Deutsch
Filmproduktion: Tobis-Filmkunst GmbH
Erstverleih: Tobis-Filmkunst GmbH
IMDb: deu • eng
Stab
Regie: Herbert Maisch
Regieassistenz: Walter Steffens
Drehbuch: Walter Wassermann,
Lotte Neumann
Produktionsleitung: Gustav Rathje
Musik: Herbert Windt
Ton: Adolf Jansen
Kamera: Fritz Arno Wagner
Standfotos: Richard Wesel
Bauten: Franz Schroedter
Kostüm: Ludwig Hornsteiner
Aufnahmeleitung: Ernst Mattner,
Alfred Arbeiter
Herstellungsleitung: Fritz Klotzsch
Schnitt: Hans Heinrich
Besetzung
Darsteller Rolle
Horst Caspar Friedrich Schiller
Heinrich George Herzog Carl Eugen von Württemberg
Lil Dagover Reichsgräfin Franziska von Hohenheim
Eugen Klöpfer Dichter Schubart
Paul Henckels Hofmarschall von Silberkalb
Friedrich Kayßler Vater Schiller
Walter Franck Fremder
Herbert Hübner General Rieger
Dagny Servaes Frau Rieger
Hannelore Schroth Tochter Laura Rieger
Paul Dahlke Feldwebel Rieß
Hans Quest Eleve Hoven
Hans Nielsen Eleve Scharffenstein
Fritz Genschow Eleve Karpff
Franz Nicklisch Eleve Petersen
Ernst Schröder Eleve Zumsteg
Wolfgang Lukschy Eleve Boigeol
Hildegard Grethe Mutter Schiller
Lore Hansen Christophine Schiller
Just Scheu Hauptmann der Militärakademie
Edmund Lorenz Schorsch Rieß
Günther Hadank General Augé
Arthur Anwander Schillers Bursche Kronenbitter
Hans Leibelt Prof. Abel
Heinz Welzel Musiker Andreas Streicher
Bernhard Minetti Franz Moor
Albert Florath Pastor Moser
Walter Werner Lakai Daniel
Fritz Eckert Großfürst Paul
Herma Relin Großfürstin
Lothar Körner Buchhändler Schwan
Friedrich Ettel Ochsenwirt Brothag
Paul Rebstock Fuhrmann Köberle
Fritz Berghof 1. Zuhörer des Dichters Schubart
Eduard Bornträger 2. Zuhörer des Dichters Schubart
Hermann Gees 3. Zuhörer des Dichters Schubart
Franz Klebusch 4. Zuhörer des Dichters Schubart
Jens von Hagen 1. Höfling bei Empfang des Großfürsten
Erik Radolf 2. Höfling bei Empfang des Großfürsten
Karl-Helge Hofstadt Kurier der Festung Hohenasperg
Bruno Peschel Lakai
Georg A. Profé Schüler der Militärakademie
Frithjof Ruede Kammerherr des Herzogs
Wolf Trutz Vater Schillers Begleiter bei der Diplomverteilung
Hugo Welle Zuschauer bei der Diplomverteilung
Georg D. Gürtler

Friedrich Schiller – Der Triumph eines Genies ist eine deutsche Literaturverfilmung von 1940. Der Film wurde vom 30. Mai bis 1. Oktober 1940 in StuttgartUlmHohenaspach, im Tobis-Atelier Berlin-Grunewald und im Efa-Atelier Berlin-Halensee gedreht. Die Uraufführung fand am 13. November 1940 in Stuttgart (Universum) statt.

Auszeichnungen

Prädikate
  • Staatspolitisch wertvoll
  • Künstlerisch wertvoll
  • Jugendwert

Ausführliche Inhaltsbeschreibung

Paul Henkels, Heinrich George und Herbert Hübner

Hannelore Schroth, Dagny Servaes und Lil Dagover

Hell und hart schmettert das Trompetensignal im Hof der Militärakademie. Es dringt hinauf in den Schlafsaal der Eleven. Noch dämmert erst der Morgen, aber die Jünglinge reißen die Decken fort, springen aus den primitiven Schlafgestellen, kleiden sich an und nehmen zu Füßen des Bettes Aufstellung. Jeder Tag des Jahres beginnt so, aber der heutige Tag wird eine neue Phase im Leben der Militärakademie bringen. Es ist der Geburtstag der Reichsgräfin Franziska von Hohenheim, der Maiträsse des Herzogs Karl Eugen. An ihm werden Zensuren und Preise für die Zöglinge verteilt und die Ältesten unter ihnen entlassen. Der Tag bedeutet mehr als ein Schulabschluß im gewöhnlichen Sinne. Er ist ein Versprechen, frei zu sein von einer knechtischen Bevormundung und einem oft unerträglichen Zwang. „Des Herzogs Zuchtanstalt für Menschenvieh“ heißt die Akademie unter den Eleven, und der dämmernde Morgen selbst dieses festlichen Tages unterscheidet sich in nichts von den ungezählten, die ihm vorausgingen. An der Tür steht der Sergeant Rieß, eine brutale, geistig subalterne Kreatur, Zuchtrute in Menschengestalt. Lauernden Blickes geht er die Reihen der angetretenen Zöglinge entlang, einer von ihnen, Hoven, ist im höchsten Stadium fieberkrank, er hält sich nur mit Mühe aufrecht. Den Sergeanten hindert das nicht, ihn als Simulanten zu verhöhnen, dem es vor dem „Strafgericht“ des heutigen Tages bange ist. Er hat anzutreten und mitzukommen. Er muß, gleich den anderen, das befohlene Gebet im Chor sprechen, er wird, gleich den anderen, auf Kommando des Sergeanten den Zopf des Vordermannes flechten … Einige Stunden später marschieren die Eleven durch die Stadt, dem herzoglichen Schloß zu, die Bürger stehen am Straßenrand. Es gibt an solchen Tagen etwas zu sehen und wenn es nur der „Hurewage“ ist, der kurz zuvor „die früheren Weibsbilder“ vom Herzog, Bürgerkinder, Bauernmädel und „Damen“ außer Landes fährt, weil Franziska von Hohenheim es so wünscht. Sie heißt im Volk „der Engel von Württemberg“, alle lieben sie als Inbegriff fraulicher Güte und Schönheit, und der Herzog steht völlig in ihrem Bann.

Ein kühner Liebhaber

Der Zug der Eleven ist in die Nähe des Schlosses gekommen. Dort nimmt der General Rieger, Kommandant der Militärakademie, den Vorbeimarsch ab. Am Fenster des Schlosses sieht man zwei Frauen: es sind die Generalin und ihre Tochter Laura. Als die Zöglinge in Höhe des Fensters sind, geschieht etwas Unglaubliches: einer tritt aus der marschierenden Kolonne an das offene Fenster, an welchem die Frauen stehen, und wirft ein zusammengefaltetes Blatt dem Mädchen zu, die Menschen in der Nähe haben es gesehen. Einige lachen, einige sind entsetzt, denn sie ahnen, welche Folgen eine solche Kühnheit haben kann für den jungen Menschen. Der General, Puppe des Herzogs, ist empört, die Generalin lacht über den „galanten Burschen“ – sie wird sich bei der Reichsgräfin für ihn verwenden, damit er die Strafe, die ihm droht, erlassen bekommt.

Still und glücklich aber, mit einem hellen, heißen Jubel im Herzen, hat das junge Mädchen das erste Gedicht gelesen, das ein Mann für sie schrieb. Sie hat den Eleven der Akademie ein paar Mal gesehen. Sie kennt seinen Namen kaum – wie kann sie ahnen, daß er einst zu den größten und Verehrtesten der Nation gehören, wird …

Heute aber steht er, ein Schüler der Militärakademie, klopfenden Herzens im Thronsaal und hört die Namen der vierzehn Kameraden, die mit ihm entlassen werden sollen. Der Adel, die Offiziere, die Beamten bilden den hohen Kreis der Zuschauer. Unter den Offizieren erkennt man die ernste, aufrechte Gestalt des Vaters Schiller. Er ist Hauptmann in der Armee des Herzogs. Auf der Galerie aber, wo das Volk sich drängt, blickt die Mutter, eine Frau mit großen, ausdrucksvollen Augen, das Phinerl, Fritzens Schwester, neben sich, herunter, wo ihr Junge unter den anderen steht.

Das Preisgericht

Die Kameraden sind aufgerufen worden, sie haben ihren Treueid auf den Herzog gesprochen und nun fällt, als letzter, der Name Friedrich Schiller. Er ist der einzige Mediziner unter denen, die heute entlassen werden. Der Herzog spricht lobende Worte, er überreicht ihm zwei Diplome für Preisarbeiten – es ist ganz still im Saal, das Gesicht eines jungen Mädchens strahlt, in den Blick eines Vaters kommt ein stilles Leuchten und im Herzen einer Mutter jubelt es … Da ändert sich des Herzogs Ton. „Seine Doktorschrift ist etwas ungewöhnlich! – Ganz interessant, aber auch sehr kühn, und ein wenig dreist zum Teil.“ Und dann kommt es ungehalten heraus: „Warum tut er so philosophisch? Medizin heißt seine Wissenschaft – nicht Philosophie.“ Da hört man, in eine lähmende Stille hinein, aus dem Munde des jungen Schillers: „Eine jede Wissenschaft, Durchlaucht, fängt damit an, über ihre Grenzen nachzudenken.“ Das Unerhörte hat sich ereignet: dem Monarchen ist widersprochen worden. Ja es bleibt nicht nur bei dieser einen Antwort. Der Mediziner Schiller antwortet frei und arglos auf die Fragen, die Karl Eugen argwöhnisch weiter an ihn richtet: Ob er seine sonderbaren Gedanken zu Papier bringe; was er denn schreibe? – „Was mir mein Herz befiehlt, Durchlaucht“, ist die stolze und glühende Antwort. Die Situation wird immer heikler. Laura erschrickt, Franziska ahnt, was sich ereignen wird. Lauernd fragt der Herzog: „Hat er keinen besseren Herrn, der Ihm befiehlt, als sein Herz?!“ – „Keinen größeren, Durchlaucht!“ Eine Bewegung geht durch den Saal. Eine Antwort von solcher Kühnheit hat man seit dem Bestehen der Akademie nicht gehört. Da erfüllt sich auch schon das Schicksal des Eleven Schiller. Väterlich sanft kommen die Worte aus dem Munde des Herzogs, aber sie wirken auf den, dem sie gelten, wie die Donnerschläge des jüngsten Gerichtes. „Ich glaube, es wird sehr gut und heilsam für Ihn sein, wenn er noch ein Jahr auf der Akademie verbleibt, wo man sein Feuer noch ein wenig dämpfen kann!“

Noch ein Jahr in der Zuchtanstalt

Die Zeit, die nun kommt, ist hart. Schiller ist schwer getroffen. Beinahe scheint es, als ob er nicht mehr die Kraft besitze, das alles noch einmal ein volles Jahr zu überstehen. Aber dann wächst der Wille zum Leben und zugleich steigen im Innern die Gestalten seines ersten Dramas auf. „Die Räuber“ soll es heißen, und die Männer, von denen es handelt, sind eine fest verschworene Gemeinschaft des Kampfes, Helfer aller Unterdrückten und Beleidigten, aber Strafgerichte für die, deren Weg ungerecht ist …

In einem einzigen Rausch aufgebrochener schöpferischer Kräfte schreibt Schiller Szene für Szene. Am Tag unter strengster Aufsicht, immer in Gefahr, von den Spitzeln des Herzogs oder vom tiefen Mißtrauen des Fürsten selbst überrascht zu werden, nützt er die Nächte oder das vorgetäuschte Krankenlager, um das Werk, erstes Zeichen des jungen Genius, zu vollenden. In diesen Tagen sind die Kameraden Trost und Ansporn. Sie blicken begeistert zu ihrem „Hauptmann“ empor, sie erkennen neidlos und mit dem Instinkt der Jugend für das Echte seine Begabung an. Zur schönsten Erfüllung aber wird ihm das Gefühl für Laura. Auf einer verborgenen Wendeltreppe der Akademie haben sich die beiden jungen Menschen zum ersten Male heimlich getroffen und gesprochen – es bedurfte nicht vieler Worte: Die ersten hatten alles gesagt, und Schiller, verzückt beim Anblick des geliebten Mädchens, spricht noch einmal die letzten Worte des Gedichtes, leise und innig:

Es sind Worte eines revolutionären Aufrufs. Es ist die maßlose Sprache der „Räuber“. Es klingt nach Zerstörung und Vernichtung, aber wer genau hinhört, spürt hinter den Worten den Adel einer großen menschlichen Gesinnung, eine Fanfare zur Gerechtigkeit und Freiheit, eine Kampfansage – nicht schlechthin an das Bestehende und an die menschliche Ordnung, aber an die Vergewaltiger des Rechtes und des Geistes. Rieger kennt sich, kaum vor Wut, als er die ungeheuerlichen Worte aus der Tiefe des Gewölbes hört. „Ich schieß ihn nieder wie einen tollen Hund! Der Kerl ist schlimmer als Schubart!“ Wieder hört man die Stimme Schillers: „Der Gedanke Gott weckt einen fürchterlichen Nachbar auf. Sein Name heißt: Richter!“ Da sagt der Herzog, der bisher schweigend zugehört hat: „Laß Er Alarm blasen.“

„Seine Blicke, wenn sie Liebe lächeln
Können Leben durch den Marmor fächeln!
Felsenadern Pulse leih’n
Träume werden um mich her zu Wesen.
Kann ich nur in deinen Augen lesen
Laura, Laura mein!“

Freilich: die harte Wirklichkeit zerstört den schönen Augenblick. Das Mädchen weiß um die Gefahr, in der der Geliebte ist, sie mahnt voller Fürsorge und Furcht zur Vorsicht und ist tief erschrocken, als Schiller ihr von seinem Drama erzählt. „Fritz, das darf der Herzog nie erfahren! Hörst du, nie! Sonst bist du verloren wie Schubart!“ Der Name des unglücklichen schwäbischen Dichters ist gefallen, der in den Mauern des Hohenasperg in der Gefangenschaft schmachtet. Häscher hatten ihn, der sich in Ulm auf sicherem Boden außer Landes glaubte, ergriffen und zurückgeschleppt. Schiller sollte noch eine furchtbare Begegnung mit diesem von der Jugend verehrten Mann haben.

Eine nächtliche Verschwörung

Es ist Nacht. Der Sergeant, durch einen herzoglichen Befehl unter Druck gesetzt, versucht auf alle Fälle herauszubekommen, was Schiller schreibt, schleicht mit einem Windlicht durch Schlafsäle und Gänge. Er kommt an einem Kamin vorbei, bleibt stehen und hört, indem er sich herabbeugt, fernen Gesang.

„Ein freies Leben führen wir,
Leben voller Wonne!
Der Wald ist unser Nachtquartier,
Bei Sturm und Wind hantieren wir,
Der Mond ist unsere Sonne …“

Der lauschende Sergeant hat genug gehört. Er eilt davon und macht Meldung. Kurze Zeit vergeht, und nun steht der Herzog mit dem General Rieger hinter einer vergitterten Luftöffnung, die zum Kellergewölbe führt. Da unten sitzen zehn oder zwölf Zöglinge, gespenstisch angestrahlt vom flackernden Licht der Kerzen. Auf einem Schemel, einen Fuß auf den Tisch gestellt, steht Schiller und liest aus seinem Manuskript. Aber er braucht kaum hinzusehen. Er kennt den Text auswendig, den er spricht: „Glaubt Ihr wohl, Gott werde es zugeben, daß ein einziger Mensch in seiner Welt wie ein Wüterich hause und das Oberste zuunterst kehrt?“

Ein Ritt zum Hohenasperg

Auf dem Hof ist die gesamte Akademie angetreten. Der Herzog erscheint und ruft den Eleven leutselig zu: „Morgen, meine Söhne.“ Und im Chor schallt es zurück: „Morgen, Herr Herzog!“ „Es hat mich heute Nacht nicht schlafen lassen“, so beginnt der Herzog seine Ansprache, „es soll in meinem Lande Rebellen geben! In meinem Lande gibt es keine Rebellen! Und wenn es einen gibt, so lege ich ihn in Ketten so lange, bis ihm der letzte Atemzug des Widerstandes und Ungehorsams gegen mich vergeht!“ Es ist Stille. Es wagt kaum einer zu atmen. Der Herzog geht prüfend die Reihen ab. Schließlich bleibt er vor Schiller stehen: „Er sieht schlecht aus! Er hat wohl wenig geschlafen? Oder braucht Er frische Luft? Möchte Er einen Ausflug machen?“ Schiller bewahrt Haltung und sagt geistesgegenwärtig: „Wer möchte das nicht Durchlaucht … an einem solchen Tag!“ Der Herzog zögert ein wenig, dann fragt er rasch: „Wie wär’s mit dem Hohenasperg?“ Schiller stockt der Atem. Sein Herz schlägt laut, aber ruhig antwortet er: „Warum nicht, Durchlaucht?“ „So laß Er sich ein Pferd geben, und reit Er hin. Aber eile Er sich – es ist ein weiter Weg von da zurück.“

Spiel um das Leben

Der Herzog ist entschlossen, Schiller in Ketten zu legen. Aber die Fürsprache der Reichsgräfin verhütet noch einmal das äußerste. Nur: Eine abschreckende Erfahrung soll der junge Revolutionär vom Hohenasperg mitnehmen. Man hat ihn in die Zelle des Dichters Schubart geführt. Er hat einen Elenden, völlig Zerbrochenen getroffen, der nichts mehr erhofft vom Leben. Schubart, einst das Herz und der Mund der Jugend Schwabens, weiß gar nicht mehr, daß sein Recht mit Füßen getreten wird. Er dämmert dahin, ein Apathischer, der die Sehnsucht seiner jungen Jahre vergessen hat. Das erschütternde Bild dieses Menschen, den die Hand des Herzogs an Leib und Seele zerbrochen hat, steht vor Schillers Auge, als er nun in dem kleinen Gobelinsaal des Schlosses steht. Der Herzog mit Franziska und dem Hofmarschall, einer intriganten, armseligen Krachtest, erwartet ihn.

Der Herzog hat getrunken, er ist in heiterer Laune und leutselig gestimmt. Aber der Alkohol macht ihn unberechenbarer denn je, seine Worte schwanken zwischen Wohlwollen und teuflischer Hinterhältigkeit. „Bon soir, man poäte! Wie hat es Ihm gefallen auf dem Hohenasperg? Schöne Räume da oben, wie? – Wie gemacht, um böse, rebellische Hirngespinste auszutreiben falls einer daran leidet …“ Schiller bleibt stumm. Franziska sucht abzulenken und den Herzog auf ein anderes Thema zu bringen. Und es gelingt ihr – Karl Eugen wünscht, daß der Eleve Schiller ihn kopiert. Franziska stockt der Atem, sie ahnt die Gefahr, sie versucht abzulenken. Aber der Herzog beharrt auf seinem Wunsch wie ein eigensinniges Kind.

Und so spielt denn Schiller die Rolle des Herzogs. Die Verzweiflung gibt ihm Mut und Glück. Es gelingt ihm sogar, ein doppeltes Spiel zu spielen, das eigene und das für den Herzog. Der ist ahnungslos begeistert, Schiller bringt die Pointen schlagfertig und witzig – ein geborener Dramatiker – ein Stück von jener Welt der Bühne, die er zu erobern im Begriff ist. Zugleich weiß er sich im Einvernehmen mit der Reichsgräfin, sie ist es denn auch, die die Situation in letzter Minute rettet, als Schiller den Herzog so lebensecht spielt, daß man nicht mehr weiß, was Spiel und Wirklichkeit ist …

Als Schiller entlassen ist, scheint er fürs erste gerettet. Er hat um sein Leben gespielt. Sein erster Weg ist zu Laura. Sie hat das Manuskript der „Räuber“ vor dem Zugriff der Spione bewahrt, die den Auftrag hatten, Geschriebenes von Schiller zu bringen, wo immer sie es finden sollten. Sein Entschluß steht fest: Er wird arbeiten, Medizin studieren – so lange, bis er endlich hier herauskommt.

Der Regimentsmedikus

Auch diese letzte Zeitspanne ist vergangen. Schiller trägt die Uniform des Regimentsmedikus – das ist die kümmerliche „Versorgung“, die der Herzog einst dem Vater versprochen hatte. Er ist nicht mehr Karlsschüler, aber das bedeutet noch nicht, daß er dem Zugriff der herzoglichen Gewalt entrückt ist. Sein neuer Vorgesetzter, der General Auge, ist freilich ein begeisterter, wenn auch heimlicher Bewunderer des Verfassers der „Räuber“. Das Drama ist gedruckt, beim Buchhändler Schwan, und das verlegerische Geschäft kann nicht schlecht sein: Die Jugend reißt sich um die Exemplare. Es sind die alten Freunde, die Schiller auch jetzt noch als ihren „Hauptmann“ verehren. Sie treffen sich zu gemeinsamen Abenden im Roten Ochsen. Da schäumt jugendliche Kraft und Begeisterung auf. Und an einem dieser Abende ist es, daß Schiller ein Brief überreicht wird. Als er ihn öffnet, bleibt er lange wortlos, dann sagt er nur: „Dalberg in Mannheim hat mein Stück genommen.“ Er ist so ergriffen, daß er die frohe Runde der Freunde verläßt und langsam in die Mondnacht tritt. Eine ganze weite Zukunft, Ruhm und Glanz des Lebens, liegt vor ihm. Ausgebreitet wie ein Versprechen und eine Erfüllung zugleich …

Junger Ruhm

Die Aufführung in Mannheim wird ein rauschender Erfolg. Sie ist in aller Munde – auch zum Herzog dringt die Nachricht. Ja er hat sogar ein Exemplar der „Räuber“ in der Hand und liest das Motto, das alles sagt: „In tyrannos“ – Tod der Knechtschaft … Nun ist Schillers Schicksal beschlossen. Der Weg zum Hohenasperg darf kein Aufsehen in der Öffentlichkeit hervorrufen. Das ist bei der Stimmung, die für Schiller schlägt, schon nicht mehr möglich.

Aber es geschieht das Unerwartete, kaum Glaubliche. In dieser Stunde läßt Schiller sich selbst beim Herzog melden. Er sucht ein letztes Gespräch mit dem Herzog. Er will seinen Glauben an den guten Kern des Menschen erproben. Das Gespräch endet bei der letzten Entscheidung, die Schiller den Mut gibt zu sagen: „Sie sind ein Mensch, wie alle, wenn Gott sie ruft! Doch wenn er Sie einst ruft, dann stehen Sie nicht für sich allein, für alle werden Sie zur Rechenschaft gerufen, die Ihnen anvertraut waren!“ Der Herzog ist kaum imstande, sich zu beherrschen „Zerschmettern kann ich Ihn, wenn ich will!“ „So tun Sie es doch! – Meinen Mund mögen Sie zum Schweigen bringen, mein Werk, das weiß ich jetzt, wird weiterleben!“

Noch ist die Stunde nicht gekommen, die diesen gefährlichen Revolutionär dem Herzog ungefährlich macht. Während des abendlichen Hoffestes soll die Verhaftung unauffällig erfolgen. Aber der Herzog hat bereits verspielt. Laura, die Mutter, die Freunde, vor allem der treue Freund Streicher warnen und überzeugen schließlich den Sorglosen, daß der Herzog den vernichtenden Spruch gesprochen hat. Und während die Häscher vergeblich nach dem Staatsverbrecher suchen und das Nest leer finden, passieren zwei junge Männer, Schiller und Streicher, die nahe württembergische Grenze im Schutze der Nacht.

Vom Karlsschüler zum Dichter der „Räuber“

Die Karlsschule war eine Mischung aus Gymnasium, Militärakademie und Universität. Ihr Vorbild war dem französischen Unterrichtssystem entnommen, daher auch die offizielle Bezeichnung „Ecole militaire“. Sie war von Karl Eugen als Pflanzstätte der begabtesten Söhne seines Landes gedacht, vor allem sollte sie sich aus den Beamten- und Offiziersfamilien rekrutieren. Es war eine verhängnisvolle „Gnade“, wenn ein Vater aufgefordert wurde, seinen Sohn auf die fürstliche Schule zur Erziehung zu geben. Die Strenge, das freudlose Pauken waren berüchtigt. Überdies verloren die Eltern mit Eintritt ihres Sohnes jedes Verfügungsrecht über das Kind, ja sie bekamen es nur ein paar Mal im Jahr, eine Viertelstunde lang im Beisein eines Aufsichtsbeamten, zu sehen. Die Erziehung war drakonisch und ohne geistige Lebendigkeit – darin hat das Drehbuch von Paul Joseph Cremers nichts übertrieben, wie es sich denn überhaupt in allen wesentlichen Zügen an die geschichtliche Wirklichkeit hält.

Schiller kam 1773, als Vierzehnjähriger auf die Akademie. Der Film aber zeigt den Einundzwanzigjährigen, sieben Jahre später. Schiller hatte in diesem Jahre, 1780, eine philosophische Abhandlung eingereicht. Solche „Dissertationen“ wünschte der fürstliche Erzieher bisweilen von seinen Schülern zu sehen: Man schielte nach der Würde, die freilich nur Universitäten zu vergeben hatten. Schillers Arbeit wurde als nicht geeignet erachtet, in den Druckschriften der Akademie zu erscheinen. In dem herzoglichen Erlaß vom 13. November 1779, den Reinhard Buchwalds Schillerbiographie (Inselverlag) mitteilt, heißt es:

„Daher glaube ich, wird es auch noch recht gut vor ihm sein, wenn er noch Ein Jahr in der Akademie bleibt, wo einmittelst sein Feuer noch ein wenig gedämpft werden kann, so daß er alsdann einmal, wenn er fleißig zu sein fortfährt, gewiß ein recht großes Subjektum werden kann.“

Wie hart Schiller diese Verfügung traf, davon berichtet der Film. Dieses letzte Akademiejahr war, vom Studium her gesehen, sinnlos. Freilich, von Schillers dichterischer Entwicklung her betrachtet, konnte man es als entscheidend ansehen. Das Jahr 1780 ist das Jahr der „Räuber“. Sie sind Schillers erstes Drama. Es kann nicht bezweifelt werden, daß sie wesentliche Eindrücke von Schillers Zeit auf der Karlsschule spiegeln. Karl Moor, dem Hauptmann seiner Räuber, der für die Beseitigung des Unrechtes in der Welt kämpft, hat Schiller Züge gegeben, die ihm selbst, wenn nicht eigen, so doch dem Idealbild zugehörig sind, das er von dem Jüngling seiner Zeit im Herzen trug. Das übersteigerte Freiheitspathos in diesem Menschen ist Ausfluß der inneren und äußeren Enge, in die die Akademie die Zöglinge zwang. Zahllose Anspielungen verwiesen das Publikum der Zeit, sofern es die württembergischen Verhältnisse kannte, auf Ereignisse der Stunde, Schicksale des Alltags. Das Drama war überhaupt ein Spiegel der Gegenwart, und Schiller hat sich mit Recht dagegen gewehrt, als Dalberg, der Mannheimer Intendant, die Handlung ins fünfzehnte Jahrhundert zurückverlegte – wahrscheinlich in der Absicht, die gefährliche Aktualität durch zeitliche Entfernung zu mildern. Schiller konnte dagegen einwenden, daß die Figuren seines Dramas aus der Gegenwart gesehen sind. Sie denken „modern“, nicht nur Karl und Amalie, sondern auch Franz, „dieser spekulative Bösewicht, dieser metaphysisch-spitzfindige Schurke“. Schiller wußte sehr genau, wes Geistes Kind sein dramatischer Erstling war. Er kannte auch die Schwächen: die anonyme Selbstkritik, die er darüber veröffentlichte, zeigt das deutlich. Die „blumige“ Sprache, die übersteigerten Kraftworte – das alles waren Zeichen des Beginns, Zeichen auch einer zeitgebundenen Sturm- und Drang-Epoche.

Unberührt davon, was sich in den „Räubern“ ausspricht: das politische Bekenntnis. Die „Räuber“ sind aus einem unmittelbaren Gegenwartserlebnis erwachsen, und dieser Gegenwart wird durch den jungen Schiller zum ersten Mal die Maske vom Gesicht gerissen. Es ist der Klang einer neuen Zeit, der hier ertönt. Er sagt dem sterbenden Absolutismus den Kampf an. Der Weg, den er begleitet, und der neue, der nun beginnt, ist der Weg des sich seiner Kraft bewußt werdenden Volkes.

Darsteller

Heinrich George

Heinrich George spielt den Herzog, eine Rolle, die manche Ähnlichkeit mit der Aufgabe hat, die ihm in „Jud Süß“ gestellt war. Hier wie dort zeichnet er das Bild des Barockfürsten, in beiden Fällen handelt es sich um Württemberg, Karl Eugen ist der Sohn des Herzogs Karl Alexander, der Jud Süß zu seinem Hofjuden macht. Es sind Barockfürsten, aber nicht jene kraftvollen Typen aus der Frühzeit, sondern späte, denen die despotische Gewalt nur Ausfluß persönlicher Verschwendungssucht und Glorifizierung ist. Dieser Herzog ist einer jener Fürsten, die damals das Vorbild ihrer Herrschaft allein im Hof von Versailles sahen. Karl Eugen ist hart bis zur Grausamkeit, dann wieder kindlich in seinem Egoismus, der nur sich sieht, ohne Skrupel, wenn es sich um Hoffeste und schöne Frauen, Pomp und Glanz handelt: So zeichnet George diesen Menschen, eine neue, den vielen kraftvollen, elementaren Gestalten hinzufügend, die der Film ihm verdankt.

Lil Dagover

Lil Dagover ist die Franziska von Hohenheim, jene Frau, die als einzige einen günstigen Einfluß auf Karl Eugen ausübt. „Der Engel von Württemberg“, die schöne, kluge und gütige Frau, wird vom Volk verehrt, weil es spürt, daß von ihr etwas wie eine rettende Zuflucht vor der immer drohenhenden herzoglichen Gewalt ausgeht. Man weiß, wie gerade Lil Dagover die Gabe besitzt, solchen Frauen glaubhafte Umrisse zu geben. Sie verbindet das Aristokratische der Erscheinung mit echter fraulicher Wärme so, daß hinter der fürstlichen Erscheinung ein Stück menschlicher Atmosphäre spürbar wird.

Horst Caspar

Horst Caspar spielt den jungen Schiller. Caspar, war zu jener Zeit dem Berliner Schiller-Theater zugehörig, stand in diesem Film zum ersten Mal vor der Kamera. Er kam aus der ausgezeichneten Bochumer Schule Soladin Schmitts, der Bochumer Bühne hat er eine Reihe von Jahren als jugendlicher Held angehört. In der Spielzeit 1939/40 spielte er bei Falckenberg an den Münchener Kammerspielen. Er spielte den Tasso, den Hamlet, den Siegfried. Jede neue Rolle bewies, daß er zu den wesentlichsten Erscheinungen unter den Nachwuchsschauspielern der deutschen Bühne gehörte. Die meisten werden ihn als Gneisenau in dem Film „Kolberg“ kennen.

Herbert Maisch

Herbert Maisch ist der Regisseur dieses Films. Er kommt von der Bühne, wirkte lange in Mannheim und Frankfurt. Er hat sich bisher vor allem mit dem Problem des musikalischen Films beschäftigt und auf diesem Gebiet eine Reihe schöner Erfolge erzielt. Wir nennen „Königswalzer“, „Nanon“ und den „Carmen“-Film. Eine ganz andere Aufgabe war ihm mit dem dokumentarischen Fliegerfilm „D III 88“ gestellt. Wenn er jetzt den Schillerfilm dreht, so bedeutet das in einem gewissen Sinne eine neue Phase und einen Beweis für die Vielseitigkeit seines Schaffens – daß Maisch eine Zeitlang Intendant des Theaters der Jugend in Berlin war, soll im Zusammenhang hiermit nur am Rande vermerkt werden.

Weitere Darsteller

Filmplakat

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Literatur

Verweis


 

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„Der Postmeister“ (1940) – Deutscher Spielfilm von Gustav Ucicky, angelehnt an die gleichnamige Erzählung von Alexander Puschkin – mit Heinrich George und Hilde Krahl

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Der Postmeister ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 1940. Der Film entstand sehr frei nach der Erzählung Der Postmeister (Originaltitel: Станционный смотритель / Stanzionny smotritel) von Alexander Puschkin. Der Film entstand 1939/1940 in Wien, unter anderem am Bahnhof Klein-Schwechat (heute Kaiserebersdorf). Die Uraufführung fand am 25. April 1940 statt.

Zum Filmvideo:

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Handlung
Der Film spielt irgendwo in der russischen Provinz. In großer Einsamkeit leitet ein Postmeister eine Poststation. Er lebt dort mit seiner schönen Tochter Dunja. Eines Tages macht hier der Rittmeister Minskij Station und schwärmt von Sankt Petersburg. Dunja solle unbedingt in die Stadt des Zaren kommen. Dunja verliebt sich in den stattlichen Mann und reist tatsächlich in der Hoffnung, den Rittmeister zu heiraten, nach Sankt Petersburg. Dort ist jedoch von Heirat nicht die Rede und Dunja versinkt im Großstadtleben. Als beliebte Mätresse der Adeligen schlägt sie sich durchs Leben. Einzig der junge Mitja meint es mit seiner Liebe ehrlich. Als der alte Postmeister Gerüchte vom Lotterleben seiner Tochter hört, macht er sich auf den Weg nach Sankt Petersburg. Sollten die Gerüchte wahr sein, will er seine Tochter und den Rittmeister umbringen. Obwohl sie eigentlich mit Mitja zusammen sein möchte, überredet sie den Rittmeister Minskij, mit ihr dem Vater die gemeinsame Hochzeit vorzuspielen. Dies überzeugt den Postmeister, der beruhigt wieder abreist, genauso wie Mitja, der mit Dunja daraufhin bricht. Völlig allein und enttäuscht von ihrem eigenen Dasein, nimmt Dunja sich das Leben.

Kritiken
Lexikon des internationalen Films: Hervorragend fotografiert und inszeniert – mit Heinrich George als Postmeister in seiner wohl besten Filmrolle.[1]
Theaterregisseur Jürgen Fehling über Heinrich Georges Darstellung des Postmeisters: …im Postmeister tanzte er wie ein (…) mozärtlicher Elephant (…) ein Granitblock, dem diamantene Tränen entfallen (…) mit einem Ausmaß an Phantasie, das Gott in hundert Jahren nur ein paarmal an Schauspieler verschenkt.

Auszeichnung
Der Film gewann bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 1940 den Mussolini-Pokal als bester ausländischer Film.

 

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Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Postmeister

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