Endzeitnotizen (73): Die Ölbergrede – Die Endzeitrede in Matthäus 24 – 25 (+ Schaubild)

Die Ölbergrede, die Jesus kurz vor seiner Kreuzigung hielt, ist die wichtigste in sich abgeschlossene prophetische Stelle in der gesamten Bibel. Sie ist bedeutsam, weil sie Jesus selbst gehalten hat, unmittelbar nachdem er von seinem Volk verworfen wurde. Außerdem gibt sie uns eine mustergültige Zusammenfassung endzeitlicher Ereignisse. Wenn man sie in Verbindung mit Daniel 2; 7; 8 und 9 sowie Offenbarung 2 – 20 studiert, erhält man mehr Informationen über die wichtigsten, der Menschheit noch bevorstehenden Ereignisse als in den Schriften irgendeiner Weltreligion. Wir Autoren gebrauchen gern ein Bild: Diese Zusammenfassung gleicht einer Wäscheleine, auf der alle Endzeitprophetien wie Kleidungsstücke an der entsprechenden Stelle aufgehängt sind oder wie im Fall von Daniel 2; 7; 8 und 9 sowie Offenbarung 2 – 20 parallel dazu aufgereiht werden können. Diese Rede muss von großer Bedeutung sein, weil sie in allen drei synoptischen Evangelien erwähnt wird. Die ausführlichste Version der Rede befindet sich in Matthäus 24 – 25. Die Parallelstellen stehen in Markus 13 und Lukas 21.

Ein Fehler, den viele Christen beim Studium dieser Rede machen, ist, dass sie in den Worten Jesu die Entrückung suchen. Solche Bemühungen sind vergeblich, denn sie kommt darin nicht vor. Ja, die Gemeinde selbst wurde erst gegründet, nachdem der Herr diese für Israel bestimmte Rede als Reaktion darauf gehalten hatte, dass ihn die meisten Angehörigen seines Volkes als Messias verwarfen. Diese Rede sagt die Ereignisse der Zukunft Israels voraus, obwohl sich ein Großteil auch auf Christen anwenden lässt, weil wir viele der gleichen endzeitlichen Ereignisse durchleben. Außer in Johannes 14,1-3 finden wir kaum Belehrungen unseres Herrn bezüglich der Entrückung. Er überließ es vielmehr den Aposteln Paulus und Johannes, über dieses Thema zu schreiben.

Die Fragen der Jünger

Die Ölbergrede ist die Antwort auf drei von den Jüngern gestellte Fragen. Jesus hatte gerade die Zerstörung des Tempels in Jerusalem vorausgesagt (die im Jahr 70 n. Chr. erfolge). Weil die Jünger wussten, dass Daniel die Tempelzerstörung prophezeit hatte, gingen sie sofort zu der Annahme über, Jesus spreche über die von Daniel erwähnte Endzeit. Sie konnten nicht ahnen, dass Jesus eine Zerstörung voraussagte, die in nicht einmal 40 Jahren stattfinden würde. Dann fragten die Jünger:
– Wann wird das sein?
– Was ist das Zeichen deiner Ankunft?
– Was ist das Zeichen der Vollendung des Zeitalters?
Wir müssen die gesamte Rede im Licht der Antwort Jesu auf diese Fragen sehen.

Jesu Antwort

Als Erstes wollte unser Herr seinen Jünger – und uns – im Hinblick auf die Endzeit verdeutlichen, dass es viele Verführer und falsche Messiasse geben wird, die Menschen in die Irre führen wollen. Ja, in den folgenden Worten finden sich mindestens neun Warnungen von Verführern und falschen Propheten, die auch die Auserwählten vom rechten Weg abbringen wollen. Obwohl es, historisch gesehen, im Zeitalter der Gemeinde viele Irrtümer gegeben hat, werden sie sich unmittelbar vor der Trübsal und in zunehmendem Maß in deren Verlauf stärker Gehör verschaffen.

Jesu Antwort auf die erste Frage erscheint im Grunde auch in Lukas 21,20-24 und sollte zwischen V 6 und 7 von Matthäus 24 eingeordnet werden. Weil Matthäus die anderen Fragen dann am ausführlichsten beantwortet, werden seine Ausführungen von Bibelauslegern besonders häufig verwendet.

Die Zeichen der Zeit
Worin bestehen die Zeichen der Endzeit? Das erste Zeichen, worauf Jesus verwies, war Krieg. Nicht irgendwelche Kriege, von denen auf der Welt bis heute über 1500 ausgetragen wurden, sondern ein spezieller Krieg, den zwei Nationen gegeneinander führen und dem sich viele andere Völker auf beiden Seiten anschließen werden, bis er weltweite Ausmaße erreicht hat. Er soll der bis dahin größte Krieg der Menschheitsgeschichte werden. Dies galt für den 1. Weltkrieg von 1914–1918. Seitdem hat es eine ganze Reihe von Zeichen gegeben (…). Das bedeutsamste Zeichen ist dabei die Rückführung des jüdischen Volkes ins Land Israel und die Anerkennung Israels als Staat im Jahr 1948. Viele andere Zeichen sind inzwischen eingetroffen und haben damit Matthäus 24,8 erfüllt: „Alles dies aber ist der Anfang der Wehen“ – so wie eine schwangere Frau unmittelbar vor der Niederkunft Geburtsschmerzen hat, die an Häufigkeit und Intensität zunehmen (Jesaja 66,7-8). Darum betrachten wir die Zeichen unserer Zeit als Ereignisse, die den Boden für die Trübsal bereiten.

Die Trübsal
Ab Matthäus 24,9 gibt Jesus eine kurze Beschreibung der Trübsalszeit, die in Offenbarung 4 – 9 ausführlicher dargestellt wird. Sowohl Daniel als auch Johannes erwähnen, dass sie auf sieben Jahre begrenzt ist. Matthäus 24,9-14 behandelt die erste Hälfte der Trübsal, während in V. 15-26 die zweite Hälfte beschrieben wird, die auch als „Große Trübsal“ bekannt ist. Offensichtlich wird die zweite Hälfte schlimmer als die erste sein. Eines der wichtigsten Hilfsmittel zur Bestimmung dieses Zeitraums ist die Aussage unseres Herrn in V. 21, wonach die Ereignisse dieser Zeit schlimmer sein werden als alles, was je in der Weltgeschichte geschehen ist. Diejenigen, die in der Prophetie einen präteristischen Standpunkt (A.d.Ü.: Der Begriff ist von „Präteritum“ = Vergangenheit abgeleitet. Präteristen legen Endzeittexte ausschließlich in ihrem Bezug zum historischen Rahmen des 1. Jahrhunderts aus, indem sie behaupten, dass die meisten dieser Ereignisse bereits stattgefunden haben.) vertreten, glauben, dass die Voraussagen über dieses ganze erschütternde Geschehen bei der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. erfüllt wurden. Es gibt jedoch neben der Tatsache, dass der Tempel damals nicht gemäß der Voraussage Jesu in V. 15 entweiht wurde, drei Probleme mit dieser Ansicht: Obwohl erstens der Tempel völlig und die Stadt weithin zerstört wurden, lässt sich dies nicht mit dem Holocaust am jüdischen Volk sowie den Verwüstungen beider Weltkriege vergleichen, in den ca. 65 Millionen Menschen umkamen. Zweitens fand im Jahr 70 n. Chr. nicht Jesu leibliche Wiederkunft statt, so wie er bzw. die Engel in Apostelgeschichte 1,9-11 sie verheißen hatten. Und drittens können Präteristen nicht nachweisen, dass Johannes die Offenbarung sieben Jahre vor dem Fall Jerusalems schrieb. Vielmehr verfasste er die Offenbarung um 95 n. Chr., als er auf die Insel Patmos verbannt war. Diese Auffassung wurde von der Gemeinde immer vertreten. Daher ist die präteristische Auslegung nicht zutreffend, denn die Offenbarung hat ausschließlich mit kommenden Dingen bzw. mit einer noch zukünftigen Zeit zu tun.
Die schlimmste Zeit in der menschlichen Geschichte liegt also nicht hinter, sondern noch vor uns. Diese Zeit wird in Offenbarung 6 – 19 beschrieben. (…)

Die Erscheinung in Herrlichkeit
Da die Jünger Jesus nach den Zeichen seiner Ankunft fragten, gab er in Matthäus 24,27-31 sehr wichtige Einzelheiten an. All die anderen Bibelstellen über seine Wiederkunft in Herrlichkeit – wie z.B. Offenbarung 19,11-16 – sollten im Licht dieses Abschnitts betrachtet werden. Obwohl keiner den Tag oder die Stunde weiß, wann Jesus die Gemeinde entrückt, wissen wir durchaus, wann Christus in Herrlichkeit erscheinen wird – und zwar „gleich nach der Bedrängnis“ (V. 29). Sie wird mit Himmelskatastrophen ungekannten Ausmaßes einhergehen. „Dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen“ (V. 30). All dies wird so schnell geschehen, dass sich die Menschen nicht mehr darauf vorbereiten können. Die Entscheidung, ob man Christus als auferstandenen Messias annimmt, muss man treffen, bevor er in Macht kommt, um sein Reich aufzurichten. Allein diese Entscheidung ist nämlich maßgebend dafür, wer in das Tausendjährige Reich eingehen wird und wer der ewigen Pein verfällt. Dieses Gericht über die Nationen wird zum Zeitpunkt seines Kommens bzw. unmittelbar vor dem Beginn des Tausendjährigen Reiches stattfinden (Matthäus 25,31-46).

Das Geschlecht, das diese Dinge sieht
Viel Verwirrung ist entstanden, als zahlreiche wohlmeinende Ausleger versucht haben, „dieses Geschlecht“ zu identifizieren, von dem es heißt: Es „wird nicht vergehen, bis dies alles geschehen ist“ (Matthäus 24,34). Für einige beginnt der Geltungsbereich von „diesem Geschlecht“ in V. 31. Sie glauben, dass Christus über die Generation sprach, die seit 1948 existiert, als Israel einen Nationalstaat gründete. Es ist besser, diesen Vers im Zusammenhang auszulegen: Es geht also darum, dass die Generation, welche die Ereignisse der Trübsal erlebt, auch das Kommen Christi und die anderen Geschehnisse im Vorfeld des Endes dieses Zeitalters erleben wird. Diese Auslegung vermeidet schädliche Spekulationen über die Zukunft, denn kein Mensch kennt den Tag oder die Stunde (Matthäus 24,36). Sobald der Antichrist mit Israel einen Friedensvertrag unterzeichnet hat, den er in der Mitte der Trübsal bricht, werden es noch sieben Jahre bis zum Kommen Christi sein. So wie jedoch die Menschen in Noahs Zeit nicht den Tag oder die Stunde kannten, wann die Sintflut kommen und sie alle im Gericht hinwegraffen würde, werden Ungläubige den Zeitpunkt der Erscheinung Christi in Herrlichkeit nicht kennen bzw. nicht darauf vorbereitet sein. Daher mahnte Jesus die vor der Entrückung lebenden Gläubigen sowie die Heiligen der Trübsal eindringlich: „Seid … bereit! Denn in der Stunde, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen“ (Matthäus 24,44). Alle sollten die Lektion seiner Gleichniserzählung von den zehn Jungfrauen lernen, die jeden Tag mit seinem plötzlichen und unangekündigten Kommen rechnen mussten (Matthäus 25,1-13).
Jesu Aussage in Matthäus 24,35 trifft heute genauso zu wie in der Zeit, als sie gemacht wurde: „Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber sollen nicht vergehen.“ Das heißt: Die von unserem Hern in seiner Ölbergrede beschriebenen Ereignisse sind gewisser als die Existenz des Himmels über uns und der Fortbestand der Erde, auf der wir leben.
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Quelle: LaHaye/ Ice, Countdown zum Finale der Welt (…), Dillenburg 52016, 44-47; Abb. ebd., 46.

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