Endzeitnotizen (72): Frage und Antwort zum Tausendjährigen Reich

Frage:

Werter K.,
erlaube das ich (hier) noch einmal nachhake und die eine oder andere Frage an dich habe,
mit der Bitte um „Aufklärung“ und dies am Liebsten mit deinen Worten.
Wenn man sich die Historie dieses „Barnabas-Briefes“ anschaut, zur Not auf Wiki,
dann wird schon offensichtlich, aus welchem Lager der damaligen Zeit diese Veröffentlichung stammt und wer die Fürsprecher dieser Schrift sind.
Hat man sie (u.a. den Brief) ja auch in den „Kanon“ aufgenommen.
Um nicht weiter zu kryptisch in meinen Worten zu sein, es ist absolut klar,
daß das die hier Agierenden die Fraktion „Rom/Alexandria“ waren,
aus welcher sich dann später die „RKK“ formierte.
Bei deinen weiteren Themen und Rubriken hier auf der Seite (Covid/NWO/Great Reset) nehme ich di[ch] aus äußerst offenen, kritischen und hinterfragenden Mensch war.
Welchen Wert hat dann dieser Brief?
paßt er zu den anderen Büchern, nicht nur im NT, sondern auch im AT?
… und wohin führt uns die darin enthaltene Nachricht/Erkenntnis/Weisung?
Opps, kleines verspätetes Echo auf deine Antwort 4 Wochen zuvor:
„Wo sonst soll sich das alles abspielen, wenn nicht auf Erden?“
hast du zum 1.000-jährigen reich geschrieben.
Kann es sein, daß es eben nicht auf Erden ist?, sondern … „beim Herrn“?
Den gleichen Fehlern hat ja auch die Advent-Bewegung 1844 gemacht,
als sie davon ausging, daß ja nur die Erde gemeint sein kann (mit der Reinigung des Heiligtums).
Manchmal sind wir dann doch zu GEO-zentrisch oder tauschen wir die Buchstaben, dann wir auch ein Schuh daraus -> sind wir zu EGO-zentrisch???
Merci,
in aller Demuth,
R.

***

Antwort:

Werter R.,

der Barnabas-Brief wurde nicht in den Bibelkanon aufgenommen – obwohl einige Kirchenväter ihm kanonischen Rang beimaßen. Er ist ein sehr frühes christliches Zeugnis (der sogenannten Apostolischen Väter) und vermutlich weit von Rom entfernt, in Alexandrien, entstanden. Von einem römisch-katholischen Komplott kann nicht die Rede sein. Die Werke der Kirchenväter gehören eben zum Korpus der Glaubensschriften der katholischen einschließlich orthodoxen Kirche, und sogar der protestantischen Kirche. Doch gerade zum Barnabas-Brief ist man heute auf Distanz wegen seiner „antijüdischen Polemik“ (siehe z.B. diesen Artikel eines katholischen Theologieprofessors: Barnabasbrief).

Das ist hier aber nicht das Thema. Im Kontext der „Endzeitnotizen“ dient der Barnabasbrief als einer von mehreren Belegen für den im Ur- und Frühchristentum dominierenden Glauben an ein buchstäbliches Tausendjähriges Reich. Der Punkt ist: dieser Glaube ist keine protestantische Erfindung des 19. Jahrhunderts (von John Nelson Darby), wie oft behauptet wird, sondern er gehörte zum ursprünglichen Glauben der Gemeinde (Kirche) Jesu.

Du schreibst:

Opps, kleines verspätetes Echo auf deine Antwort 4 Wochen zuvor:
„Wo sonst soll sich das alles abspielen, wenn nicht auf Erden?“
hast du zum 1.000-jährigen reich geschrieben.
Kann es sein, daß es eben nicht auf Erden ist?, sondern … „beim Herrn“?

„Auf Erden“ und „beim Herrn“ ist kein sich ausschließender Gegensatz. Als Folge der Auferstehung/ Entrückung nennt Paulus: „Dann werden wir immer beim Herrn sein“ (1. Thessalonicher 4,17). Dieses Beim-Herrn-Sein ab dem Augenblick der Totenauferstehung und Entrückung der Gläubigen ist ja der Grund, warum der Herr, wenn er in Macht und Herrlichkeit auf die Erde zurückkehrt, „mit allen seinen Heiligen“ kommt, wie Paulus im selben Brief schreibt (3,13). Und wenn Jesus dann als König der Könige und Herr der Herren auf Erden herrscht, werden seine Heiligen bei ihm sein und mit ihm herrschen.

Es hängt alles von den Voraussetzungen ab, wie die Bibel interpretiert und ausgelegt wird. Wenn alles nur geistliche Bedeutung hat ohne Bezug auf geschichtliche Realität, dann landen wir wie rationalistische Bibelkritiker schließlich da, auch nicht mehr an die Wunder des Herrn zu glauben, außer vielleicht höchstens an einige Heilungen und Dämonenaustreibungen, wie sie auch von Wunderrabbis und sogar von Heiden in der Antike berichtet werden. Aber was für eine geistliche Bedeutung kann die Auferweckung des in Verwesung übergegangenen Lazarus und die Auferstehung Jesu selbst haben, wenn sie nicht real stattfanden, sondern nur „im Glauben der Jünger“? wenn alles nur im Denken verbleibt, ohne äußere Gestalt anzunehmen? Wäre dann nicht die ganze Schöpfung überflüssig?

Selbstverständlich wäre ein Millennium sinnlos, wenn es bloß ein materielles Schlaraffenland wäre und nicht vor allem die Verkörperung einer geistlichen Absicht. Wir können uns das an einem bekannten Beispiel veranschaulichen: Zuerst ist der Gedanke da, z.B. von einem Haus, dann ein tauglicher Plan des Architekten, dann die Verwirklichung: ein wirkliches Haus wird gebaut. In einem Gedanken kann ein körperliches Wesen nicht wohnen. Andererseits ist für ein unvernünftiges Naturwesen, z.B. ein Insekt, ein Haus etwas, worauf es herumkrabbelt, aber kein Haus. Es gehört also alles zusammen in der Schöpfung: das Geistige und das Materielle, und die Bewegung geht von innen nach außen: aus dem Geist durch den Zwischenbereich ins Äußere, die Materie.

So wie der Thron und die Herrschaft Davids irdisch real waren, so wird auch der Messias tausend Jahre lang wirklich auf der Erde herrschen – wie es von den alttestamentlichen Propheten und in der Johannesapokalypse geweissagt wurde und wie der Engel Gabriel es der Jungfrau Maria bei der Verkündigung bestätigte. Der Thron Davids ist ein irdischer Thron. Nenne mir eine einzige Bibelstelle, wonach der Thron Davids ein himmlischer Thron wäre. Es gibt sie nicht.

Dass Adventisten und andere an ein veritables Millennium auf Erden glauben, muss kein Grund sein, dass dieser Glaube falsch ist. Umgekehrt bedeutet es auch nicht, dass diejenigen, die diesen Glauben vertreten, in ihren anderen Glaubensansichten richtig liegen.

Das Tausendjährige Reich wird ein irdisches Goldenes Zeitalter sein, das Beste, was jemals auf unserer alten Erde bestanden haben wird, dennoch wird es kein perfekter Zustand sein. Das Millennium ist nur eine Phase, nicht das Endziel der Heilsgeschichte. Endziel ist der Neue Himmel und die Neue Erde. Jedenfalls das Endziel entsprechend unserem Offenbarungswissen. Denn auch die Neue Schöpfung wird kein Stillstand sein. Es wird immer weiter gehen – dann jedoch ohne Sünde mit ihren Begleiterscheinungen und Folgen. Die Sünde – also die Rebellion gegen Gott; ein Leben, so als gäbe es Gott nicht – wird ein für allemal abgetan sein.

Gäbe es kein reales irdisches Millennium, dann würde das heutige satanische Weltsystem das letzte Wort der Geschichte gewesen sein. Gewiss, am Ende werden die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden. Dennoch würde es bedeuten, dass der Messias Gottes nicht imstande ist, ein besseres Regierungssystem auf Erden zu errichten als der Teufel. Ist das Dein Glaube?

Herzlichen Gruß,
K.

***

https://gloria.tv/post/Z9tX4QK2q2AB1eZsgswMG8m7R

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