Endzeitnotizen (71): Jesajas Überblick über den Dienst des Messias (+ Schaubild)

Diese Prophetie über den Dienst Jesu Christi, des Messias, ist eine der bedeutsamsten Weissagungen in der Bibel, weil sie seinen gesamten Dienst im Voraus umreißt. Sie erwähnt sowohl sein erstes als auch sein zweites Kommen, wobei beide Ereignisse durch eine Trübsalszeit („der Tag der Rache für unsern Gott“) voneinander getrennt sind. Der Wiederkunft folgt seine Herrschaft im Tausendjährigen Reich über die Erde.

Jesaja 61 verstehen

Der Prophet Jesaja nimmt, durch den Heiligen Geist inspiriert (2. Petrus 1,21), in den ersten drei Versen die Position des Messias ein. Dies wird dadurch deutlich, dass er die Personalpronomen „mich“ bzw. „mir“ in einer Voraussage gebraucht, die Dinge beschreibt, deren Realisierung unmöglich das Werk von Menschen sein kann. Wie wir sehen werden, erfüllte Jesus all die vorausgesagten Ereignisse bei seinem ersten Kommen, wobei er die noch ausstehenden bei seiner Wiederkunft erfüllen wird. Wir müssen daran denken, dass mit dem ersten Kommen Jesu nicht der gesamte wunderbare Heilsplan Gottes für die Menschheit Wirklichkeit wurde. Stattdessen vollbrachte Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung das für die Menschheit bestimmte Werk der Errettung. Bei der Wiederkunft wird Gottes Heilsplan dann vollendet werden: Die Gotteskinder werden in sein Reich eingehen und ewig im Himmel sein.

Nachdem Jesus bei seinem ersten Kommen von Johannes getauft worden war, kam der Heilige Geist auf ihn. Danach begann Jesus zu predigen, zu heilen und „Freilassung auszurufen den Gefangenen“ (Jesaja 61,1). Jesus wird noch immer als der größte Lehrer und Verkündiger angesehen, der je gelebt hat. Er hat auch die größten Heilungswunder in der Weltgeschichte vollbracht. Seine Werke zeugten davon, dass er von Gott gesandt war (Johannes 5,36). Kurz bevor er in den Himmel auffuhr, stieg er (nach Meinung einiger Ausleger) in den Scheol hinab, um die Gefangenen zu befreien (vgl. Epheser). (…)

Die Wendung „auszurufen das Gnadenjahr des HERRN“ bezieht sich auf die Erfüllung der Prophetie Jesu in Matthäus 16,18-19 über den Bau seiner Gemeinde, die über „des Hades Pforten“ den Sieg davontragen würde. Das Zeitalter der Gemeinde begann am Pfingsttag und wird sich bis zu dem Zeitpunkt erstrecken, da die Gemeinde von der Erde entrückt wird.

„Freilassung auszurufen den Gefangenen“ (Jesaja 61,1) bezieht sich nach Meinung einiger Bibelausleger auf die Errettung, die der Menschheit während dieses gegenwärtigen Zeitalters unverdient angeboten wird. Dies könnte durchaus zutreffen und würde erklären, warum wir von dieser jetzigen Zeit als dem „Zeitalter der Gnade“ sprechen. Andere glauben, dass sich die Wendung auf die alttestamentlichen Heiligen beziehe, die aus dem Scheol [Hades, Unterwelt] errettet wurden. Ihre Sünden seien durch das Blut von Tieren nur zugedeckt worden. Erst als Christus durch seine Selbsthingabe am Kreuz das Werk der Errettung vollbracht habe, seien sie „gereinigt“ und passend gemacht worden, in den Himmel einzugehen. Seit der Zeit von Golgatha sind geistlich Gefangene, die der Sünde verfallen waren, dadurch befreit worden, dass sie über ihre Sünden Buße taten und Christus durch Glauben als ihren persönlichen Herrn und Heiland annahmen. Somit sind sie bei ihrem Tod berechtigt, in den Himmel einzugehen.

Der messianische Anspruch Jesu – Lukas 4

Man kann nicht deutlich genug hervorheben, wie wichtig Jesu Anspruch war, der Messias zu sein. Dadurch war er berechtigt, die alttestamentlichen Messiasprophetien zu verwenden, um seine Identität zu belegen. Genau das finden wir in Lukas 4,16-30. Dort erhob Jesus diesen Anspruch, als er während eines Synagogenbesuchs aus Jesaja 61 zitierte.

Nach seiner Gewohnheit ging Jesus in seiner Heimatstadt Nazareth am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um einen Schriftabschnitt vorzulesen, wählte er Jesaja 61. Er las nur V. 1 und 2, indem er mit den Worten „ausrufen ein angenehmes Jahr des Herrn“, einem Hinweis auf das Zeitalter der Gemeinde, endete. Dann schloss er die Jesaja-Rolle, setzte sich und sagte: „Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt“ (Lukas 4,21). Indem er dies sagte, erhob Jesus den Anspruch, dass in ihm die Messiasprophetien Jesajas erfüllt seien. Diese gewaltige Aussage, die am offiziellen Beginn seines dreieinhalbjährigen Dienstes stand, hätte eine Gotteslästerung dargestellt, wenn er nicht der Sohn Gottes und der Messias gewesen wäre, den die Juden seit der Zeit des Propheten Mose (ca. 1500 Jahre zuvor) erwarteten. Den Bürgern von Nazareth, wo Jesus aufgewachsen war, entging die Bedeutung seiner Worte nicht. Sie wollten seinem Anspruch nicht glauben, sondern ihn vielmehr töten, indem sie ihn an den Rand eines Felsens führten, um ihn von dort hinabzustürzen. Zu diesem Zeitpunkt verfügten sie nicht über genügend Beweise, um an seine Messianität zu glauben. Die entsprechenden Beweise wurden natürlich während der nächsten dreieinhalb Jahre erbracht, in deren Verlauf Jesus alle 109 Prophetien erfüllte, die mit seinem ersten Kommen zusammenhingen – einschließlich derjenigen, die mit seinem Tod und seiner Auferstehung zu tun hatten. Jesus war nicht nur eine historische Gestalt, sondern verkörperte darüber hinaus die Erfüllung der alttestamentlichen Prophetien. Dieser Tatsache war er sich bewusst.

Nun erhebt sich die Frage: Warum hörte Jesus am Anfang von V. 2 auf, als er die ihn betreffenden Prophetien aus Jesaja 61 las? Die Antwort ist, dass er die Gründe für sein ersten Kommen darlegte und dass sein Auftrag darin bestand, „das Gnadenjahr des HERRN“ auszurufen. Dies ist ein Hinweis auf das Zeitalter der Gemeinde, das oft „Zeitalter der Gnade“ genannt wird. In dieser Zeit können Sünder ohne Vorbedingung den Namen des Herrn anrufen, um errettet zu werden (Römer 10,13). Jesus endete vor den Worten: „… und den Tag der Rache für unsern Gott“, die von der Trübsalszeit sprechen. Diese Zeit wird von den Propheten Israels als „Tag des Zorns“ bzw. „Zeit der Bedrängnis für Jakob“ genannt. Jeremia bezeichnet sie als „Tag der Rache“ (46,10). Jesus hörte mit Vers 2 auf, weil der Zweck seines ersten Kommens darin bestand, nicht die noch zukünftige Zeit des Gerichts, sondern die Zeit der Gnade und Errettung anzukündigen, in der wir gegenwärtig leben.

Jesajas Überblick im Vergleich mit Daniels 70 Wochen

Daniel, ein anderer der großen Propheten Israels, beschrieb in einem panoramaähnlichen Überblick die Zeit der Nationen. Bei ihm finden sich nur wenige Aussagen über das Zeitalter der Gemeinde, weil er vorwiegend das schaute, was mit der Herrschaft der heidnischen Nationen zu tun hat – inbesondere mit denen, die Weltreiche errichten würden. Daniel weissagte auch den Zeitpunkt, da der Messias erstmals erscheinen würde, und sagte, dass er „ausgerottet“ werden würde. Diese Prophetie ging in Erfüllung, als Jesus gekreuzigt wurde.

Studieren Sie bitte Jesajas Überblick in Verbindung mit dem Schaubild (…), das Daniels 70 Jahrwochen darstellt. Dabei werden Sie sehen, dass vom Erlass über den Wiederaufbau Jerusalems bis zum Zeitpunkt des Todes des Messias 483 Jahre vergingen. In Daniels Prophetie von den 70 Wochen bedeutet jede „Woche“ sieben Jahre, so dass wir auf 69 Wochen (also 483 Jahre) kommen, wenn wir bis zu dem „Gesalbten, einem Fürsten“ rechnen (siehe Daniel 9,25 und Lukas 19,28-38). Die siebzigste Jahrwoche – bzw. die letzten sieben Jahre – umfasst die von Jesus, Paulus und Johannes erwähnte Trübsalszeit. Jesus sagte in Matthäus 24,15 voraus, dass der Tempel während jener siebzigsten Woche entweiht werden würde. Der Tempel wird wiederaufgebaut und dann in der Mitte der Trübsal vom Antichristen geschändet werden. Er wird sich selbst als Gott ausweisen und fordern, dass ihn die gesamte Menschheit anbetet (2. Thessalonicher 2,1-8).

Die Trübsal beginnt nicht sofort nach der Entrückung, wie viele Christen denken. Nach Daniel 9,27 wird sie damit beginnen, dass der Antichrist mit Israel für sieben Jahre einen Bund schließt – einen Bund, den er „in der Mitte der Woche“ bricht. Damit wird nach den Worten Jesu die Zeit der größten Gerichte anfangen, die je über die Welt gekommen ist (Matthäus 24,21). Ins Visier dieser Verfolgung werden nicht nur die Juden, sondern auch alle die geraten, die an Christus glauben. Diejenigen, die den Märtyrertod erleiden, werden im Geist in die Gegenwart des Herrn versetzt und die zweite Phase der Auferstehung erwarten (Offenbarung 20,4). Diejenigen, die bis ans Ende ausharren (Matthäus 24,13), werden aus der Trübsal errettet werden und direkt ins Tausendjährige Reich gehen.

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Quelle: LaHaye/ Ice: Countdown (…), © 2003 der deutschen Ausgabe: Christliche Verlagsgesellschaft, 5. Aufl., Dillenburg 2016, S. 36-39; Schaubild ebd., S. 38.

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