Bibelnotizen (16): Die Speisung der Volksmengen

Anstoß für diese Notiz ist ein Artikel auf Gloria.tv: „Eitelkeit und Macht? Franziskus leugnet erneut die Brotvermehrung“. Der Artikel beginnt mit dem Satz: „Franziskus leugnete beim Angelus am 25. Juli die Brotvermehrung, indem er das Wunder in billigen Moralismus verwandelte.“

Zur Zeit bin ich außerhaus und habe nur eine Studienbibel, das Novum Testamentum Graece (Nestle-Aland) und J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ (in der Übersetzung von Margaret Carroux) mit auf den Weg genommen. Entsprechend einfach wird das nachfolgende ausfallen. (Wenn ich mich einzuschränken habe, wähle ich aus dem runden Dutzend Studienbibeln, die ich mein eigen nenne, die hier schon oft angeführte MacArthur-Studienbibel aus.)

Zunächst ist festzustellen, dass die Evangelien von zwei Speisungen von Volksmengen durch den Herrn Jesus berichten: 1. von der Speisung der Fünftausend und 2. von der Speisung der Viertausend.

Die erste wird von allen vier Evangelisten berichtet (Mt 14,15-21; Mk 6,35-44; Lk 9,12-17; Joh 6,4-13) und fand in der Umgegend von Galiläa statt. Die zweite Speisung wird von Matthäus (15,1-20) und Markus (7,1-23) berichtet und fand wenige Zeit später im Zehnstädtegebiet (Dekapolis) statt. Die erste Speisung geschah für Juden, die zweite für Heiden (Nichtjuden, „Nationen“).

Mein Vorgehen ist folgendermaßen: Ich gebe die harmonisierten Evangelienberichte wider und füge in Kursivschrift Kommentare ein, die meist wörtlich der o.g. Studienbibel entnommen sind. Eigene Bemerkungen schließe ich in eckige Klammern. Das Urteil darüber, inwieweit es sich bei diesen Speisungen um eine reine Anleitung für mitmenschliches Verhalten oder um wunderbare Machttaten und Zeichen Gottes handelt, überlasse ich Ihnen, dem Leser.

Die Texte sind der „Jesus-Chronik“ (Textstand 2007), einer Evangelienharmonie in der „Neuen evangelistischen Übersetzung“ (NeÜ) von Karl-Heinz Vanheiden, entnommen. (Deren Stärken und Schwächen sollen hier nicht das Thema sein.) Die erklärenden Anmerkungen Vanheidens sind in runden Klammern in Normalschrift hinzugefügt.

Ich zitiere die Texte absichtlich im weiteren Kontext. Daraus wird ersichtlich, dass es sich bei den Speisungen tatsächlich um verschiedene, historisch reale Ereignisse handelt und wie sie mit dem vorhergehenden und nachfolgenden Geschehen zusammenhängen. (Ferner gehört dazu auch der berühmte Diskurs über das Brot des Lebens im 6. Kapitel des Johannesevangeliums.)

1. DIE SPEISUNG DER FÜNFTAUSEND

Die Apostel versammelten sich dann wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie in seinem Auftrag gelehrt und getan hatten. Inzwischen hatte Jesus das (von Herodes) gehört. Da sagte er zu seinen Jüngern: „Kommt mit an einen einsamen Platz, wo wir allein sind und ruht ein wenig aus.“

Mk 6,31 Kommt ihr allein. Jesu Einladung zum Rückzug in die Wüste war auf die Zwölf begrenzt. Er wusste, dass sie Ruhe und Abgeschiedenheit brauchten nach ihrem ermüdenden Dienst und dem ständigen Menschengedränge.
Lk 9,10 an einen einsamen Ort. Sie versuchten etwas Ruhe und eine Pause abseits der Volksmengen zu finden. Vgl. Mk 6,31.32

Joh 6,1-14 Die Geschichte der Speisung der 5.000 ist das vierte Zeichen, das Johannes zur Bestätigung einsetzt, dass Jesus der Messias und Sohn Gottes ist. (…) Da Johannes Ergänzungen und zusätzliche Informationen festhielt, die in den Synoptikern nicht zu finden sind (s. Einleitung: Hintergrund und Umfeld), hebt seine Schilderung die Wichtigkeit des Wunders in zweierlei Hinsicht empor: 1.) es veranschaulicht die schöpferische Macht Christi deutlicher als jedes andere Wunder und 2.) es unterstützt Johannes‘ Absicht entscheidend, die Gottheit Jesu aufzuzeigen, während es zugleich als Einleitung zu Jesu Diskurs über das ‚Brot des Lebens‘ dient (V. 22-40). Interessanterweise sprechen die beiden kreativen Wunder Jesu, die Verwandlung von Wasser in Wein (2,1-10) und die Brotvermehrung (V. 1-14), von den Hauptelementen des Mahls des Herrn (V. 53).
Joh 6,1 Danach. Zwischen Kap. 5 und 6 liegt möglicherweise eine lange Zeitspanne. Wenn das Fest in 5,1 das Laubhüttenfest war, waren wenigstens sechs Monate vergangen (vom Okt. bis April). Wenn es das Passahfest war, liegt zwischen den beiden Kapiteln ein Jahr.

Denn es war ein ständiges Kommen und Gehen, so dass sie nicht einmal Zeit zum Essen fanden. Er nahm sie mit und zog sich mit ihnen in die Nähe der Stadt Betsaida(b) zurück.

(b Fischerdorf an der Mündung des Jordan in den See Gennesaret. Heute wahrscheinlich El-Aradsch.)
Lk 9,10 Bethsaida. S. Anm. zu Mk 8,22. Bethsaida Julias liegt am Nordostufer des Sees Genezareth, wo der Jordan in den See fließt.

Das war am Ostufer des Sees von Galiläa, den man auch See von Tiberias(c) nennt.

(c Neue Landeshauptstadt des Herodes Antipas am See von Galiläa, 18 n.Chr. gegründet.)
Joh 6,1 den See von Galiläa. Kap. 6 hat eine recht ähnliche Struktur wie Kap. 5, denn beide handeln in der zeitlichen Nähe eines jüdischen Festes und beide führen zu einem Diskurs der Gottheit Jesu. Während sich das Geschehen von Kap. 5 im Süden um Judäa und Jerusalem ereignet, handelt Kap. 6 im Norden von Galiläa. Das Ergebnis beider Kapitel ist das gleiche: Jesus wird nicht nur in den südlichen, sondern auch in den nördlichen Gegenden abgelehnt. S. Anm. zu 21,1.

Sie fuhren also mit dem Boot an eine einsame Stelle dort, um allein zu sein.

Mk 6,32 sie fuhren allein zu Schiff.Die Jünger hörten auf seinen Vorschlag und verließen sein Hauptquartier mit dem gleichen Boot wie in 5,2.

Doch viele sahen sie wegfahren und hatten ihre Absicht bemerkt. Auch die Leute in den umliegenden Städten hörten davon und gingen ihm auf dem Landweg nach.

Mt 14,13 die Volksmenge … folgte ihm … zu Fuß nach.Sie legten lange Fußmärsche zurück, um an den Landeplatz seines Bootes zu gelangen.
Mk 6,33 sie liefen … zu Fuß.Die Richtung (dem nordöstlichen Ufer des Sees entgegen) und die Geschwindigkeit des Schiffes, sowie das Fehlen von sofort verfügbaren Boten, ließ die Menge an Land folgen.

Denn sie hatten die Wunder Gottes an den geheilten Kranken gesehen.

Joh 6,2 sie seine Zeichen sahen. Die Menschenmengen folgten ihm nicht aus Glauben, sondern aus Neugier wegen seiner Wunder (V. 26). Trotz ihrer falschen Motive hatte Jesus Erbarmen mit ihnen, heilte ihre Kranken und gab ihnen Nahrung (vgl. Mt 13,14; Mk 6,34).

So kam es, dass die Menschen in großen Scharen aus allen am See liegenden Orten angelaufen kamen und noch vor ihnen dort waren.

Mk 6,33 kamen ihnen zuvor.Dies wird nur in den Aufzeichnungen von Markus erwähnt. Es bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass alle vor dem Schiff eintrafen, da die Entfernung über Land wahrscheinlich 13 km betrug – doppelt so viel wie die 6,5 km per Schiff. Vielmehr waren die Jungen und Eifrigen aus der Menge in der Lage, die anderen und das Schiff hinter sich zu lassen (wohl möglich, weil das Schiff ohne Wind blieb oder Gegenwind hatte) und vor dem Eintreffen des Schiffes am Ufer zu sein (vgl. Mt 14,13.14; Lk 9,11; Joh 6,3.5).

Jesus wies die Menschen nicht ab, sondern als er aus dem Boot stieg und die vielen Menschen sah, ergriff ihn tiefes Mitgefühl.

Mt 14,14 erbarmte sich [esplanchnísthe]. Wörtl. „wurde innerlich bewegt“. S. Anm. zu 9,36.

Sie waren ja wie Schafe ohne Hirten.

Mk 6,34 sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.Ein alttestamentliches Bild (vgl. 4Mo 27,17;1Kö22,17; 2Chr 18,16; Hes 34,5), das zur Beschreibung von hilflosen und hungernden Menschen ohne geistliche Führung und Schutz verwendet wurde, die den Gefahren der Sünde und geistlicher Zerstörung ausgesetzt waren.

Da nahm er sich viel Zeit und belehrte sie über Gott und sein Reich. Und alle, die Heilung brauchten, machte er gesund.

Am Abend kamen seine Jünger zu ihm und sagten:

Lk 9,12-17. Abgesehen von der Auferstehung ist die Speisung der 5.000 das einzige Wunder Jesu, das in allen 4 Evangelien vorkommt (…).

„Wir sind hier an einem einsamen Fleck, und es ist schon spät. Schick die Leute weg, damit sie sich in den umliegenden Bauernhöfen und Dörfern etwas zu essen kaufen und dort übernachten können.“ Jesus war auf einen Berg gestiegen und hatte sich dort mit seinen Jüngern gesetzt. Es war kurz vor dem Passafest, das die Juden jährlich feiern. Aber Jesus erwiderte: „Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen doch zu essen!“

Mt 14,16 Gebt ihr ihnen zu essen. Jesus wusste, dass sie nicht genug Lebensmittel hatten, um der Menge zu essen zu geben. Die Jünger sollten das aber offen aussprechen, damit der Bericht deutlich bezeugt, dass Jesus durch seine Macht ein Wunder wirkte (V. 17.18) S. 16,9.10.

„Sollen wir wirklich losgehen und für dieses ganze Volk Essen kaufen?“, entgegneten sie.

Als Jesus aufblickte und die Menschenmenge auf sich zukommen sah, fragte er Philippus: „Wo können wir Brot kaufen, dass all diese Leute zu essen bekommen?“ Er sagte das aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen, denn er wusste schon, was er tun wollte. Philippus entgegnete: „Es würde mehr als zweihundert Denare(d) kosten, um jedem auch nur ein kleines Stück Brot zu geben.“

(d Ein Denar entsprach einem vollen Tageslohn.)
Mk 6,37 200 Denare.Ein einziger Denar (s. Anm. zu Mt 22,19) war gleichbedeutend mit dem täglichen Lohn eines Tagelöhners (vgl. Mt 20,2). „Zweihundert“ sind somit der Lohn für 8 Monate, was weit außerhalb der Mittel der Jünger lag (oder jedes Durchschnittverdieners).
Joh 6,7 200 Denare. (…) Die Menschenansammlung war allerdings so groß, dass selbst eine solch erhebliche Menge nicht zu ihrer Sättigung ausreichte.

„Wie viel Brote habt ihr?“, fragte er zurück.

Mk 6,38 Brote [ártous]. Wörtl. „Brotkuchen“ oder „Brotfladen“.

„Geht und seht nach!“ Ein anderer Jünger namens Andreas, es war der Bruder von Simon Petrus, sagte zu Jesus: „Hier ist ein Junge, der fünf Gerstenbrote und zwei Fische mithat. Aber was ist das schon für so viele.“ „Bringt sie mir her!“, sagte Jesus. Dann befahl er seinen Jüngern, dafür zu sorgen, dass die Leute sich in Tischgemeinschaften auf dem grünen Gras lagerten, denn dort, wo sie sich niederließen, gab es viel Gras.

Mk 6,39 ins grüne Gras [epì tô chlorô chórto].Das Detail lässt darauf schließen, dass es in der regenreichen Frühlingszeit war, bevor der heiße Sommer das Gras trocken und braun werden ließ.

Das taten die Jünger.

Als sich die Menge in Gruppen zu hundert und zu fünfzig gelagert hatte, nahm Jesus die fünf Brote und die zwei Fische in die Hand.

Mk 6,40 zu hundert und fünfzig.Eine symmetrische Sitzordnung von möglicherweise 50 Halbkreisen mit je 100 Leuten, wobei die Halbkreise in Reihen angeordnet waren. Eine solche Anordnung war den Juden während ihrer Feierlichkeiten vertraut und erleichterte das Austeilen von Nahrung.

Er blickte zum Himmel auf und dankte Gott.

Mk 6,41 blickte zum Himmel auf. Eine typische Gebetshaltung für Jesus (vgl. 7,34; Lk 24,35; Joh 11,41; 17,1). Der Himmel wurde allgemein als der Wohnort des Vaters angesehen (Mt 6,9).

Dann brach er die Brote in Stücke und gab sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten. Ebenso machte er es mit den zwei Fischen und ließ sie unter alle verteilen. Jeder konnte so viel essen, wie er wollte.

Mk 6,42 alle aßen und wurden satt.Der Hunger jedes Einzelnen in der Menge wurde vollkommen gestillt (vgl. Joh 6,11).

Als die Leute satt waren, sagte er zu seinen Jüngern: „Sammelt auf, was übrig geblieben ist, damit nichts umkommt!“ Die Jünger füllten zwölf Tragkörbe mit den Resten, die von den Brotstücken und Fischen übrig geblieben waren.

Mk 6,43 zwölf Körbe voll [dódeka kophínon plerómata]. Die „Körbe“, anscheinend die gleichen, mit denen die Lebensmittel gebracht wurden, waren kleine Behältnisse aus Korbgeflecht und entsprachen denen, die die Juden zum Tragen von Nahrung gebrauchten.

Etwa fünftausend Männer hatten an dem Essen teilgenommen, Frauen und Kinder nicht gerechnet.

Mk 6,44 5000 Männer. Somit gehörten zu der geschätzten Zahl keine Frauen und Kinder (vgl. Mt 14,21). Die Frauen und Kinder saßen beim Essen traditionell getrennt von den Männern. Wenn man sie hinzufügt, sollte man auf eine Zahl von wenigstens 20.000 Personen kommen.

Als die Leute begriffen, was für ein Wunder Gottes Jesus getan hatte, sagten sie: „Das ist wirklich der Prophet, auf den wir schon so lange warten!“

Joh 6,14 der Prophet. Die Menge sprach von dem Propheten aus 5Mo 18,15. Leider erfolgte diese Äußerung direkt nachdem Jesus geheilt und sie gesättigt hatte, was andeutet, dass die Leute sich einen Messias wünschten, der vielmehr ihren körperlichen als ihren geistlichen Bedürfnissen entsprechen würde. Anscheinend wurde die Notwendigkeit nach geistlicher Buße und der Vorbereitung auf das Reich Gottes nicht erkannt (Mt 4,17). Sie wollten einen irdischen, politischen Messias, der all ihre Bedürfnisse erfüllen und sie von der römischen Unterdrückung befreien sollte. Ihre Reaktion ist bezeichnend für viele, die einen „Christus“ wollen, der keine Forderungen an sie stellt (vgl. Mt 10,34-39; 16,24-26), sondern an den sie ihre egoistischen persönlichen Bitten richten können.

***

2. DIE SPEISUNG DER VIERTAUSEND

Jesus verließ die Gegend von Tyrus und ging über Sidon zum See von Galiläa, mitten in das Zehnstädtegebiet(d).

(d Er ging zunächst 40 km nach Norden und dann wieder 120 km in südliche Richtung. )
Mt 15,29 kam an den See von Galiläa. Er kam von der Gegend nördlich von Tyrus nach Zidon und schlug dann einen weiten Bogen um das Ostufer des Sees Genezareth und gelangte so ins Zehnstädtegebiet (Mk 7,31), eine vorwiegend heidnische Gegend. Diese Route wählte er vielleicht, um das Herrschaftsgebiet von Herodes Antipas zu umgehen (vgl. 14,1.2). Die folgenden Ereignisse müssen sich im Zehnstädtegebiet zugetragen haben (s. Anm. zu 4,25).
Mk 7,31 er verließ das Gebiet von Tyrus und Zidon … See von Galiläa. Jesus reiste von Tyrus 30 km nordwärts und ging durch Zidon, was tief im Gebiet der Nationen lag. Von hier ging er nach Osten, überquerte den Jordan und reiste südwärts entlang des Ostufers des Sees von Galiläa. Dekapolis. S. Anm. zu 5,20

Dort stieg er auf einen Berg und setzte sich. Da strömten Scharen von Menschen herbei und brachten Gelähmte, Blinde, Krüppel, Stumme und viele andere Kranke zu ihm und legten sie vor seinen Füßen nieder. Er heilte sie alle, sodass die Leute nicht aus dem Staunen herauskamen. Stumme konnten wieder sprechen, Krüppel wurden wiederhergestellt, Gelähmte konnten wieder gehen und Blinde wieder sehen. Und sie priesen den Gott Israels.

Dort brachte man auch einen tauben Mann zu ihm, der nur mühsam reden konnte, und bat Jesus, ihm die Hand aufzulegen. Jesus führte ihn beiseite, weg von der Menge. Er legte seine Finger in die Ohren des Kranken und berührte dann dessen Zunge mit Speichel.

Mk 7,33 legte seine Finger in seine Ohren. Da der Mann nicht hören konnte, benutzte Jesus seine eigene Form der Zeichensprache, um ihm mitzuteilen, dass er ihn von seiner Taubheit heilen wollte. und berührte seine Zunge mit Speichel. Auch das ist eine Form der Zeichensprache, durch die Jesus dem Mann Hoffnung auf die Wiederherstellung seiner Sprachfähigkeit geben wollte.

Schließlich blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Mann: „Effata!“ – „Öffne dich!“

Mk 7,34 Ephata. Ein aramäisches Wort, das Markus im Anschluss erklärt.

Im selben Augenblick konnte der Mann hören und normal sprechen. Jesus verbot den Leuten, etwas davon weiter zu sagen.

Mk 7,36 es niemand sagen. Obwohl Jesus den Heiden in ihren Nöten diente, war es dennoch seine Absicht, nicht öffentlich unter ihnen zu wirken. S. Anm. zu 1,44.

Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt, weil sie vor Staunen völlig außer sich waren. Immer wieder sagten sie: „Wie wunderbar ist alles, was er macht! Tauben gibt er das Gehör und Stummen die Sprache.“

Nichtjuden werden gespeist
Matthäus 15,32-39; Markus 8,1-10

Damals war wieder eine große Menschenmenge bei Jesus, die nichts zu essen hatte.

Mk 8,1-9 Während alle Evangelien von der Speisung der 5.000 berichteten, wird die Speisung der 4.000 nur von Matthäus (15,32-38) und Markus erwähnt.
Mk 8,1 eine sehr große Volksmenge. Wahrscheinlich wegen der weitverbreiteten Nachricht von der Heilung des Taubstummen (7,36).

Da rief Jesus die Jünger zu sich und sagte: „Diese Leute tun mir leid.

Mk 8,2 Ich bin voll Mitleid [splanchnízomai]. Nur hier und in der Parallelstelle (Mt 15,32) wendet Jesus diese Worte auf sich selbst an. Als er die 5.000 speiste, drückte Jesus „Erbarmen“ mit dem verlorenen geistlichen Zustand der Menschen aus (6,34), hier mit ihren physischen Nöten (vgl. Mt 6,8.32). Jesus konnte ihren Hunger nachempfinden, da er ihn selbst erfahren hatte (Mt 4,2).

Seit drei Tagen sind sie hier bei mir und haben nichts zu essen.

Mk 8,2 verharren nun schon drei Tage bei mir. Das spiegelt den Eifer der Menge wider, Jesu Lehre zu hören und seine Heilungen zu erleben (vgl. Mt 15,30). Dass sie schon einige Zeit vor der wundersamen Speisung bei ihm waren, unterscheidet dieses Ereignis von der früheren Speisung der 5.000, bei der die Menge sich an einem Tag zusammenfand, aß und sich wieder auflöste (Mt 14,14.15.22.23).

Ich will sie nicht hungrig nach Hause schicken, damit sie nicht unterwegs zusammenbrechen.“ „Wo sollen wir denn in der Einöde hier so viel Brot hernehmen, um diese Menschen alle satt zu machen?“, fragten die Jünger.

Mt 15,33 Woher sollen wir … so viele Brote nehmen? Es verwundert nicht, dass der Herr die Jünger „Kleingläubige nennt (8,26; 14,31; 16,8; 17,20), da sie diese Frage stellten, obwohl sie kurz zuvor die Speisung der 5.000 erlebt hatten (14,13-21).
Mt 15,34 S. Anm. zu 14,16. Wiederum ließ der Herr sie um des schriftlichen Zeugnisses willen bekennen, über wie wenig Nahrungsmittel sie in Anbetracht der riesigen Volksmenge verfügten. Dadurch wird deutlich, dass die Speisung ein Wunder und damit ein Erweis der Gottheit Jesu war.
Mk 8,4 Woher könnte jemand diese … mit Brot sättigen? Angesichts der vorherigen Speisung der 5.000 empfinden manche die Frage der Jünger als unglaublich. Aber sie entsprach ihrer geistlichen Schwerfälligkeit und ihrem mangelnden Verständnis (vgl. V. 14-21; 6,52). in der Einöde. Die Dekapolis-Region (s. Anm. zu 5,20) war nicht so dicht besiedelt wie Galiläa.

Doch Jesus fragte zurück: „Wie viele Brote habt ihr?“

Mk 8,5 Brote [ártous]. Brotfladen, die leicht in kleinere Stücke geteilt werden konnten.

„Sieben“, antworteten sie, „und ein paar kleine Fische“. Da forderte er die Leute auf, sich auf die Erde zu setzen. Er nahm die sieben Brote, dankte Gott dafür, brach sie in Stücke und gab sie seinen Jüngern zum Austeilen. Die Jünger verteilten sie an die Menge. Die Fische ließ Jesus sie ebenfalls austeilen, nachdem er Gott dafür gedankt hatte. Die Leute aßen, bis sie satt waren und füllten sogar noch sieben große Körbe mit den übrig gebliebenen Brocken.

Mk 8,8 sieben Körbe [heptà spyrídas]. Nicht die gleichen Körbe wie bei der Speisung der 5.000 (6,43). Jene waren kleine Körbe, die für gewöhnlich von den Juden benutzt wurden, um auf der Reise ein bis zwei Mahlzeiten einzunehmen. An dieser Stelle bezieht sich das griechische Wort auf große Körbe (groß genug, um einen Mann aufzunehmen, Apg 9,25), die von den Heiden gebraucht wurden. Was mit den Resten geschah, wird nicht berichtet. Wahrscheinlich wurden sie auf die Menge verteilt als Wegzehrung für ihre Rückreise, da die Jünger sie offensichtlich nicht mitnahmen (vgl. V. 14).

Viertausend Männer hatten an der Mahlzeit teilgenommen, Frauen und Kinder nicht gerechnet.

Mt 15,38 4000. Christus beendete sein Wirken in Galiläa mit der Speisung der 5000 (14,13-21). Hier beendet er sein Wirken in der heidnischen Region mit einer Speisung von 4000. Sein Wirken in Jerusalem beendete er später im Obersaal mit einem Mahl mit seinen zwölf Jüngern.
Mk 8,9 4000. Angegeben ist nur die Anzahl Männer; Frauen und Kinder sind noch nicht hinzugerechnet (Mt 15,38). Das könnte auf eine Zahl von wenigstens 16.000 Menschen hinweisen.

Als Jesus die Leute dann nach Hause geschickt hatte, stieg er ins Boot und fuhr in die Gegend von Magadan-Dalmanuta(a).

(a Das ist wohl eine aramäische Wendung, die den Jüngern bekannt war, und bedeutet „sein Zufluchtsort“. Der Begriff Magadan, den Matthäus 15,39 für die gleiche Stelle verwendet, bedeutet „die (glücklichen) Wasser des Gad“. Beides deutet auf Tabgha hin, das damals zu Kafarnaum gehörte. Der Platz, zwei Kilometer südlich von Kafarnaum in der Nähe von sieben Quellen, war der Ort, an den Jesus sich gern zurückzog.)
Mk 8,10 Dalmanutha. Dieser Ort wird in der gesamten weltlichen Literatur nicht erwähnt und im Neuen Testament nur hier. Das Gebiet ist unbekannt, lag aber offenbar in der Region nahe Magdala (vgl. Mt 15,39, hier ist Magadan die bevorzugte Version). In jüngster Vergangenheit, als am See von Galiläa der niedrigste jemals gemessene Wasserstand zu verzeichnen war, haben archäologische Ausgrabungen in der Region mehrere bis dahin unbekannte Ankerplätze zum Vorschein gebracht. Ein kleiner Hafen wurde zwischen Magdala und Kapernaum gefunden, welcher Dalmanutha sein könnte.

(…) [Die Pharisäer fordern ein Zeichen vom Himmel]

Bei der Fahrt auf die andere Seite des Sees hatten die Jünger vergessen, Brot mitzunehmen.

Mk 8,13 jenseitige Ufer. Gemeint ist das nordöstliche Ufer, wo Bethsaida Julias lag (V. 22).

Als Jesus nun warnend sagte: „Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!“, dachten sie, er sage das, weil sie kein Brot mitgenommen hatten.

Mt 16,6 Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer. Als Jesus vor diesem gefährlichen Einfluss warnte, dachten die Jünger, er spreche von Backwaren. Wiederum erinnerte der Herr daran, dass er für reichlich Brot gesorgt hatte und dass sie das Brot der Pharisäer nicht brauchten. Wie schnell vergaßen sie doch die Wunder. S. Anm. zu 13,33.
Mk 8,15 dem Sauerteig der Pharisäer und … des Herodes. „Sauerteig“ ist im Neuen Testament ein Bild von Einfluss (s. Anm. zu Mt 13,33) und symbolisiert meistens den bösen Einfluss der Sünde. Der „Sauerteig“ der Pharisäer beinhaltete ihre falsche Lehre (Mt 16,12) und ihr heucherlisches Benehmen (Lk 12,1); der „Sauerteig“ des Herodes Antipas war sein unmoralisches, verdorbenes Verhalten (vgl. 6,17-29). Die Pharisäer und Herodianer hatten sich gegen Christus zusammengeschlossen (3,6).

Als Jesus merkte, was sie beschäftigte, sagte er: „Was macht ihr euch Gedanken darüber, dass ihr kein Brot habt?

Mk 8,17 Was macht ihr euch Gedanken … kein Brot habt? Jesu Frage war ein Tadel an die Jünger, da sie ihn gänzlich missverstanden hatten (s. Anm. zu V. 15). Er war mit geistlicher Wahrheit beschäftigt, nicht mit irdisch-physischen Dingen.
Mk 8,17 noch euer verhärtetes Herz. D.h., sie waren widerspenstig, für geistliche Dinge unempfänglich und unfähig, geistliche Wahrheit zum verstehen (s. Anm. zu 3,5; 6,52).
[Mk 8,17b: Habt ihr noch euer verhärtetes Herz? Diese Worte sind im Mehrheitstext (byzantinischer Reichstext; Textus Receptus) enthalten, aber nicht in einigen Handschriften, die von manchen Herausgebern und Übersetzern für ursprünglicher gehalten werden. Sie werden in den neueren text- und oft auch bibelkritisch ausgerichteten Bibelausgaben meist ausgelassen. GdT]

Ihr Kleingläubigen! Begreift ihr es immer noch nicht? Erinnert ihr euch nicht daran, wie viel Körbe voll Brotstücke ihr eingesammelt habt, als ich die fünf Brote für die Fünftausend austeilte? Und bei den sieben Broten für die Viertausend, wie viel Körbe voll Brocken habt ihr da eingesammelt? Begreift ihr denn immer noch nicht, dass ich nicht vom Brot zu euch geredet habe, als ich euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer warnte?“

Mk 8,18-21 Die fünf Fragen Jesu waren ein weiterer Tadel an die Jünger wegen ihrer Herzenshärte, und erinnerten sie zudem an seine Fähigkeit, jeden Mangel zu stillen.
Mk 8,21 Warum seid ihr denn so unverständig? Ein Appell, der auf den gerade gestellten Fragen basiert. Die Parallelstelle bei Matthäus zeigt, dass die Jünger ihn schließlich doch verstanden (Mt 16,12).

Da endlich verstanden sie, dass er die Lehre der Pharisäer und Sadduzäer gemeint hatte und nicht den Sauerteig, der zum Brotbacken verwendet wird.

Mt 16,12 Lehre der Pharisäer und Sadduzäer. Hier ist der Sauerteig der Pharisäer ihre „Lehre“. In Lk 12,1 ist es ihre „Heuchelei“. Diese beiden Dinge gehören untrennbar zusammen. Der gefährlichste Einfluss der führenden Juden war eine pragmatische Lehre, die den Weg für Heuchelei ebnete. Äußerlichkeiten, Rituale und der äußere Schein waren ihnen enorm wichtig, die Dinge des Herzens hingegen vernachlässigten sie. Wieder und wieder rügte der Herr ihre Heuchelei. S. Anm. zu 23,25.

***

https://gloria.tv/post/rAR16jng6Cez2RZm1ckSBAdDU

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