Endzeitnotizen (52): Die biblische Grundlage des Tausendjährigen Reichs – Von Dr. Arnold Fruchtenbaum

Die Vertreter einer Entrückung vor dem Tausendjährigen Reich sind oft kritisiert worden, sie könnten für ihren Glauben an ein tausendjähriges Reich nur eine einzige Bibelstelle anführen, nämlich Offenbarung 20. Und weil sich diese Stelle in einem Buch findet, das viele Symbole enthält, ist es angeblich töricht, „tausend Jahre“ wörtlich zu verstehen. Doch diese Kritik ist nicht sehr stichhaltig.

Um es gleich deutlich zu sagen: es trifft zwar zu, daß die Offenbarung sehr viele Symbole enthält. Aber all diese Bilder werden entweder im Buch der Offenbarung selbst oder in anderen biblischen Schriften gedeutet. Hinzu kommt, daß Jahre in diesem besonderen Buch nie im symbolischen Sinn gebraucht werden. Die ebenfalls erwähnten 1260 Tage, 42 Monate und dreieinhalb Jahre sind wörtlich und nicht symbolisch zu verstehen. Daher gibt es auch keinen Grund die tausend Jahre in einem anderen als wörtlichen Sinn aufzufassen. Wer den Text im übertragenen Sinn auslegen will, muß diesen Wunsch begründen können. Ohne objektiven Beweis oder Begründung wird eine solche Deutung immer rein subjektiv bleiben.

Natürlich trifft es zu, daß sich der Begriff tausend Jahre ausschließlich in Offenbarung 20 findet. Aber in diesem Textabschnitt wird die Zahl an sechs verschiedenen Stellen genannt. Diese Wiederholung geschieht bestimmt nicht von ungefähr – hier soll etwas verdeutlicht werden.

Während der Begriff Tausendjähriges Reich nur einmal im Buch der Offenbarung vorkommt, liegt dem Glauben an ein messianisches Friedensreich nicht nur diese Bibelstelle zugrunde. Tatsächlich ist sie gar nicht so maßgebend. Die eigentliche Grundlage für den Glauben an ein tausendjähriges Reich bilden die zahlreichen Weissagungen des Alten Testaments über das Kommen des Messias, der auf dem Thron Davids sitzen und über ein großes Friedensreich regieren wird. Im Alten Testament gibt es eine große Anzahl von Belegstellen über dieses messianische Reich. Der Glaube an ein solches Reich basiert auf einer wörtlichen Auslegung dieser Belegstellen.

Der einzige Beitrag, den die Offenbarung in diesem Zusammenhang leistet, ist die deutliche Angabe des Zeitraums, nämlich tausend Jahre. So ist der Begriff „Millennium“ (lat.), also Tausendjähriges Reich, entstanden. Dieser Schlüsselhinweis wird als einziger über dieses Reich nicht im Alten Testament gegeben.

Nun ist auch begreiflich, warum sich die Offenbarung so ausführlich über die große Trübsal äußert. Zwar geht eine große Anzahl der in Offenbarung 4-19 beschriebenen Ereignisse auf viele im Alten Testament verstreute Stellen zurück, aber wir bekommen sie unmöglich nur mit Hilfe des Alten Testaments in eine chronologische Reihenfolge. Erst die Offenbarung liefert einen geeigneten Rahmen. Ein großer Teil des Buches der Offenbarung dient diesem Ziel.

Andererseits wurden all die verschiedenen Grundzüge und Aspekte des messianischen Zeitalters bereits im Alten Testament offenbart. Sie beschreiben die allgemeinen Kennzeichen des Lebens in diesem Reich, ohne die Frage oder das Problem der zeitlichen Abfolge aufzuwerfen. Es war also nicht nötig, in der Offenbarung den verschiedensten Einzelfragen zu diesem Friedensreich ausführlich nachzugehen. Das meiste war ja bereits aus dem Alten Testament bekannt.

Zwei wichtige Fragen wurden jedoch im Alten Testament nicht beantwortet. Die erste betrifft die Dauer dieses Zeitalters. Die Propheten des Alten Bundes sahen zwar eine lange Zeit der Friedensherrschaft des Messias voraus, sagten aber nichts über den Zeitraum. Die Offenbarung gibt eine klare Antwort: es werden tausend Jahre sein.

Eine zweite Frage betrifft die genauen äußeren Umstände, unter denen das Friedensreich zu seinem Ende gelangen und dann in das ewige Reich Gottes übergehen wird. Auch dazu äußert sich die Offenbarung.

Mit den Antworten auf diese beiden Fragen trägt Offenbarung 20 dazu bei, letzte Klarheit über das messianische Friedensreich zu gewinnen. Unser Wissen über das Reich beruht – wie bereits gesagt – nicht auf diesem einen Kapitel, sondern auf zahlreichen Belegen im Alten Testament.

Zur Grundlage des Glaubens an ein kommendes Friedensreich gehören auch die vier bedingungslosen, unerfüllten Bundesschlüsse Gottes mit Israel. Die Bundesschlüsse unterliegen keiner Einschränkung von seiten der Menschen; ihre endgültige Erfüllung hängt einzig und allein von Gott selbst und nicht von Israel ab. Da Gott zu seinen Verheißungen steht, werden sie ganz bestimmt vollständig erfüllt. Aber das kann nur im Rahmen eines messianischen Reiches geschehen. Über die Bundesschlüsse sprechen wir ausführlich in Kapitel 4. Trotzdem seien die wichtigsten Punkte hier kurz zusammengefaßt.

Bund mit Abraham Der erste Bundesschluß ist der mit Abraham. Ihm wurde eine ewige Nachkommenschaft verheißen, die sich zu einem Volk vermehren und das verheißene Land in bestimmten Grenzen besitzen sollte. Obwohl jenes Volk, die Juden, immer noch existiert, hat es nie in der Geschichte das ganze Gelobte Land besessen. Diese Verheißung kann erst in einem zukünftigen Reich wirklich in Erfüllung gehen. Abgesehen davon wurde das Land nicht nur der Nachkommenschaft Abrahams versprochen, sondern auch Abraham persönlich, denn Gott sagte zu ihm: „Dir und deinen Nachkommen will ich es für immer geben.“ Gott kann dieses Versprechen dem Abraham (wie auch dem Isaak und Jakob) nur einlösen, wenn es noch ein zukünftiges Reich gibt.

Palästina-Bund Der zweite ist der Palästina-Bund. Er beinhaltet, daß die Juden nach ihrer Zerstörung [Zerstreuung. G.d.Th.] in der ganzen Welt wieder gesammelt und das Land wieder besitzen werden. Zwar hat die Zerstreuung längst stattgefunden; sie ist bis zum heutigen Tag wirksam. Allerdings wartet die Verheißung der Sammlung und erneuten Inbesitznahme des Landes immer noch auf ihre Erfüllung. Auch dies erfordert ein zukünftiges Reich.

Bund mit David Der Bund mit David ist der dritte Bundesschluß. Er stellt viererlei in Aussicht: ein ewiges Geschlecht, einen ewigen Thron, ein ewiges Reich und eine ewige Person. Das Herrscherhaus ist schon ewig und unvergänglich, weil es seinen Höhepunkt in einer Person gefunden hat, die selbst unvergänglich ist: Jesus, der Messias. Aus diesem Grunde werden auch Thron und Reich von ewigem Bestand sein. Aber Jesus hat noch nie auf dem Thron Davids gesessen und über ein Königreich Israel geherrscht. So warten die Wiederaufrichtung des Davidsthrones und die Herrschaft Christi über das Reich noch auf ihre Verwirklichung in der Zukunft. Auch deshalb muß es ein zukünftiges Reich geben.

Neuer Bund Der vierte und letzte Bundesschluß ist der Neue Bund. Er schließt die nationale Wiederherstellung sowie die Rettung Israels und jedes einzelnen Juden ein. Auch diese Verheißung kann erst in einem zukünftigen Reich erfüllt werden.

Die ausführlichen prophetischen Aussagen begründen zusammen mit diesen vier Bundesschlüssen den Glauben an ein zukünftiges messianisches Reich – es gibt durchaus stichhaltigere Belege als „nur“ ein Kapitel eines in höchstem Maße symbolischen Buches.

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Quelle:
Arnold G. Fruchtenbaum, Handbuch der biblischen Prophetie, (c) der deutschen Ausgabe 1983 und 1991 Verlag Klaus Gerth, Asslar, 11. Paperbackauflage 2019, S. 330-333.

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https://gloria.tv/post/AvS2xRpbdLTq3Kz6gWvnVEWAX

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