Endzeitnotizen (40): Die prophetische Bestimmung der Gemeinde [Kirche] (+Schaubild)

Zitat:
Worin besteht die prophetische Zukunft der Gemeinde? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zunächst verstehen, dass sich die Gemeinde bzw. die Christenheit in zweierlei Hinsicht auf den Heilsplan Gottes bezieht. Erstens gibt es die wahre Gemeinde, die aus Juden und Nichtjuden besteht. Ihre Angehörigen kennen Christus wahrhaft als ihren Erretter und haben die Vergebung ihrer Sünden erfahren. Angefangen mit dem Pfingsttag in Apostelgeschichte 2 bis hin zur Entrückung sind alle Gläubigen Glieder des Leibes Christi bzw. der Gemeinde.

Zweitens gibt es den Einflussbereich der „Institution Kirche“, den wir als „Christenheit“ bezeichnen Die Christenheit umfasst alles, was mit der sichtbaren Kirche in Verbindung steht. Dazu gehören alle Denominationen wie der römische Katholizismus, die orthodoxen Kirchen, der Protestantismus und auch die Sekten. In der Christenheit sind sowohl wahre Gläubige als auch Namenschristen, sowohl Weizen als auch Unkraut zu finden (Matthäus 13,24-30). Diese beiden Personenkreise innerhalb der Christenheit – wahre Gläubige und Namenschristen – haben sehr unterschiedliche prophetische Bestimmungen.

Das nächste Ereignis auf dem prophetischen Kalender, das der wahren Gemeinde gilt, ist die Entrückung (Johannes 14,1-3; 1. Korinther 15,51-52); 1. Thessalonicher 4,13-18). Bei der Entrückung werden alle lebenden und verstorbenen Gläubigen „entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft“ (1. Thessalonicher 4,17). Dieses Ereignis kann in jedem Augenblick ohne Vorankündigung eintreten und passt zu dem Bild, das Christus als Bräutigam und die Gemeinde als Braut darstellt. In diesem Zeitalter ist die Gemeinde Christus angetraut – ihm völlig hingegeben, weil sie durch sein Blut erkauft ist. Der Bräutigam ist in das Haus des Vaters zurückgekehrt, um seiner Braut eine Stätte zu bereiten. Während er abwesend ist (im Zeitalter der Gemeinde), wird die Treue der Braut aufgrund der Trennung auf die Probe gestellt. Sie soll treu bleiben, während sie unablässig auf die unangekündigte Rückkehr des Bräutigams wartet. Wenn Gott der Vater das Zeichen gibt, wird der Ruf ergehen und das Zeitalter der Gemeinde mit ihrer Entrückung beenden. Dann werden die wahren Gläubigen diese Erde verlassen, um bei dem Herrn zu sein.

Die Namenschristenheit wird im Gegensatz dazu zurückgelassen werden und in die Trübsalszeit gehen. Da wird sie auf ihre Rolle als Hure Satans vorbereitet werden – als „die große Hure, … die an vielen Wassern sitzt“ (Offenbarung 17,1). Die Namenschristenheit wird dazu beitragen, die große antichristliche Täuschung, die Weltkirche, zu ermöglichen. Diese ökumenisch ausgerichtete und abgefallene Kirche wird der Welteinheitsreligion den Weg ebnen, wozu die Verehrung des Antichristen und die Annahme des Malzeichens des Tieres gehören werden (Offenbarung 13,16-18). Von Bedeutung ist die Feststellung, dass Offenbarung 13,11-18 den falschen Propheten (das Oberhaupt der Weltkirche während der Trübsal) als den vorstellt, der im Namen des Antichristen die Annahme der Zahl 666 propagiert. Genauso wie die wahre Gemeinde beauftragt ist, die Wahrheit Gottes zu verkündigen, wird Satans Hure daran beteiligt sein, seine Täuschung zu fördern.

Die Gemeinde ist im Heilsplan Gottes einzigartig und kommt in seinem Heilsplan für Israel nicht vor. Obwohl die Gemeinde Teilhaberin der in Christus erfüllten geistlichen Verheißungen des abrahamitischen Bundes ist, wird nicht sie, sondern Israel seine Bestimmung als eigenständiges Volk nach der Entrückung sowie während der Trübsal und des Tausendjährigen Reiches erfüllen. Das Neue Testament lehrt, dass die Gemeinde ein Geheimnis ist, das im Alten Testament nicht geoffenbart worden war (Römer 16,25-26; Epheser 3,2-10; Kolosser 1,25-27). Daher entstand sie in Apostelgeschichte 2 plötzlich, ohne Vorankündigung, und deshalb wird auch dieses Zeitalter der Gnade bei der Entrückung plötzlich und geheimnisvoll, ohne Vorankündigung, enden. Daher besitzt die Gemeinde über die Entrückung hinaus keine prophetische Bestimmung auf der Erde.

Die Gemeinde auf der Erde

Das Zeitalter der Gemeinde ist nicht durch historisch überprüfbare prophetische Ereignisse gekennzeichnet (ausgenommen ihre Geburtsstunde am Pfingsttag und ihr Weggehen bei der Entrückung). Trotzdem finden wir in der Prophetie den allgemeinen Verlauf dieses Zeitalters, so dass wir einen ungefähren Überblick über das geben können, was man während dieses Zeitalters erwarten muss. Denken wir daran, dass sich während des Zeitalters der Gemeinde Prophetien erfüllen, die sich auf Gottes prophetischen Plan für Israel und nicht für die Gemeinde beziehen. So steht z.B. die vorausgesagte Zerstörung Jerusalems und seines Tempels im Jahr 70 n. Chr. mit Israel in Verbindung (Matthäus 23,38; Lukas 19,43-44; 21,20-24). In diesen Zusammenhang passt die Tatsache, dass wir prophetische Erfüllungen im Blick auf Israels Wiedereinsetzung als Volk (Staatsgründung 1948) erleben, selbst wenn wir uns noch im Zeitalter der Gemeinde befinden.

Sehen wir uns jetzt drei Gruppen neutestamentlicher Stellen an, die uns über den allgemeinen Verlauf des Gemeindezeitalters Aufschluss geben.

Matthäus 13

Die Gleichnisse in Matthäus 13 betrachten das Zeitalter der Gemeinde als hier auf Erden befindliches Reich Gottes, das die Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen Christi abdeckt. Dr. J. Dwight Pentecost fasst Matthäus 13 so zusammen:

„Wir können die Lehre im Blick auf den Verlauf des Zeitalters folgendermaßen zusammenfassen: 1) Währen des gesamten Zeitalters wird das Wort gesät werden – ein Vorgang, der 2) durch das Ausstreuen einer unechten Saat nachgemacht werden wird; 3) das Reich wird riesige äußere Dimensionen annehmen, aber 4) vom inneren, lehrmäßigen Verfall gekennzeichnet sein. Dennoch wird sich der Herr 5) einen kostbaren Schatz unter den Angehörigen des Volkes Israel und 6) der Gemeinde erwerben. 7) Das Zeitalter wird im Gericht enden, wobei die Ungerechten vom Reich, das aufgerichtet werden soll, ausgeschlossen, während die Gerechten darin aufgenommen werden, um am Segen der messianischen Herrschaft Anteil zu haben.“6
_______
6. J. Dwight Pentecost, Bibel und Zukunft (Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, 1993), vgl. S. 162-172.

Offenbarung 2 und 3

Offenbarung 2-3 bezieht sich auf den Heilsplan der Gemeinde (und nicht auf das Reich). Somit beginnt der dort befindliche Überblick über die sieben Gemeinden zu Pfingsten und endet mit der Entrückung (worauf Offenbarung 4,1-3 schließen lässt). An diesen im ersten Jahrhundert bestehenden sieben Gemeinden kann man modellhaft erkennen, welche Typen von Gemeinden es während der gesamten Kirchengeschichte gibt.

Die Briefe

Im Folgenden findet sich eine Liste der sieben wichtigsten Stellen in den Briefen, die sich mit der Gemeinde in der Endzeit befassen: 1. Timotheus 4,1-3; 2. Timotheus 3,1-5; 4,3-4; Jakobus 5,1-8; 2. Petrus 2,1-22; 3,3-6 und Judas 1-25. In jeder dieser Stellen wird übereinstimmend hervorgehoben, dass der Abfall das vorherrschende Merkmal der Gemeinde in der Endzeit sein wird.

Die Apostel wiesen die Gläubigen wiederholt nachdrücklich darauf hin, dass sie gegenüber lehrmäßiger Verirrung wachsam sein müssen. Dass wir heute so viel Verirrung vorfinden, ist ein klares Zeichen dafür, dass wir in der Endzeit sind.

Selbst wenn uns das Neue Testament keine speziellen Prophetien bezüglich des Zeitalters der Gemeinde gibt, haben wir drei Gruppen neustamentlicher Stellen, die ein allgemeines Bild vom Verlauf dieses Zeitalters zeichnen. Alle drei deuten darauf hin, dass der Abfall die Christenheit zur Zeit der Entrückung charakterisieren wird.

Die Gemeinde im Himmel

Das Neue Testament lehrt, dass die Gemeinde vor dem Beginn der Trübsal durch die Entrückung weggenommen (1. Thessalonicher 1,10; 5,9; Offenbarung 3,10) und von Christus in das Haus des Vaters gebracht wird (Johannes 14,1-3). Sie befindet sich während der Trübsal im Himmel und wird dort durch die 24 Ältesten repräsentiert (Offenbarung 4,4.9-11; 7,13-14; 19,4). Während dieser sieben Jahre wird sie vor dem Richterstuhl Christi stehen, um dafür zubereitet zu werden, Christus bei seiner Wiederkunft zu begleiten (Offenbarung 19,4-10.14.19). Die himmlische Zubereitung der Gemeinde während der Trübsal ist in Offenbarung 19,7 zu finden: „Die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und sein Weib hat sich bereitgemacht.“ Dies wird zu Beginn des Tausendjährigen Reiches, nach der Wiederkunft Christi, stattfinden.

Das nächste Ereignis für die wahre Gemeinde – den Leib Christi – besteht darin, dass sie bei der Entrückung von der Erde in den Himmel versetzt wird. Die Nicht-Erretteten jedoch, die in dem kirchlichen System (der „Institution Kirche“) zurückgelassen worden sind, werden in die Trübsal kommen und den Grundstock einer abgefallenen Superkirche bilden, die der falsche Prophet einsetzt, um die weltweite Herrschaft des Antichristen durchzusetzen (Offenbarung 13; 17-18). Die wahre Gemeinde Jesu Christi wird die Trübsal nicht erleiden.

Die Gemeinde im Tausendjährigen Reich

Während des Tausendjährigen Reiches werden alle Angehörigen der Gemeinde mit Christus regieren und herrschen (Offenbarung 3,21). In Matthäus 19,28 sagte Jesus seinen Jüngern, die der Gemeinde angehören, dass sie im Reich an seiner Seite sein und über die 12 Stämme Israels herrschen werden. Ebenso schreibt Paulus in 2. Timotheus 2,12: „Wenn wir ausharren, werden wir auch mitherrschen.“ Das Tausendjährige Reich wird hauptsächlich deshalb aufgerichtet, weil Israel wiederhergestellt und von Christus beherrscht werden soll. Trotzdem spielt die Gemeinde als Braut Christi während des Tausendjährigen Reiches eine wichtige Rolle.
(…)
Zitat Ende.

Quelle: Tim LaHaye/Thomas Ice: Countdown zum Finale der Welt – Ein Bildführer zum Verständnis biblischer Prophetie, 5. Aufl., (c) Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 2016, S. 59-62.

Dieser Text wurde von Koryphäen des amerikanischen Dispensationalismus verfasst. Im großen und ganzen stimme ich ihm zu, gestatte mir jedoch einige ad-hoc-Bemerkungen:

* Sekten: Manche Sekten, die soziologisch zur Christenheit gezählt werden, können nicht als christlich gelten, da sie christliche Grunddogmen leugnen, wie z.B. verschiedene Antitrinitarier (Unitarier, Jehovas Zeugen, Mormonen…).

* Kann man sagen, die Gemeinde habe nach der Entrückung keine prophetische Bestimmung mehr, wenn man gleichzeitig lehrt, dass sie mit dem Herrn im Tausendjährigen Reich herrschen wird? Die scharfe Trennung zwischen einer „himmlischen Bestimmung“ der Gemeinde und einer „irdischen Bestimmung“ Israels lässt sich m.E. nicht durchhalten.

* Nach Offenbarung 13,11-18 ist das „zweite Tier aus der Erde“ identisch mit dem falschen Propheten. Nirgends steht aber geschrieben, dass dieser falsche Prophet identisch mit dem Führer der abgefallenen Superkirche ist. Dieser Kirchenführer wird gewiss ein falscher Lehrer und falscher Prophet sein, aber dass er das zweite Tier aus der Erde sei, das ist nicht gesagt. Der biblische Sprachgebrauch kann vielmehr darauf hindeuten, dass das „erste Tier aus dem Meer“ aus den Nationen (etwa als der Führer des wiederentstandenen römischen Reichs), das „zweite Tier aus der Erde“ jedoch aus Israel kommt, denn mit „Erde“ (griechisch „gê“, hebräisch „erets“) ist gewöhnlich „erets Jisrael“, also das Land Israel gemeint. Somit ist denkbar, dass die Rolle des falschen Propheten von dem letzten jüdischen Pseudomessias gespielt wird, der dann der bevollmächtigte „Propagandaminister“ des Antichristen sein wird. (Hören Sie dazu den lehrreichen Vortrag von Dr. Roger Liebi, „Der Antichrist kommt“.)

* Die Gemeinde wurde zwar im Alten Testament nicht prophezeit, aber einschlussweise ist sie in den Prophezeiungen enthalten, dass alle Nationen den wahren Gott, den Gott Israels, und seinen Messias, den Sohn Gottes, anerkennen und ihm dienen werden. Eine direkte Vorankündigung erfolgte natürlich durch den Herrn Jesus Christus selbst, als er in der Gegend von Cäsarea Philippi sagte: „… und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen…“ (Matthäus 16,18).

* Das Tausendjährige Reich wird nicht weniger wegen der Nichtisraeliten als wegen Israels errichtet, auch wenn Israel das Haupt der Nationen sein wird, denn bei Gott ist kein Ansehen der Person (Paulus im Römerbrief). Es wird sich jedoch erweisen, dass das Herz des Menschen auf der alten Erde von Natur aus böse bleiben wird, sogar dann, wenn Jesus Christus persönlich regiert, wenn optimale Verhältnisse herrschen und wenn Satan gebunden ist. Darum wird es am Ende des Millenniums zu einer letzten Rebellion der Heidenvölker kommen, die Gott kurzerhand durch Feuer vom Himmel beendet. Danach wird das Endgericht über die Ungläubigen (das Gericht vor dem großen weißen Thron) gehalten, welches die endgültige Trennung zwischen den Guten und den Bösen herbeiführt. Dann schließlich der neue Himmel und die neue Erde.

G.d.T.


***

https://gloria.tv/post/Lpd8yx8D3dCK1n4bErwgATjxh

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.