Endzeitnotizen (38): Wer sind die 144.000 Versiegelten (Offb 7,4-8)?

Über sie wurde viel spekuliert und mancher Unsinn geschrieben. Ron Rhodes fasst die dispensationale Auslegung zusammen. Wenn Sie das nächste mal einen Jehovaszeugen treffen, fragen Sie ihn doch einmal, aus welchem Stamm Israels er ist. :-) G.d.T

Die 144 000 jüdischen Evangelisten

In Offenbarung 7,4 schreibt der Apostel Johannes: „Und ich hörte die Zahl der Versiegelten: 144 000 Versiegelte, aus allen Stämmen der Kinder Israels.“ Wer sind diese 144 000?

Einige Christen haben das als einen bildhaften Hinweis auf die Gemeinde [Kirche] verstanden. Der Kontext zeigt jedoch, dass sich der Vers auf 144 000 jüdische Männer bezieht – 12 000 aus jedem Stamm -, die in der zukünftigen Drangsalszeit leben (s. Offb 14,4). Da hier bestimmte Stämme und eine exakte Anzahl von Personen erwähnt werden, ist die Möglichkeit, dass es sich dabei um eine Redewendung handelt, auszuschließen. An keiner Stelle der Bibel bedeutet der Hinweis auf die zwölf Stämme Israels etwas anderes als die zwölf Stämme Israels. Das Wort Stamm wird in der Schrift nie für etwas anderes verwendet als für eine tatsächliche ethnische Gruppe.

Um die 144 000 in der Drangsalszeit richtig zu verstehen, müssen wir wissen, dass Gott die Juden ursprünglich zu Seinen Zeugen erwählt hatte. Er bestimmte sie dazu, die gute Nachricht Gottes allen anderen Menschen auf der Welt zu bringen (s. Jes 42,6; 43,10). Die Juden sollten Gottes Repräsentanten unter den heidnischen Völkern sein. Die biblische Geschichte zeigt, dass sie an dieser Aufgabe scheiterten, insbesondere als sie Jesus nicht als den Messias Gottes anerkannten. In der zukünftigen Drangsalszeit werden diese 144 000 Juden – die irgendwann nach der Entrückung zum Glauben an Jesus als den Messias Gottes kommen – diesen Auftrag Gottes schließlich erfüllen und auf der ganzen Welt Seine Zeugen sein. Ihr Werk wird eine riesige Ernte erlöster Menschen hervorbringen (s. Offb 7,9-14).

Die Zeugen werden von Gott „versiegelt“ (von Ihm beschützt), während sie Ihm in der Drangsalszeit dienen (Offb 14,1-4; s. auch 2. Kor 1,22; Eph 1,13; 4,30).

Manche haben sich gewundert, warum die alttestamentlichen Stämme Dan und Ephraim in der Liste mit den israelitischen Stämmen fehlen. Im Alten Testament finden sich etwa 20 verschiedene Stammeslisten, sodass es nicht zwei identische Listen mit den zwölf Stämmen Israels geben muss. Die meisten Gelehrten heute sind sich einig, dass der Stamm Dan fehlt, weil er sich zu vielen Gelegenheiten des Götzendienstes schuldig gemacht hatte und daher größtenteils verschwand (3. Mo 24,11; Ri 18,1.30; s. auch 1. Kö 12,28-29). Wer sich am Götzendienst beteiligt und keine Buße tut, soll vom Segen Gottes ausgeschlossen sein. Der Stamm Ephraim beteiligte sich ebenfalls am Götzendienst und an heidnischer Anbetung (Ri 17; Hos 4,17). Das ist wahrscheinlich der Grund, warum beide Stämme in Offenbarung 7 fehlen.

Andere haben sich gefragt, warum der Stamm Levi in dieser Liste mit den Stämmen Israels auftaucht, statt seinen Sonderstatus als priesterlicher Stamm unter dem mosaischen Gesetz beizubehalten. Levi wurde wahrscheinlich aufgenommen, da die priesterliche Funktion des Stammes Levi mit dem Kommen Christi, dem endgültigen Hohenpriester, aufhörte. Die levitische Priesterschaft fand ihre Erfüllung in der Person Christi (Hebr 7-10). Da der priesterliche Diennst des Stammes Levi nicht weiter nötig war, bestand für Gott kein Grund mehr, diesen Stamm von den anderen zu unterscheiden und abzusondern. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum er in der Stammesliste im Buch der Offenbarung zu finden ist.

Ich persönlich [Ron Rhodes] glaube, dass diese 144 000 jüdischen Evangelisten zu einem frühen Zeitpunkt in der Drangsalszeit auftreten werden, irgendwann nach der Entrückung. Einige Bibelausleger meinen, die 144 000 müssten ihr evangelistisches Werk früh in der Drangsalszeit beginnen, da die Gläubigen, die während des fünften Gerichtssiegels als Märtyrer sterben (Offb 6,9-11), zu den Früchten ihrer Arbeit gehören. Die Gerichtssiegel finden auf jeden Fall in der ersten Hälfte der Drangsalszeit statt. [S. Arnold Fruchtenbaum, The Footsteps of the Messiah (San Antonio: Ariel Ministries, 2003), ohne Seitenangabe.]

Wahrscheinlich werden diese Juden in ähnlicher Weise zum Glauben an Jesus kommen wie der Apostel Paulus, der selbst ein Jude war und auf der Straße nach Damaskus eine Begegnung mit dem auferstandenen Christus hatte (s. Apg 9,1-9). Interessanterweise bezeichnet sich der Apostel Paulus in Bezug auf seine Bekehrung selbst als „eine unzeitige Geburt“ (1. Kor 15,8). Manche Bibelausleger wie J. Dwight Pentecost glauben, dass Paulus möglicherweise auf seine 144 000 jüdischen Brüder in der Drangsalszeit anspielte, die eine ähnliche geistliche „Geburt“ haben werden wie er – nur, dass Paulus weit vor ihnen geistlich geboren wurde.
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Quelle:
Ron Rhodes, Die Chronologie der Endzeit – Eine komplette Übersicht, um die biblische Prophetie zu verstehen, 1. Aufl., (c) Verlag Mitternachtsruf, CH-Dübendorf 2015, S. 150-152.

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https://gloria.tv/post/Zfkb3WyRBe2V2CFW4JnLeaC18

9 Kommentare zu „Endzeitnotizen (38): Wer sind die 144.000 Versiegelten (Offb 7,4-8)?

    1. Die Gemeinde wird vor Beginn der 7-jährigen Drangsal entrückt.
      Es bleiben die Unerlösten. Während der Drangsal bekehren sich die 144.000 aus Israel und – wahrscheinlich auch durch ihr evangelisierendes Wirken – eine große Menge aus allen Völkern und Stämmen zum Herrn Jesus Christus.
      So steht es in der Schrift. Was ist daran unlogisch?
      Gunther.

      1. Werter Gunther,
        danke für deine Antwort.
        Da ich, als Teil-Autist, mit der Vielzahl von Informationen oft überfordert bin, erlaube die folgenden Fragen, mit der Bitte, mir die Textstellen zu nennen:
        Wo finde ich
        a) die 7 Jahre als genauen, genannten Zeitraum
        b) daß dann, bzw. zuvor die Gemeinde entrückt wird
        c) das dann in Folge, also den 7 Jahren sich 144.000 aus Israel oder „Israel“ bekehren.
        Wenn du mich vorerst zu diesen drei Aspekten schlau machen würdest, gerade unter dem Aspekt der Logik, wäre ich dir sehr verbunden.
        Liebe Grüße,
        Raphael.

      2. Werter Raphael,

        danke für die Fragen, die mir sehr sinnvoll erscheinen.

        Aus ihnen meine ich ersehen zu können, dass Du zur Lehre von den (allgemeinen) letzten Dingen noch keinen festen Standpunkt hast.

        Wer zu dem Herrn Jesus Christus gehört, das heißt, zu Ihm in der Beziehung steht, dass er von Ihm „gekannt“ wird (lies dazu bitte die Stellen Matthäus 25,12 u. 2 Timotheus 2,19), der nimmt an der Entrückung –falls sie sich zu unseren Lebzeiten ereignet– teil, ob er sie nun eschatologisch genau einordnen kann oder nicht. Allein auf diese lebendige Beziehung kommt es letztlich an.

        Meine Antworten auf Deine Fragen beruhen auf gewissen Voraussetzungen und Vorentscheidungen, wie:
        die Existenz Gottes;
        dass dieser Gott allein der Gott der biblischen Offenbarung (Altes und Neues Testament) und kein anderer ist;
        dass die Bibel das inspirierte, autoritative, irrtumslose Wort Gottes ist;
        gewisse Auslegungsgrundsätze, die leitend sind für die Erklärung biblischer Offenbarung und Lehre (Literalprinzip, historisches Prinzip, grammatisches Prinzip, synthetisches Prinzip, Prinzip der Klarheit);
        gewisse Unterscheidungsmerkmale biblischer Theologie gegenüber anderen Ansätzen (wie Bibel plus Tradition). Dazu gehören hier vor allem diese Merkmale: fortschreitende Offenbarung Gottes; biblisch abgeleitete (nicht theologische) Bündnisse und Haushaltungen Gottes; Gottes Souveränität in der Erlösung von Sündern; biblisch begründetes Verständnis der neutestamentlichen Gemeinde; ein futuristisches prämillenniales Verständnis der Eschatologie entsprechend Gottes souveränem Plan für die ganze Welt, einschließlich Israel.

        Unter den genannten Voraussetzungen ist zu erkennen, dass die Bibel viele prophetische Aussagen enthält (man spricht von wenigstens 25 % des Bibeltextes), von denen ein Teil sich in der Vergangenheit erfüllt hat, ein anderer Teil sich gegenwärtig erfüllt und der Rest sich in der Zukunft erfüllen wird.

        Zur Bedeutung der Auslegungsgrundsätze für die Beurteilung der Endzeit und über unterschiedliche Auslegungsoptionen:

        https://estomiles.wordpress.com/2021/04/10/endzeitnotizen-29-die-zukunftigen-dinge-und-ansichten-daruber/

        https://estomiles.wordpress.com/2021/03/15/endzeitnotizen-18-vier-auslegungsansatze-fur-das-buch-offenbarung/

        Dies vorausgeschickt, nun zu Deinen Fragen:

        a) Wo finde ich „die 7 Jahre als genauen, genannten Zeitraum“.

        Die sieben Jahre sind die letzte der 70 Jahrwochen in der Prophezeiung des Propheten Daniel. Diese 70 Jahrwochen sind aufgeteilt in: 7 + 62 + 1 Jahrwoche. Du findest diese Prophezeiung im Buch Daniel, Kap. 9, Verse 20 bis 27. Darüber gibt es eine Menge Literatur, auch im Internet. Als kürzeste kompetente Auskunft empfehle ich Dir die Anmerkungen zu diesem Bibelabschnitt in der MacArthur-Studienbibel, Seite 1171-1172. Du kannst sie hier herunterladen:

        Klicke, um auf john_macarthur_studienbibel_schlachter_2000.pdf zuzugreifen

        Eine kurze, nicht zu spezialistische Auskunft gibt auch dieser Artikel:

        https://www.gotquestions.org/Deutsch/siebzig-wochen.html

        Dazu auch:

        ttps://estomiles.wordpress.com/2021/02/28/endzeitnotizen-13-die-490-jahre-der-prophetischen-bestimmung-israels-einleitung-und-schlussfolgerung/

        https://estomiles.wordpress.com/2021/04/19/endzeitnotizen-30-daniels-uberblick-uber-die-zukunft-visionen-daniels-und-traum-nebukadnezars-schaubild/

        https://estomiles.wordpress.com/2021/04/19/endzeitnotizen-31-die-70-wochen-daniels-schaubild/

        https://estomiles.wordpress.com/2021/04/20/endzeitnotizen-33-die-trubsal-daniels-siebzigste-woche-schaubild/

        b) Wo finde ich, „daß dann, bzw. zuvor die Gemeinde entrückt wird“

        * zum „dass“, also der Tatsache als solcher: Die Tatsache der Entrückung ist klar bei Paulus ausgesprochen, der auch das betreffende Wort als Verbform, gebraucht, s.u.

        * zum „wann“: Über den Zeitpunkt der Entrückung gibt es verschiedene Ansichten:

        Entrückung vor der siebenjährigen Drangsalszeit = Prätribulationalismus (diese Ansicht wird von mir vertreten);
        inmitten der Drangsal = Mediotribulationalismus;
        ähnlich: Entrückung vor dem Zorn („pre-wrath rapture“);
        nach der Drangsal, zusammenfallend mit dem zweiten, öffentlichen Kommen des Herrn = Posttribulationalismus;
        Teilentrückung bzw. Teilentrückungen (wird nur von wenigen vertreten).

        Zum Prätribulationalismus ein Zitat aus der obengenannten Studienbibel; darin findest Du auch die wichtigsten Schriftstellen (Seite 2.156):

        „7.2. Die Entrückung der Gemeinde Die Schrift lehrt die persönliche, leibliche Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus vor der siebenjährigen Trübsalszeit (1Th 4,16; Tit 2,13), um Seine Gemeinde von der Erde zu entrücken (Joh 14,1-3; 1Kor 15,51-53; 1Th 4,15 – 5,11) und, zwischen diesem Ereignis und Seiner Wiederkunft in Herrlichkeit mit Seinen Heiligen, die Gläubigen entsprechend ihrer Werke zu belohnen (1Kor 3,11-15; 2Kor 5,10).“

        Die Stelle, wo der Apostel Paulus das Wort Entrückung verwendet, ist 1. Thessalonicher 4,17 (griechisch: „harpagesómetha“ = wir werden entrückt werden, zum Verb: „harpázo“. Die lateinische Vulgata übersetzt das mit „rapiémur“, vom Verb „rápere“ bzw. „rápio“. Davon ist das englische Wort „rapture“ = Entrückung abgeleitet).

        Dazu auch:

        https://estomiles.wordpress.com/2021/02/27/endzeitnotizen-9-die-beiden-phasen-der-wiederkunft-christi/

        https://estomiles.wordpress.com/2021/02/27/endzeitnotizen-10-15-unterschiede-zwischen-der-entruckung-und-der-erscheinung-in-herrlichkeit/

        https://estomiles.wordpress.com/2021/02/27/endzeitnotizen-11-die-beiden-phasen-des-kommens-christi-bibelstellen-zur-entruckung-und-bibelstellen-zur-wiederkunft/

        https://estomiles.wordpress.com/2021/03/20/endzeitnotizen-23-warum-ich-an-eine-entruckung-vor-der-trubsal-glaube-von-nathan-e-jones/

        c) Wo finde ich, dass „dann in Folge, also den 7 Jahren sich 144.000 aus Israel oder ‚Israel‘ bekehren.“

        Diese Menschengruppe wird in der Bibel nur an zwei Stellen erwähnt: in Offenbarung 7,4-8 und Offenbarung 14,1-5. Diese Verse gilt es also genau zu betrachten und auszulegen. Dass die 144.000 als „Knechte Gottes“ (7,3) das Evangelium des Reiches auf Erden verkünden werden, ist eine V e r m u t u n g, die sich aus der endzeitlichen Rolle Israels ergibt. Unter der Voraussetzung der oben erwähnten Auslegungsgrundsätze ist jedoch völlig klar (und das wird auch im Artikel betont), dass es sich bei diesen 12 x 12.000 Versiegelten nicht um Katholiken, Protestanten oder Zeugen Jehovas handeln kann, sondern nur um buchstäbliche Israeliten (nicht „Israeliten“). Über dieses Thema kann man auch in Standardwerken wie „Handbuch der biblischen Prophetie“ von Arnold G. Fruchtenbaum, „Brennpunkte biblischer Prophetie“ von John F. Walvoord, „Lexikon zur Endzeit“ von Mal Couch (Hg.) nachlesen – aber was sie dazu schreiben, deckt sich mit dem, was Ron Rhodes zusammengefasst hat.

        Legt man andere Auslegungsgrundsätze und eschatologische Sichtweisen zugrunde (etwa den Amillennialismus der großen Kirchen), kann man freilich zu anderen Ergebnissen kommen.

        Mit herzlichem Gruß,
        Gunther.

  1. Danke werter Gunther,

    für die ausführliche Antwort und die Vielzahl der Links und Informations-Quellen.
    Dennoch möchte ich eine weitere Frage stellen (zu meiner Frage „a“, die 7 Jahre),
    basiernd und bezüglich deiner Antwort hier.
    Meine simple Frage hier zum Verständnis:

    Wann fangen denn diese 70 Jahrwochen an?
    Das Buch Daniel ist mir soweit bekannt, wie eben auch konsequenterweise diese „Zeit-Prophetie“.
    Du weist hier ja auch auf eine weitere, externe Ausarbeitung hin,
    jedoch kannst du mir, hier für´s Erste, eine Antwort mit deinen Worten geben?

    Mit bestem Dank und offener Neugier,
    Raphael.

    1. Werter Raphael,
      für die Antwort, die ich Dir geben kann, benutze ich meine Worte, aber darin mitgeteilte Erkenntnisse schöpfe ich aus Sekundärliteratur (Kommentare, Artikel, Monographien, Handbücher, Lexika, …) von Wissenschaftlern aus der theologischen „Schule“ mit der Bibelauslegung, die mir am einleuchtendsten ist, dem Dispensationalismus. Das habe ich Dir schon in meiner letzten Antwort geschrieben. Jedoch nehme ich zur Kontrolle auch andere Standpunkte zur Kenntnis (etwa indem ich die ESV (English Standard Version) Study Bible, die bei Crossway herausgekommen ist, konsultiere).
      Es ist mir bekannt, dass es viele und vielerlei Berechnungs- und Datierungsversuche gibt. Meine persönliche Lage erlaubt es mir derzeit nicht, wie es für eine gründliche Untersuchung erforderlich wäre, eine gute theologische Bibliothek zu benutzen. (Früher war mir das möglich, da tat ich solches auch.) So bin ich auf meine bescheidenen Hilfsmittel angewiesen. Der Bedingtheit meiner Meinungen und Aussagen bin ich mir bewusst.
      Eine von vielen Schwierigkeiten ist auch, dass das biblische Hebräisch für unsere Begriffe lexikalisch recht arm ist, woher dann manche Wörter vieldeutig sind, für die das Deutsche, aber auch das antike Griechisch präzisere, differenziertere Ausdrucksmöglichkeiten bereit hält bzw. hielt. So etwa gleich in Daniel 9,25. Walvoord & Zuck, auf die ich mich in meiner Antwort an Dich stütze, sprechen da von „der Verkündigung des Erlasses … Jerusalem zu erneuern und wieder aufzubauen“ (Das Alte Testament, erklärt und ausgelegt, Bd. 3, 3. Aufl., Hänssler Verlag, Holzgerlingen 2000, S. 431). Im Hebräischen steht da kein spezielles Wort für „Erlass“, sondern „davar“, was einfach „Wort“ heißt, wohl auch Erlass bedeuten kann, aber auch manches andere. Die um Genauigkeit bemühte Elberfelder Bibel (CSV) übersetzt hier denn auch: „Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis auf den Messias, den Fürsten, sind 7 Wochen und 62 Wochen (usw.)“. Entsprechend haben manche Ausleger das „Wort“ nicht als Erlass verstanden und es auf die Prophezeiung des Jeremias bezogen, wodurch sie zu ganz anderen Ergebnissen kommen (falls es nicht umgekehrt war: dass sie schon eine eschatologische Ansicht hatten und diese durch eine andere Auslegung von Daniel 9,25ff zu begründen suchten).
      Versteht man das Wort als Erlass (wofür es guten Grund gibt), so werden deren vier in der Bibel erwähnt:
      1. Der Erlass von Kores (Kyrus) 538 v. Chr. (2. Chronik 36,22-23; Esra 1,1-4; 5,13)
      2. Der Erlass des Darius I. 512 v. Chr. (Esra 6,1.6-12)
      3. Der Erlass des Artasasta (Artaxerxes Longimanus) 457 v. Chr. (Esra 7,11-26)
      4. Der Erlass ebendesselben 444 v. Chr. (Nehemia 2,1-8)
      Beim Lesen dieser Bibelstellen (was ich getan habe) zeigt sich unzweifelhaft, dass allein der 4. Erlass die Angaben von Daniel 9,25 erfüllt. Walvoord/Zuck datieren ihn auf den 5. März 444 v. Chr. Warum, geben sie nicht an. Andere Kommentatoren datieren den Erlass allgemeiner auf 445 oder 444.
      Nun habe aber auch ich eine Frage: Was für eine Sicht der Endzeit hast denn Du?
      Besten Gruß,
      Gunther.

    2. Werter Raphael,

      als Nachtrag zu meiner Antwort auf Deine letzte Anfrage, zu welchem Zeitpunkt denn die 70 Jahrwochen Daniels beginnen, sende ich Dir noch zwei Photos. Es sind Aufnahmen aus dem Kommentar der ESV Study Bibel, der Nummer 1 der Studienbibeln (ESV = English Standard Version; siehe https://en.wikipedia.org/wiki/ESV_Study_Bible), sowohl was den Umfang als auch die Qualität betrifft. (Meine Ausgabe, aus der auch die Fotos stammen, ist eine leseleichte Großdruckausgabe und umfasst 3.024 Seiten: https://www.crossway.org/bibles/esv-study-bible-large-print-tru-2/ .)

      Der Kommentar und die Schautafel geben eine Übersicht über die wichtigsten Auslegungsarten der 70 Jahrwochen von Daniel 9:


      Besten Gruß!
      Gunther.

    3. Nachtrag 2:
      Aus dem Kommentar zu Daniels 70 Jahrwochen von:
      John F. Walvoord und Roy B. Zuck (Hg.), Das Alte Testament, Band 3: Jesaja – Maleachi, S. 432-433
      Meiner Meinung nach die treffendste Erklärung. Zum selben Ergebnis, etwas anders berechnet, kommt auch Dr. Roger Liebi.
      G.

      1. Danke Karl-Heinz für den „Nachleger“,

        habe mich natürlich auch mit der Thematik zuvor beschäftigt
        und erlaube mir aufgrund des von dir eingereichten
        – jedoch von mir nur überflogenen –
        Materials folgende Fragen zu stellen:

        Reicht der aufgeführte Gregoriansche Kalender in seinen Berechnungen und auch in seiner „Terminologie“ in die Zeit VOR seiner Einführung zurück?
        Und wurden dann die Daten hier umgerechnet, so daß es eben auch ganz andere Zeitangaben gibt für die Zeit davor gibt? Oder wurden hier dann beide Kalender angewandt?, um mit diesem Ansatz dann auch korrekt zu bleiben und eben eine Rechnung vor 1582 und eine danach eingebaut?

        Desweiteren möchte ich anmerken, daß die Babylonier,
        (welche ja „weltbekannt“ und anerkannt für ihre Astrologie waren und sind)
        wie auch die Juden hier mathematisch genaue Berechnungen hatten, um von den 360 Tagen auf die 365, xx zu kommen und ihre Kalender, zwar unterschiedlich, dementsprechend angepaßt haben.

        Zur Thematik 70 Jahrwochen, bzw. 69 plus eine Jahrwoche.
        Findet sich in der Bibel nicht eine absolut passende Erklärung (auch beim Zurückrechnen) für die Terminierung der 69 plus 1?
        Wurde in der Mitte der letzten (also „plus 1-Woche) nicht etwas abgeschafft … (siehe Bibel)
        -> so „ein paar“ gesetzliche Vorgaben?
        Und wenn ja, durch wen und was wurde abgeschafft, bzw. erfüllt?
        Gingen dem Ganzen nicht diese „ominösen“ 3,5 Jahre voraus? … des Dienstes??
        Wobei die 3,5 ja wiederum eine höchst „spannende“ Zeitspanne darstellt, da sie ja 42 Monaten entsprechen …??
        Erlauben wir uns, konsequenterweise diesen weiteren 3,5 Jahre zu folgen, welche sozusagen als allerletzte Chance für die Juden stehen, in der sie was hätten nutzen können? – ist das dann der Zeitpunkt, wo „ihre Gnadenzeit abgelaufen ist“ ??
        Und welcher „Event“ in der Bibel weist uns dann exakt auf dieses Ende eben dieser Gnadenzeit hin?
        Die Antworten sind doch sehr klar und passen dann auch so etwas von „geschmeidig“ in die Prophetie, wie eben auch in die Zeitrechnung.

        Dann muß man auch nich so komplex, wie im Detail (Schalttage etc.) mit diesem anderen Kalender arbeiten und „sich einen Wolf rechnen“.
        Wie weiß der Volksmund so schön zu berichten:
        „Der Teufel steckt im Detail“ …

        Für mich als relativem Frischling in der Materie, mit nur gut drei Jahren Bibelstudium, erschließt sich das Ganze eigentlich wunderbarst.
        Sprach doch der Herr zu unserm und seinen Vater und dankte, daß das „Evangelium“ so einfach ist.
        „… macht er/es doch die Weisen zu schanden …“,
        -> vielleicht auch, weil sie (die Schriftgelehrten etc.) so gerne um tausend Ecken denken mögen, 533 Zusatzgesetze aufstellen, um dann doch in der Konsequenz von dem Herrn Jesus Christus wegzuführen oder einfach nur die Gläubigen, wie sich selbst „beschäftigt halten“,
        so nach dem Motto „Viele Blätter – keine Frucht“

        Ich hoffe, meine Worte waren jetzt nicht zu sehr „harte Rede“, denn wer bin ich schon,
        der ich nur aus Syro-Phönizien, Nineve oder Sodom und Ägypten stamme (;-)

        Doch laß mich deine Antworten wissen, lieber Karl-Heinz,
        denn mir schadet es nicht, neue Sichtweisen in meinen kleinen Horizont aufzunehmen,
        doch der Feigenbaum, sollte schon Früchte haben, denn sonst wird er …
        was du sicherlich weißt und ergänzen kannst.

        Alles Liebe und besten Dank für deine Arbeit und Mühe,
        Raphael.

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