Endzeitnotizen (27): Will JHWH die nichtjüdischen Völker vernichten? Eschatologische Modelle

Vorbemerkung: Dieser Artikel ist besonders wichtig für patriotisch oder national gesinnte Deutsche und Europäer, die sich berechtigte Sorgen um den Fortbestand der europäischen Völker und Nationen machen. Gerade unter den Nationalgesinnten ist das Vorurteil verbreitet, der biblische Gott JHWH wolle die nichtjüdischen Völker vernichten. Daher meinen sie, das Judentum und das Christentum hassen zu müssen. Manche von ihnen wenden sich wieder den alten heidnischen Religionen Europas: je nachdem der germanischen, keltischen, slawischen, hellenischen usw. Religion zu. Andere neigen mehr zur New-Age-Esoterik, die eine modernisierte Form des alten Gnostizismus ist. Die skandalöse Komplizenschaft der etablierten christlichen Kirchen mit der genozidalen Politik der herrschenden Weltelite und ihrer internationalen Organisationen scheint ihnen sogar Recht zu geben. Jedoch nicht die wahren Gläubigen des biblischen Gottes, sondern seine Feinde innerhalb und außerhalb der Kirchen und des Judentums sind es, die die Völker vernichten wollen. Heute wiederholt sich in potenziertem Maß der Turmbau zu Babel: Schon damals waren es die Feinde Gottes um den babylonischen Herrscher Nimrod, die eine gottwidrige globalistische Zivilisation errichten wollten. Gott machte dieses Projekt zunichte, denn er wollte, dass Völker in ihrer Vielfalt die ganze Erde besiedelten. Durch das zweite Kommen des Herrn Jesus Christus wird Gott auch das bösartige Projekt eines antichristlichen NWO-Einheitsstaates zu Fall bringen.

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Eschatologische Modelle: 1. DAS MODELL DER GEISTLICHEN VISION; 2. DAS MODELL DER NEUEN SCHÖPFUNG

Die unterschiedlichen Auffassungen bzgl. der Eschatologie beruhen oft auf gegensätzlichen Annahmen hinsichtlich der Absichten Gottes. Vorausannahmen über das „Wie“ des Wirkens Gottes können Einfluss darauf haben, wie man an prophetische Texte und den Erzählfaden der Bibel herangeht. Falsche Annahmen verzerren das, was Gott geoffenbart hat. Der Christ muss zusehen, dass sein Verständnis der Absichten Gottes aus der Bibel stammt und nicht von anderen Weltanschauungen oder Philosophien.

Es gibt zwei Modelle oder Herangehensweisen zum Verständnis der Absichten Gottes – das Modell der geistlichen Vision und das Modell der neuen Schöpfung.1 Diese Modelle funktionieren als umfassende Herangehensweisen zum Verständnis der Absichten Gottes.

[…] DAS MODELL DER GEISTLICHEN VISION

Das Modell der geistlichen Vision erhebt „geistliche“ Realitäten über physische Dinge. In dieser Sichtweise existiert ein schroffer Dualismus zwischen dem Geistigen und dem Materiellen, wobei das Geistige höher bewertet wird als das Materielle. Materielle Wirklichkeiten werden als schlecht, minderwertig oder böse empfunden. Das Modell der geistigen Vision übernimmt die Weltanschauung des griechischen Philosophen Plato (ca. 428-348 v. Chr.) und der von seinen Ansichten abstammenden Philosophien. Plato lehrte die Überlegenheit des Geistigen überr das Materielle. Religiöse Variationen des Platonismus stellen oft die Befreiung der Seele aus dem Leib hin zu einer rein geistigen Existenz als höchstes Ideal und Ziel dar. Der Gnostizismus, der eine der großen Bedrohungen für die Urgemeinde darstellte, war eine Form des Platonismus. Der Gnostizismus leugnete, dass die materielle Welt gut sei.

Obwohl die meisten frühen Christen weder Platoniker noch Gnostiker waren, sind Platons Ideen häufig in die frühe Gemeinde eingedrungen. Origenes (ca. 184-ca. 254 n. Chr.) kam der Leugnung der leiblichen Auferstehung gefährlich nahe. Der einflussreiche Theologe Augustinus (354-430 n. Chr.) glaubte, der Gedanke eines irdischen Reiches Jesu sei fleischlich und vertrat stattdessen die Auffassung, das Reich Gottes sei eine geistige Wirklichkeit, nämlich die Gemeinde [Kirche]. Seine Auffassung vom Reich Gottes als etwas Geistigem, wie er es in seinem Werk Vom Gottesstaat (De civitate Dei) erklärte, wurde als Amillennialismus bekannt. Diese beiden einflussreichen Theologen spielten die physischen Aspekte der biblischen Prophetie herunter und betonten stattdessen die geistigen. Die römisch-katholische Kirche des Mittelalters, die die amillenniale Sichtweise des Augustinus übernahm, handelte ebenso auf der Grundlage übertrieben geistiger Auffassungen vom Reich Gottes.

Die unbiblische Vermischung von Platos Ideen mit dem Christentum hat man als „Christoplatonismus“ bezeichnet.2 Solche Auffassungen über Gottes Absichten zeigen sich in Aussagen wie „Gott ist daran interessiert, die Seele zu retten, nicht den Leib“, oder „Das Reich Gottes ist geistlich,, nicht physisch“, oder „die ewige Bestimmung eines Christen ist der Himmel, nicht die Erde“. Das vom Modell der geistlichen Vision geprägte Denken zeigt sich auch in Auffassungen, dass die alttestamentlichen Verheißungen an Israel bezüglich Materiellem, Land und Nation in der Gemeinde [Kirche] geistlich erfüllt oder in die Person Christi absorbiert werden müssen. Dieses Denken wird offensichtlich, wenn Menschen meinen, ihre ewige Bestimmung sei eine körperlose Existenz im Himmel oder dass sie den ganzen Tag auf einer Wolke sitzen müssten, ohne irgendetwas zu tun zu haben. Um ein Beispiel aus unserer heutigen Kultur zu verwenden: Die berühmte Cartoon-Serie The Far Side von Gary Larson zeigte einmal einen Mann im Himmel auf einer Wolke mit Flügeln auf dem Rücken und einem Heiligenschein um seinen Kopf. Offensichtlich zu Tode gelangweilt sagte sich der Mann: „Hätte ich doch bloß was zu lesen mitgebracht.“ Die Botschaft dieses Bildes ist: Die Zukunft im Himmel ist unsagbar langweilig.

Während eines großen Teils der Kirchengeschichte vertrat die Kirche vergeistlichte Auffassungen über die Zukunft. Die Existenz im Himmel wurde als Befreiung aus dieser fleischlichen, physischen Welt angesehen. Auch heute glauben viele, die endgültige Bestimmung des Menschen sei eine statische, vergeistigte Existenz im Himmel fern von allem Physischen und Materiellen. Aber es gibt eine vorzüglichere Auffassung: die biblische.

[…] DAS MODELL DER NEUEN SCHÖPFUNG

Das Modell der neuen Schöpfung bekräftigt, dass alles in Gottes Schöpfung gut ist, einschließlich ihrer materiellen Elemente. Paulus erklärte: „Denn durch ihn [Jesus] sind alle Dinge geschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren“ (Kol 1,16). Die Schöpfung besteht aus geistlichen und materiellen Wirklichkeiten, und beide sind für Gott wichtig. Beide erfuhren negative Auswirkungen durch die Sünde und den Fall des Menschen, und beide werden letztendlich durch Gott wiederhergestellt werden. Petrus sprach in Apostelgeschichte 3,21 von der zukünftigen „Wiederherstellung aller Dinge“. Das Modell der neuen Schöpfung leugnet nicht die Wichtigkeit geistlicher Wahrheiten und Wirklichkeiten; im Gegenteil, es bekräftigt sie. Aber es wendet sich gegen Versuche, physische Realitäten zu vergeistlichen oder sie als minderwertig aufzufassen, Geistliche und physische Segnungen kommen zu uns gemeinsam.

Stellen wie Jesaja 11; 25; 65; 66, Römer 8 und Offenbarung 21 bestätigen, dass zu Gottes Plänen für die Zukunft auch materielle Wirklichkeiten gehören. Sie sprechen von einer wiederhergestellten Erde und greifbaren Dingen wie Nationen, Königen, von Wirtschaft, Landwirtschaft, dem Tierreich und sozialen und politischen Fragen. Diese Dinge werden mit dem Beginn des Reiches Christi nicht ausradiert, sondern wiederhergestellt. Wenn Gott über die Herrlichkeiten der zukünftigen neuen Erde spricht, erklärt er: „Siehe, ich mache alles neu“ (Offb 21,5). Negative Folgen, die sich aus der Sünde ergeben hatten, wie Tod, Verfall und der Fluch, werden entfernt, aber die Grundlagen der durch die Schöpfung entstandenen Umwelt werden wiederhergestellt werden. Die endgültige Bestimmung für Gottes Volk ist nicht ein ätherischer vergeistigter Aufenthalt im Himmel, sondern eine greifbare Existenz auf einer neuen Erde.

Das Modell der neuen Schöpfung bekräftigt auch die weiterhin bestehende Bedeutung von sowohl Einzelpersonen als auch ganzen Nationen. Gottes Anliegen ist die Errettung einzelner Menschen, aber er richtet und segnet auch Nationen in ihrer jeweiligen nationalen Gesamtheit. Das Volk Israel ist das deutlichste Beispiel (Mt 19,28; Apg 1,6). Außerdem zeigt die Völkertafel in 1. Mose 10-11, dass Gott souverän über alle Volksgruppen ist und sich um sie kümmert. Der Abrahamsbund offenbart, dass Gottes Absichten sich auf die Segnung aller Nationen ausweiten (1Mo 12,3; 22,18).

Die Bibel lehrt zudem, dass Gott Israel als Mittel zur Segnung der Nationen verwenden wird (1Mos 12,2-3). Israel war das Gefäß, durch das Jesus, der Messias, kam, und es ist der Mittelpunkt des Reiches des Messias, worin Israel im Blick auf Dienst und Funktion eine führende Rolle einnehmen wird (Jes 2,2-4; Apg 3,25; Röm 11,11-12.15). Jesaja 19,16-25 spricht von dem Tag, an dem Ägypten und Assyrien neben Israel – das ja Volk Gottes ist – ebenso zu Völkern Gottes werden. Auf der neuen Erde existieren sogar Nationen mit ihren Königen (Offb 21,24.26).

Gottes Pläne schließen also auch ganze Nationen ein, einschließlich Israels. Jesus bewirkt Eintracht zwischen Juden und Nationen, aber er löscht die ethnischen Eigenheiten nicht aus (Eph 2,11-22; 3,6). Man sollte deshalb Voreingenommenheit gegenüber dem Volksgedanken vermeiden, wenn man bestimmen will, welche prophetischen Aussagen über Israel oder andere Nationen für das gegenwärtige Gemeindezeitalter vergeistlicht werden sollten.

Außerdem verbindet das Modell der neuen Schöpfung Eschatologie und Protologie. In der Eschatologie geht es um die „letzten Dinge“, in der Protologie dagegen um die „ersten Dinge“. Wenn man Gottes ursprüngliche Absichten für den Menschen und die Schöpfung begreift, dann begreift man besser, was noch kommen wird. Gott schuf eine greifbare Welt in sechs Tagen und beurteilte sie als „sehr gut“ (1Mo 1,31). Die Tatsache, dass Gottes Schöpfung in allen ihren Teilen „gut“ ist, widerlegt die östlichen Religionen wie den Hinduismus und den Buddhismus, die die physische Welt als Illusion (Maya) betrachten und als etwas, das überwunden werden muss, um zur Erleuchtung zu gelangen. Diese Denkweise tritt auch allen Formen des Platonismus entgegen und deren negativen Auffassungen vom Reich der Materie. Das Universum besteht aus materiellen und immateriellen Realitäten (Kol 1,16), und es gibt keinen wesentlichen Dualismus, in dem das Geistige als dem Physischen in sich selbst überlegen betrachtet wird. Der Mensch selbst ist eine komplexe Einheit von Leib und Seele, Materiellem und Immateriellem. Gott machte den Menschen als physisches Wesen, um auf einer physischen Erde zu leben. Daher umfassen Gottes Absichten auch das physische Universum.

Dass Gottes Pläne für sein Reich zu dieser Erde in Beziehung stehen, wird ersichtlich aus den Adam gegebenen Geboten in 1. Mose 1,26-28, wo ihm befohlen wird, „zu herrschen über“ die Erde, sie „sich untertan zu machen“ und sie „zu füllen“. Gott schuf die Welt und bestimmte dann den Menschen als Mittler, um über sie zu Gottes Verherrlichung zu herrschen. Adam versagte im Blick auf dieses Gebot und erfüllte nicht Gottes Absicht für die Menschheit. Der Mensch wurde dem Tod unterworfen und der Erdboden wurde verflucht und der Nichtigkeit unterworfen (1Mo 3,17-19; Röm 8,20). Heute ist die Menschheit von der Sünde geprägt und die Schöpfung arbeitet gegen den Menschen. Aber es ist Gottes Plan, diese Erde wiederherzustellen und zur Wiedergeburt zu bringen (Mt 19,28; Apg 3,21).
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1 Zu weiteren Ausführungen über das Modell der geistlichen Vision und das Modell der neuen Schöpfung siehe: Craig A. Blaising, „Premillennialism“, in: Three Views on the Millennium and Beyond, Hrsg. Darrell L. Bock (Grand Rapids, MI: Zondervan, 1999), S. 160-181.
2 So Randy C. Alcorn in: Heaven, Wheaton, IL (Tyndale) 2004, S. 475

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Quelle:
John MacArthur & Richard Mayhue (Hrsg.), Biblische Lehre – Eine systematische Zusammenfassung biblischer Wahrheit, (c) 2017 EBTC Europäisches Bibel Trainings Centrum e. V., Berlin 2020, S. 1091-1094

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https://gloria.tv/post/psium3j1LxLb6Bae8PbSQnYJH

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