Endzeitnotizen (18): Vier Auslegungsansätze für das Buch Offenbarung

Welche unterschiedlichen Auslegungsmöglichkeiten gibt es für das Buch der Offenbarung?

Kein anderes Buch des Neuen Testaments stellt den Ausleger vor mehr bedeutende und schwierige Herausforderungen als die Offenbarung. Die eindrückliche Bildersprache des Buches und sein reichhaltiger Symbolismus haben zu vier verschiedenen Auslegungsansätzen geführt.

* Der präteristische Ansatz (Präteritum = Vergangenheit) versteht die Offenbarung als eine Beschreibung der Ereignisse im Römischen Reich des 1. Jahrhunderts. Diese Sichtweise widerspricht der wiederholten Aussage der Offenbarung, prophetisch zu sein (1,3; 22,7.10.18.19). Es ist unmöglich, alle Ereignisse der Offenbarung als bereits erfüllt zu betrachten. Beispielsweise ist Christus im 1. Jahrhundert offensichtlich nicht wiedergekommmen.

* Der historische Ansatz betrachtet die Offenbarung als ein Panorama der Kirchengeschichte von apostolischer Zeit bis heute und sieht in den Symbolismen solche Ereignisse wie die Invasion der Barbaren in Rom, den Aufstieg der römisch-katholischen Kirche (sowie verschiedener Päpste), das Auftreten des Islam und die Französische Revolution. Diese Interpretationsmethode beraubt die Offenbarung jeglicher Bedeutung für ihre ursprünglichen Empfänger. Außerdem missachtet dieser Ansatz die Zeitangaben, die das Buch für den Verlauf bestimmter Ereignisse anführt (vgl. 11,2; 12,6.14; 13,5). Der Historismus hat zu vielen verschiedenen – und häufig widersprüchlichen – Interpretationen geführt, um welche historischen Ereignisse es sich in den Beschreibungen der Offenbarung handeln solle.

* Der idealistische Ansatz interpretiert die Offenbarung als zeitlose Beschreibung des kosmischen Kampfes zwischen den Mächten Gut und Böse. Dieser Ansicht zufolge enthält das Buch weder historische Andeutung noch voraussagende Prophetie. Diese Sichtweise ignoriert ebenfalls den prophetischen Charakter der Offenbarung. Wenn man diesen Ansatz logisch konsequent bis zum Ende führt, wird die Offenbarung dadurch von jeder Verbindung zu tatsächlichen historischen Ereignissen losgelöst. Dann verbleibt von ihr nur noch eine Sammlung von Geschichten, die geistliche Wahrheiten vermitteln sollen.

* Der futuristische Ansatz geht davon aus, dass die Ereignisse der Kap. 6 – 22 noch in der Zukunft liegen und dass diese Kapitel sowohl in buchstäblicher als auch in symbolischer Weise tatsächliche Personen und Ereignisse beschreiben, die zukünftig auf der Bühne der Weltgeschichte stattfinden werden. Demnach beschreibt die Offenbarung die Ereignisse um die Wiederkunft Jesu Christi (Kap. 6 – 19), das Tausendjährige Reich und das Endgericht (Kap. 20) und den Zustand der Ewigkeit (Kap. 21 – 22). Allein diese Sichtweise wird dem prophetischen Anspruch der Offenbarung gerecht, da sie die Kap. 4 – 22 anhand derselben grammatisch-historischen Methode interpretiert wie Kap. 1 – 3 und den Rest der Bibel.

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Literatur:
John F. MacArthur, Basisinformationen zu Bibel, 2. Aufl. Bielefeld 2009, S. 372 f.

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(Texthervorhebungen: G. de Th.)

Quelle: https://gloria.tv/post/HnGDzibaZhbR4FmZZSeeHSveQ

https://wp.me/p2UUpY-7Ie

 

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