Endzeitnotizen (13): Die 490 Jahre der prophetischen Bestimmung Israels – Einleitung und Schlussfolgerung

Der nachfolgende Text gibt die einleitenden Abschnitte und die Schlußfolgerung eines Kapitels in dem unten angegebenen Werk von John F. Walvoord wieder, in dem verschiedene Auslegungen der Prophezeiung Daniel 9,24-27 betrachtet und beurteilt werden.

Es erscheint mir wichtig, dass man zunächst eine klare Vorstellung von den Hauptstationen des göttlichen Heilsplans bekommt und seinem Geist einprägt. Dieses Grundgerüst findet man in den schon früher hier gegebenen Schautafeln:

Gottes Heilsplan verstehen – Überblick über die Welt- und Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zur Vollendung (pdf)

Bibelpanorama: Die sieben Zeitalter des Heilswegs in zwölf farbigen Darstellungen (pdf)

G. d. Th.

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16 Die 490 Jahre der prophetischen Bestimmung Israels

Israel, der Schlüssel zur Deutung der Prophetie

Für einen Gläubigen aus den Heiden ist das Thema Israel nicht unmittelbar eine brennend wichtige Lehre. Wenn man jedoch die Prophetie in der Bibel zu studieren beginnt, wird es sehr bald deutlich, daß Israel im Zentrum der biblischen Prophetie steht und man Gottes Ziel mit Israel verstehen muß, um die Prophetie insgesamt begreifen zu können.

In der Geschichte der prophetischen Deutung ist Israel oft vernachlässigt worden, so daß Prophetie als Ganzes nicht verstanden wurde. Die vielen Versuche, die Prophezeiungen für Israel so zu verdrehen, daß sie auf die Gemeinde [Kirche] bezogen erscheinen, und die weitverbreitete Vernachlässigung der Prophetie über Israel führten zu einer Nichtbeachtung Israels, bis das wiedererwachte Interesse an Prophetie im zwanzigsten Jahrhundert den Blick wieder auf die prophetische Zukunft Israels lenkte.

Das erneute Studium von Daniel 9,24-27 hat die Frage nach der Zukunft Israels entfacht. Obwohl der Abschnitt schwierig ist und viele auseinandergehende Deutungen den Leser zu verwirren neigen, wird eine sorgfältige Auslegung den Leser mit Daniels Zusammenfassung der prophetischen Geschichte, die im zweiten Kommen Jesu kulminiert, belohnen. Was auf die Wiederkunft Jesu folgt, wurde Daniel nicht offenbart, findet sich aber in anderen Propheten wie Jesaja und Jeremia.

Die Bedeutung dieser Prophezeiung. Wenige Stellen im Alten Testament sind wesentlicher für das Verständnis der Prophetie als Daniel 9,24-27. Die Deutung dieser Bibelstelle hängt sehr davon ab, ob der Ausleger liberal ist und die Wirklichkeit der Prophetie leugnet, oder ein konservativer Amillenarist, der die Rechtmäßigkeit der Prophetie anerkennt, aber nicht zugibt, daß sie wörtlich zu verstehen ist, oder ein Prämillenarist, der um eine buchstäbliche Deutung der Bibelstelle bemüht ist. Auch die jüdische Deutung der Stelle ist einer Betrachtung wert. Ausleger lassen sich oft durch ihre eigenen Vorurteile beeinflussen, und weil nur die Prämillenaristen eine wörtliche Deutung vorlegen, sind alle nicht wörtlichen Deutungen durch große Abweichungen und Uneinigkeit gekennzeichnet.

Fragen zur Prophetie. Einige wesentliche Fragen sind: Um welche Menschen geht es in der Prophezeiung? Was ist chronologisch mit den siebzig „Siebenern“ gemeint? Welche sechs Hauptereignisse werden in Daniel 9,24 beschrieben? Welche Ereignisse sind in den ersten sieben „Siebenern“ gemeint? Was bedeuten die zweiundsechzig „Siebener“? Und am wichtigsten: Was wird für den siebzigsten „Siebener“ geweissagt? Bei all diesen Betrachtungen schwingt die Frage mit, ob einige Prophezeiungen schon in Erfüllung gingen und welche noch auf die Erfüllung in der Zukunft harren.

[…]

Schlußfolgerung

Wenn man deshalb all die verschiedenen Ansichten in Betracht zieht und die Argumente für und wider abwägt, gibt es nur eine Lösung, die wirklich dem Bibelabschnitt gerecht wird und ihn wörtlich nehmen kann, nämlich: daß die 490 Jahre 445 v. Chr. beginnen, so daß die 483 Jahre 33 n. Chr. zur Zeit des Todes Jesu enden, und daß die letzten sieben Jahre in die Zeit vor der Wiederkunft Jesu zu liegen kommen, also offensichtlich erst in der Zukunft erfüllt werden. Ein zukünftiger Herrscher wird in den ersten dreieinhalb Jahren dieser Periode den Bund mit Israel schließen und in der zweiten Hälfte dieser sieben Jahre vor der Wiederkunft Jesu sich zum Weltherrscher aufschwingen. Er wird den Bund mit Israel nach dreieinhalb Jahren brechen, und dann wird die Große Trübsal über die ganze Erde hereinbrechen, auch über das Volk Israel. Christus wird bei seiner Wiederkunft die Welt richten und das Tausendjährige Reich aufrichten. Diese wörtliche Deutung trägt den verschiedenen Details dieses Abschnitts Rechnung und ist jeder anderen Sicht überlegen.

Wenn man über die Prophezeiung in Daniel 9,24-27 nachdenkt, wird es deutlich, daß dem Daniel ein breites Spektrum der Prophetie gegeben wurde, das nicht nur die vier großen heidnischen Weltreiche umfaßt und in das zweite Kommen Christi einmündet, sondern auch die 490 Jahre für Israel überdeckt und ebenso bei der Wiederkunft Jesu endet. Daniel beschreibt auch Israels Rolle in der Welt bei den Ereignissen, die zum zweiten Kommen Jesu führen. Das gegenwärtige Zeitalter ist in diese Prophetie über Israel nicht eingeschlossen und ebensowenig in den Voraussagen über die heidnischen Weltreiche zu finden. Das gegenwärtige Zeitalter der Gnade ist ein Einschub in die Folge der prophetischen Ereignisse, der im Neuen Testament offenbart wird und die Gemeinde betrifft, die der Leib Christi ist.

Die Weltereignisse nähern sich mehr und mehr einer Situation, die der ähnelt, die man erwarten würde, wenn die Entrückung der Gemeinde unmittelbar bevorsteht. Wie die Prophezeiungen in vielen Einzelheiten beim ersten Kommen Jesu wörtlich erfüllt wurden, wird das Wort Gottes im Zusammenhang mit dem zweiten Kommen Jesu erfüllt werden. Die praktische Ermahnung, die sich daraus ergibt, ist, daß, wenn die Ankunft Jesu nahe bevorsteht, die Gläubigen ihr Leben in Einklang mit den ewig gültigen Maßstäben Gottes bringen.

Zitiert aus:
John F. Walvoord, Brennpunkte biblischer Prophetie – Was kommt auf uns zu? Heuhausen-Stuttgart : Hännsler, 1992, S. 150f, 158f.

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Originalbeitrag: https://gloria.tv/post/2xTAhHCPqxoZ2Qk2bw7TzSVvm

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Kurzlink: https://wp.me/p2UUpY-7w4

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