Endzeitnotizen (3): Dispensationalismus / Biblische Haushaltungslehre

Das Wort „Dispensation“ ist eingedeutscht aus dem lateinischen dispensatio, das in der Vulgata verwendet wird, um das griechische oikonomía zu übersetzen.

Die zentrale Vorstellung in dem Wort Dispensation ist die der Verwaltung oder Beaufsichtigung der Angelegenheiten eines Haushalts.

Im Oxford-Wörterbuch wird die theologische Bedeutung des Wortes erklärt als „eine Stufe in der fortschreitenden Offenbarung, ausdrücklich den Bedürfnissen eines einzelnen Volkes oder einem bestimmten Zeitraum angepasst … Auch das Zeitalter oder der Zeitraum, während derer ein bestimmtes System überwogen hat.“ (Zitiert nach: Charles C. Ryrie, „Dispensationalismus“, s.u.)

Im Neuen Testament wird das Wort Dispensation (dispensatio, oikonomía) in verschiedenen Formen zwanzigmal gebraucht – neben dem Substantiv oikonomía auch das Substantiv oikonómos (Verwalter, Aufseher, Schatzmeister) und das Verb oikonoméo (Hausverwalter sein; verwalten, anordnen).

Die dispensationalistische Theologie beruht auf zwei Grundannahmen:
1. Die Gemeinde [christliche Kirche] muss von Israel unterschieden werden. Die Gemeinde ist also nicht die Fortführung Israels, welches sie ersetzen würde (Substitutionstheologie). Die Unterscheidung zwischen Israel und der Gemeinde ist eine Folge der historisch-grammatischen Auslegung.
2. Die zweite Grundvorstellung ist, dass es Gottes Ziel ist, sich selbst zu verherrlichen. In der Heiligen Schrift steht nicht der Mensch im Mittelpunkt – obwohl das Heil das wichtigste Thema ist -, vielmehr ist sie auf Gott als zentrale Gestalt ausgerichtet. Die Verherrlichung Gottes ist das wichtigste biblische Prinzip, das alle Heilszeiten auf ein Ziel hin ausrichtet.

Die Grundlage der dispensationalistischen Hermeneutik ist die wörtliche Auslegung, die jedem biblischen Wort die Bedeutung beilegt, die es in seinem normalen sprachlichen Gebrauch transportiert. Das nennt man die grammatisch-historische Methode der Auslegung, auch bekannt unter dem Begriff einfache Auslegung, wobei Symbole, Sprachbilder und Typen nicht von der Auslegung ausgeschlossen sind.

Begründung:
Gott schuf die Sprache, um mit der Menschheit zu kommunizieren, auf verständliche Weise – wörtlich und normal.
Die alttestamentlichen Prophetien hinsichtlich der Geburt und Erziehung Christi, seines Dienstes, seines Todes und seiner Auferstehung wurden w ö r t l i c h erfüllt.
Die wörtliche Auslegungsmethode muss angewendet werden, um Sachlichkeit und Unvoreingenommenheit sicherzustellen und den Ausleger davor zu bewahren, biblische Wahrheit mit seinen eigenen Gedanken zu vermischen.

Wörtliche Auslegung führt dazu, den biblischen Text mit seinem Nominalwert zu akzeptieren und Unterscheidungen anzuerkennen, die von der Bibel getroffen werden. Sie fördert die unterschiedlichen Haushaltungen Gottes im Fortgang der Offenbarung zutage, die er zur Wirksamkeit seines Planes verwendet. Das konsequent angewendete hermeneutische Prinzip der einfachen oder wörtlichen Auslegung ist also die Grundlage des Dispensationalismus.

Die Gegner des Dispensationismus werfen ihm vor, er unterteile die Bibel mit der Folge, ihre Einheit zu zerstören. Das Gegenteil trifft zu.

In dem Artikel „Ein Panorama der Bibel“, der seiner Bibelausgabe vorangestellt ist, gibt C. I. Scofield sieben Beweise an, dass die Bibel e i n einheitliches Buch ist:

„Die Bibel ist ein einheitliches Buch. Sieben große Merkmale bezeugen ihre Einheit.
(1) Von 1. Mose an bezeugt die Bibel einen Gott. Wo immer Er spricht oder handelt, ist Er übereinstimmend mit Ihm selbst und mit der totalen Offenbarung über Ihn.
(2) Die Bibel bildet eine fortlaufende Geschichte – die Geschichte der Menschheit in Beziehung zu Gott.
(3) Die Bibel wagt die kühnsten Voraussagen über die Zukunft, und, wenn die Jahrhunderte vergangen sind und die festgesetzte Zeit gekommen ist, berichtet sie die Erfüllung ihrer Aussagen.
(4) Die Bibel gibt eine fortschreitende Entfaltung der Wahrheit. Nichts wird auf einmal erzählt und nichts ein für allemal. Das Gesetz ist «zuerst der Halm, danach die Ähren, danach der volle Weizen». Ohne daß die Möglichkeit eines heimlichen Einverständnisses besteht, weil oft Jahrhunderte dazwischen liegen, nimmt ein Schreiber der Schrift eine frühere Offenbarung wieder auf, fügt hinzu, legt die Feder nieder, und nach einer gewissen Zeit wird ein anderer Schreiber durch den Heiligen Geist bewegt, und ein anderer und noch ein anderer und jeder fügt Einzelnes hinzu, bis das Ganze vollendet ist.
(5) Von Anfang an bis zum Ende bezeugt die Bibel eine einzige Erlösung.
(6) Von Anfang bis zum Ende hat die Bibel ein großes Thema – die Person und das Werk Christi.
Und (7) endlich, diese Schreiber, etwa vierundvierzig an Zahl, die in einem Zeitraum von zwanzig Jahrhunderten schreiben, haben eine vollkommene Harmonie der Lehre in fortschreitender Entfaltung geschaffen. Das ist für jeden aufrichtigen Menschen der unwiderlegbare Beweis der göttlichen Inspiration der Bibel. „

Der Dispensationalismus verdeutlicht die fortschreitende Entfaltung von Gottes die Zeitalter überspannendem Plan, durch die er sich verherrlicht. Er enthüllt die absolute Wahrheit Gottes, die im direkten Widerspruch zum modernen egozentrischen Relativismus steht.

Der Dispensationalismus unterscheidet mindestens drei, in seiner klassischen Gestalt sieben Heilszeiten:
1. Heilszeit der Unschuld: 1. Mose 1,28 – 3,6
2. Heilszeit des Gewissens: 1. Mose 4,1 – 8,14
3. Heilszeit der menschlichen Verwaltung: 1. Mose 8,15 – 11,9
4. Heilszeit der Verheißung oder der Patriarchen: 1. Mose 11,10 – 2. Mose 18,27
5. Heilszeit des mosaischen Gesetzes: 2. Mose 19,1 bis Apostelgeschichte 1,26
6. Heilszeit der Gnade: Apostelgeschichte 2,1 bis Offenbarung 19,21
7. Heilszeit des Millenniums (des Tausendjährigen Reichs): Offenbarung 20,1-5

Verwendete Literatur:
Artikel „Dispensationalismus“ von Charles C. Ryrie, in: Mal Couch (Hg.), Lexikon zur Endzeit, 2. Aufl., Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 2019, 104-111.
C. I. Scofield, Ein Panorama der Bibel, in: Scofield-Bibel. – Internetquelle: https://www.bibelkreis.ch/BEGRIFFSERKLAERUNG/Panorama%20der%20Bibel.html

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Quelle: https://gloria.tv/post/QAVQUDiTmyDf4AznUQKH1HQQA

Kuzlink: https://wp.me/p2UUpY-7sX

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