Endzeitnotizen (1): Vorbemerkung über die endzeitliche Sichtweise

Als letzter Traktat in der katholischen Dogmatik wird gewöhnlich die Lehre von Gott dem Vollender, die Eschatologie (de Deo remuneratore seu eschatologia) behandelt.

Sie unterteilt sich in die Eschatologie des Einzelmenschen (de novissimis hominis) und die Eschatologie der gesamten Menschheit und der ganzen Schöpfung (de novissimis mundi).

Um die letztere soll es in den „Endzeit-Notizen“ vor allem gehen.

Nach meinem Erkenntnisstand habe ich eine dispensationalistisch-prätribulationistisch-prämillennialistische Sicht von der Endzeit. Was damit gemeint ist, soll nach und nach dargelegt werden. Diese wird heute vor allem von „bibelchristlich-evangelikalen“ Gelehrten vertreten und zuweilen von Katholiken angefochten.

Wenig bekannt bei Katholiken wie bei traditionellen Protestanten ist jedoch, dass die erwähnte Sichtweise auch die der frühen Kirchenväter war. Der Amillennialismus hat sich in der katholischen Kirche erst im 4. Jahrhundert durchgesetzt. Diese Tatsache ist um so gewichtiger, als die frühesten Kirchenväter noch im Kontakt zu den Aposteln, besonders Johannes dem Evangelisten, oder deren direkten Schülern standen. Das legt die Annahme nahe, dass der Glaube an ein noch bevorstehendes endzeitliches Tausendjähriges Reich Christi auf Erden (Prämillennialismus) und eine Entrückung/ Auferstehung der Kirche vor Beginn der Siebenjährigen Drangsal (Prätribulationalismus) auch der Glaube der Apostel und der frühen Kirche war. Er deckt sich mit dem, was sich aus einer wörtlichen, nicht unnötig spiritualisierenden Bibelauslegung ergibt.

Widerspricht diese Sicht dem katholischen Dogma? Ich meine: nein Ich stelle sie aber gerade deshalb hier öffentlich vor, damit sie von glaubenskundigen Katholiken geprüft und kritisiert, und gegebenenfalls bestätigt oder widerlegt und zurückgewiesen werden kann.

Warum ist dieses Thema von Belang? Weil wir möglicherweise die endzeitliche Generation sind, von der der Herr Jesus Christus in seiner Ölbergrede sagt: „Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht“ (Mt 24,34b). Dann müssten wir uns mehr als jede Generation vor uns rüsten, um nicht den endzeitlichen Täuschungen zu erliegen, vor denen der Herr und die Apostel warnen.

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Aktualisierung:

Die Frage, ob die oben genannte, prämillennialistische Schriftauslegung mit der katholischen Glaubenslehre verträglich ist, wenngleich sie heute nur wenigen bekannt ist und von noch wenigeren geteilt wird, hat sich für mich vorläufig geklärt: Ja, sie ist es, und davon überzeugt hat mich die Lektüre von zwei Artikeln:
1.) J. Michl/ G. Englhardt: „Chiliasmus“, in: Josef Höfer/ Karl Rahner (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Aufl., 2. Bd., Freiburg 1958, 1058-1062. (Mit Imprimatur)
2.) K. M. Woschitz: „Tausendjähriges Reich“, in: Johannes B. Bauer/ Johannes Marböck/ Karl M. Woschitz (Hrsg.): Bibeltheologisches Wörterbuch, 4. Aufl., Graz-Wien-Köln 1994, 534-537.

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Quelle: https://gloria.tv/post/Ld8KN3XeAYQg3oFnYj9tjxHs7

Kurzlink: https://wp.me/p2UUpY-7sO

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