Voraussetzungen und Gründe, warum die an Jesus Christus Glaubenden vor Beginn der siebenjährigen Trübsal (Drangsal) in den Himmel entrückt werden

Warum ich an eine Entrückung vor der Trübsal glaube

Elf Gründe, warum Jesus vor der Trübsal zurückkommen wird

Von Nathan E. Jones

[Übersetzt aus dem Englischen]

Häufig werde ich gebeten, die Endzeitansicht von der Entrückung der Kirche vor der Trübsal (Drangsal) zu erklären oder zu verteidigen. Zu diesem Thema rasseln jede Menge Bibelverse, -lesungen und -literaturhinweise in meinem Schädel herum. Ich kann jeden wie einen Powerball aus einer Luftmaschine herausziehen und ihn der nachfragenden Person präsentieren, aber nie auf die geradlinige, umfassende Weise, die ich besonders schätze. Und so ist dieser Artikel mein Versuch, meinen Verstand hinsichtlich der Auffassung von der Entrückung vor der Trübsal zu organisieren. Sie sind herzlich eingeladen, mit auf die Reise zu gehen!

Die Grundvoraussetzungen

Meine Überzeugung, dass es eine Entrückung der Kirche vor der Trübsal geben wird, steht auf dem Fundament der folgenden Grundprinzipien:

A) Die Bibel ist das Wort Gottes

Der 66 Bücher umfassende Kanon, genannt Bibel, ist Gottes irrtumsfreie, unfehlbare Botschaft an die Menschheit, die seine Absichten und Pläne für die Zeitalter erklärt (2. Timotheus 3,16-17; 2. Petrus 1,20-21). Kein anderes Dokument ist gleich zuverlässig und vertrauenswürdig, noch kann es die Anforderungen für eine Beglaubigung, welche die Bibel so leicht erfüllt, auch nur entfernt erreichen.

B) Die Bibel ist wörtlich auszulegen

Gott meint, was er sagt, und sagt, was er meint. Gott möchte, dass seine Schöpfungen seinen Willen klar erkennen. Wenn Gott sich malerische Beschreibungen und Gleichnisse gestattet, folgt fast immer eine Erklärung oder es wird ein Kontext zur Erklärung bereitgestellt. Die Spiritualisierung des Textes hat daher keinen angemessenen Platz bei der Auslegung der Heiligen Schrift. Jeder eschatologische Standpunkt muss dann verworfen werden, wenn er auf dem Wunsch des Lesers beruht, die Bibel in eine von ihm gewünschte ätherische Bedeutung hinein zu spiritualisieren. Nehmen Sie die Bibel in ihrer schlichten Sinnbedeutung.

C) Die Kirche und Israel sind getrennte Einheiten

Israel ist nicht die Kirche, und die Kirche ist nicht Israel. Ein an Christus Glaubender wird ein Mitglied der Kirche, ob Jude oder Nichtjude (Römer 1,16), aber ein Mitglied der Kirche wird nicht eine Art geistliches Israel. Gottes Verheißungen an Israel als Volk und Nation (siehe nächster Grundsatz) sind nicht die gleichen wie für die Braut Christi, die Kirche.

D) Ein buchstäbliches 1000-jähriges Millennium

Die Bibel beschreibt einen zukünftigen, buchstäblichen tausendjährigen Zeitabschnitt. Das griechische Wort „chiliás“ für „tausend“ kommt in Offenbarung 20 sechsmal vor und kennzeichnet den Zeitraum eindeutig als 1.000 buchstäbliche Jahre ausmachend. Der Zweck dieser Zeitperiode besteht darin, dass Jesus Christus ein irdisches Königreich haben soll, von welchem aus er seine Herrschaft gründet und seine Verheißungen erfüllt (Genesis 13,14-17; 15,5.18-21; 2. Samuel 7,16-19; Jesaja 10,21-22; 11,1-2; Jeremia 23,5-8; 30,22; 31,31-34; Hesekiel 11,18-20; 34,24; 36,24-28; Micha 7,19-20; Hosea 3,5; Römer 11,26-29).

E) Eine buchstäbliche 7-jährige Trübsal

Eine kommende Zeitperiode ist vorbehalten, in der Gott seinen Zorn über das Böse in der Welt ausgießen, Israel wieder in sein Land zurückversetzen und Israel zwingen wird, Jesus als seinen Messias anzuerkennen, und in der der Messias zurückkehren und für seinen gläubigen Überrest kämpfen wird (5. Mose 4,26-31; Jesaja 13, 6-13; 17, 4-11; Jeremia 30,4-11; Hesekiel 20,33-38; Daniel 9,27; 12,1; Sacharja 14,1-4; Matthäus 24,9-31). Diese Zeitperiode beginnt mit einem Bund zwischen Israel und dem Antichristen (Daniel 9,27). Die Dauer der Trübsal beträgt sieben Jahre und wird auf vielfältige Weise als „ein Sieben“-Jahre-Block (Daniel 9,27) beschrieben, der aus „zwei Zeiten, einer Zeit und einer halben Zeit“ (zwei Jahre + ein Jahr + ein halbes Jahr; Offenbarung 12,14) oder zwei Zeitspannen von „1260 Tagen“ (Offenbarung 11,3) oder zwei Zeitspannen von „42 Monaten“ (Offenbarung 11,2; 13,5) besteht.

F) Jesus wird auf die Erde wiederkehren

Die Bibel sagt, dass Jesus physisch wieder auf die Erde zurückkehren wird (Sacharja 14,1-21; Matthäus 24,29-31; Markus 13,24-27; Lukas 21,25-27; Offenbarung 19). Jesus kehrt zurück, um seine Feinde zu besiegen, seinen Thron zu errichten, Israel wiederherzustellen, mit „eisernem Stab“ zu regieren und seine Autorität mit denen zu teilen, die in ihm überwunden haben (Matthäus 19,28; 25,31; Apostelgeschichte 1,3-6; Offenbarung 2,26-27; 3,21).

G) Die Bibel lehrt über eine Entrückung

1. Thessalonicher 4,17 spricht von einem Ereignis, das „die Entrückung“ genannt wird, von lateinisch „rápio“, griechisch „harpázo“, was „aufraffen“, wegschnappen“ oder „herausnehmen“ bedeutet. „Danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden, in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein.“ Paulus stellt fest, dass das Konzept der Entrückung die Gläubigen in diesem Zeitalter ermutigen soll (1. Thessalonicher 4,18). Andere neutestamentliche Verweise auf die Entrückung sind Johannes 14,1-4; 1. Korinther 15,51-58; und 1. Thessalonicher 4,13-18.

Diese Grundaussagen über die Bibel und ihre Auslegung liefern den Unterbau für die Darlegung der nachfolgenden Gründe, warum ich glaube, dass die Bibel eine Entrückung der Kirche vor der Trübsal lehrt.

1) Die Bibel beschreibt die Entrückung und das Zweite Kommen als verschiedene Ereignisse.

Die Bibel muss die Entrückung (Johannes 14,1-4; 1. Korinther 15,51-58; 1. Thessalonicher 4,13-18) und das Zweite Kommen (Sacharja 14,1-21; Matthäus 24,29-31; Markus 13, 24-27; Lukas 21,25-27; Offenbarung 19) als getrennte Ereignisse sehen, weil die Verse, wenn sie verglichen werden, zwei sehr unterschiedliche Szenarien beschreiben:

  1. Entrückung – Gläubige begegnen Christus in der Luft
    Zweites Kommen – Christus kehrt zum Ölberg zurück, um den Gläubigen auf der Erde zu begegnen
  2. Entrückung – Der Ölberg ist unverändert
    Zweites Kommen – Der Ölberg ist geteilt und bildet ein Tal östlich von Jerusalem
  3. Entrückung – lebende Gläubige erhalten verherrlichte Körper
    Zweites Kommen – lebende Gläubige bleiben in denselben Körpern
  4. Entrückung – Gläubige gehen in den Himmel
    Zweites Kommen – verherrlichte Gläubige kommen vom Himmel, irdische Gläubige bleiben auf der Erde
  5. Entrückung – die Welt bleibt ungerichtet und in Sünde lebend
    Zweites Kommen – die Welt wird gerichtet und Rechtschaffenheit hergestellt
  6. Entrückung – schildert die Rettung der Kirche vor dem Zorn
    Zweites Kommen – schildert die Befreiung von Gläubigen, die den Zorn ertragen mussten
  7. Entrückung – keine Zeichen gehen ihr voraus
    Zweites Kommen – viele Zeichen gehen ihm voraus
  8. Entrückung – nur im Neuen Testament offenbart
    Zweites Kommen – sowohl im Alten als auch im Neuen Testament offenbart
  9. Entrückung – befasst sich nur mit den Geretteten
    Zweites Kommen – befasst sich sowohl mit den Geretteten als auch mit den Ungeretteten
  10. Entrückung – Satan bleibt frei
    Zweites Kommen – Satan wird gefesselt und in den Abgrund geworfen

Da die Entrückung und das Zweite Kommen eindeutig unterschiedliche Ereignisse sind, die nicht zur gleichen Zeit stattfinden, dürfte dies ein Szenario der Entrückung nach der Trübsal ausschließen.

2) Die Entrückung wird so beschrieben, dass sie jederzeit ohne Vorwarnung eintreten kann.

Jesus sagte in Matthäus 24,42.44: „Wacht also! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt. … Deshalb seid auch ihr bereit! Denn in der Stunde, in der ihr es nicht meint, kommt der Sohn des Menschen.“ Nicht nur wissen die Christusgläubigen nicht, wann sie ihn zu erwarten haben, sondern der Vater selbst scheint Jesus über den genauen Zeitpunkt, an dem sein Sohn wiederkehren soll, ununterrichtet gelassen zu haben. Wie Jesus in Matthäus 24,36 feststellte: „Von jenem Tag aber und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel in den Himmeln, auch nicht der Sohn, sondern der Vater allein.“ Diese und andere Verse (Matthäus 24,36.42.44.50; 25,13; 1. Thessalonicher 4,18; Titus 2,13; 1. Johannes 2,28; 3,2-3) weisen darauf hin, dass Jesu Ankunft kommen wird, wenn niemand damit rechnet.

Dem Zweiten Kommen hingegen gehen viele Ereignisse voraus, wie der Aufstieg des Antichristen (Offenbarung 12,13-17; Sacharja 13,7-9), ein Vertrag mit Israel (Daniel 9,27), der Wiederaufbau des jüdischen Tempels (Matthäus 24,15; 2. Thessalonicher 2, 3-4; Offenbarung 11,1-2) sowie Plagen und Gerichte und Verfolgungen, die den größten Teil der Weltbevölkerung vernichten (Offenbarung 6-18). Das Buch der Offenbarung berichtet, dass diese Ereignisse während der siebenjährigen Trübsal geschehen und, wie die Offenbarung enthüllt, dem Zweiten Kommen vorausgehen.

Weil die Entrückung jederzeit und ohne Vorwarnung geschehen kann und dem Zweiten Kommen so viele Zeichen vorausgehen, müssen Entrückung und Zweites Kommen unterschiedliche Ereignisse sein. Die Entrückung muss vor dem Gesamt der Zeichen der sieben Jahre stattfinden, denn Christen sind aufgerufen, lieber nach der Rückkehr des Herrn auszuschauen als nach Zeichen, wie der Ankunft des Antichristen. Sobald erst die Zeichen beginnen, beginnt der siebenjährige Countdown hin zum Ende mit der Wiederkunft Christi beim Zweiten Kommen.

Die imminente (jederzeit, ohne Vorwarnung bevorstehende) Wiederkehr Jesu lässt alle anderen Standpunkte bezüglich einer Entrückung, die innerhalb oder am Ende der Trübsal stattfinden würde, abgetan sein.

3) Die Entrückung und die Beseitigung des „Zurückhaltenden“ erfolgen gleichzeitig.

In 2. Thessalonicher befürchtete die Gemeinde in Thessaloniki aufgrund eines falschen Berichts, sie wäre in den Tag des Herrn (die Trübsal) eingetreten und hätte irgendwie die Entrückung verpasst. Der Apostel Paulus versicherte ihnen, dass der Antichrist erst dann offenbart werde, wenn eine zurückhaltende Kraft weggenommen sei, damit der Mensch der Gesetzlosigkeit offenbart werden könne.

Weil die Enthüllung des Antichristen mit dem Beginn der siebenjährigen Trübsal zusammenfällt, die mit seinem Friedensvertrag mit Israel (Daniel 9,27) losgeht, muss das Zurückhaltende vor der Trübsal entfernt werden. Da der Heilige Geist auch während der Trübsal zum Heil wirkt (Johannes 16,8-11; 1. Johannes 5,7), muss die Kirche das Zurückhaltende sein, das weggenommen wird. Folglich müssen die Entrückung und die Wegnahme der Kirche zusammenfallen und am Beginn der sieben Jahre erfolgen.

4) Die Trübsal ist für die Erlösung Israels.

Jeremia 30,7 beschreibt die Trübsal als die „Zeit der Bedrängnis Jakobs“ – „Wehe! Denn groß ist jener Tag, keiner ist wie er, und es ist eine Zeit der Bedrängnis für Jakob; doch wird er aus ihr gerettet werden.“

Im Buch Matthäus, dessen Hauptzuhörerschaft die Juden sind, erklärt Jesus seinen jüdischen Anhängern, wie das Leben während der Trübsal sein wird. Ferner beschreibt Offenbarung 12 malerisch eine Frau, die gebiert und wegen Verfolgung während der Trübsal fliehen muss. Der Zusammenhang zeigt, dass die Frau Israel ist. Und die Schlacht von Harmagedon wiederum ist die Welt gegen Israel. Zwei Drittel des jüdischen Volkes werden bei diesen Schlachten getötet. Diese und andere Texte zeigen, dass die Trübsal für die Erlösung des jüdischen Volkes bestimmt ist.

Warum sind die Juden während der Trübsal Objekt der Verfolgung? Zum einen hasst Satan das jüdische Volk, weil es der Welt die Heilige Schrift und den Messias gegeben hat, und zum andern will er Gottes Verheißungen an die Juden vereiteln (siehe Grund Nr. 4). Zweitens müssen die Juden so schlimm niedergeschlagen werden, dass sie schließlich ihren Messias anrufen: „Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ (Matthäus 23,39; Lukas 13,35). Die Trübsal wird also für die Erlösung Israels gebraucht, was auch die Bestrafung der Gottlosen zur Folge hat. Die Kirche passt nicht in dieses Szenario und ist aus den Zielen der Trübsal weggelassen. Sie muss weggenommen, hinaufgerafft werden, bevor die Trübsal beginnt.

5) Die Trübsal ist nicht für die Kirche.

Die Trübsal ist Gottes Zorn auf die ungläubige Welt und nicht für diejenigen, die, von der Auferstehung Christi bis zur Entrückung, gerettet sind und Kirche genannt werden. Ja, Gläubige haben die ganze Menschheitsgeschichte hindurch gelitten, aber es gibt eine besondere Zeit (genau wie die Sintflut), die, als Tag des Herrn bezeichnet, für Gottes Zorn reserviert ist. Das Leiden der Christen und die Trübsal/ der Tag des Herrn sind unterschiedliche Dinge.

Wahren Gläubigen an Christus während des Zeitalters der Kirche, vertreten durch die Gemeinde von Philadelphia, ist in Offenbarung 3,10 versprochen: „Weil du das Wort vom Harren auf mich bewahrt hast, werde auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die über den ganzen Erdkreis kommen wird, um die zu versuchen, die auf der Erde wohnen.“ Paulus sagt in 1. Thessalonicher 1,10: „und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat – Jesus, der uns rettet von dem kommenden Zorn.“ Auch sagt er in 1. Thessalonicher 5,9: „Denn Gott hat uns nicht zum Zorn bestimmt, sondern zum Erlangen des Heils durch unseren Herrn Jesus Christus.“ Römer 5,9 besagt: „Vielmehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn vom Zorn gerettet werden!“ In Epheser 5,6 heißt es: „Niemand verführe euch mit leeren Worten! Denn dieser Dinge wegen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams.“ Kolosser 3,4 sagt: „Wenn der Christus, euer Leben, offenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbart werden in Herrlichkeit.“ Immer wieder sagt die Schrift, dass die Kirche nicht dazu bestimmt ist, Gottes Zorn zu erdulden.

6) Gottes Zorn umfasst die ganze siebenjährige Trübsal.

Die Ansicht, dass die Entrückung in der Mitte der Trübsal stattfinden werde, stützt sich auf 1. Korinther 15,52, wo es heißt. dass die Entrückung beim Blasen „der letzten Posaune“ erfolgen wird. Diese Ansicht von der Entrückung mitten in der Trübsal erklärt dann, diese Posaune sei die letzte der sieben Posaunen in Offenbarung 11, die zur Mitte der Trübsal geblasen wird. Warum von den 114 Verweisen auf Posaunen in der Bibel diese beiden als ein und dieselbe Posaune identifiziert werden, verstößt allerdings gegen ein solides Bibelstudium. Der Kontext zeigt deutlich, dass die letzte Posaune von 1. Korinther 15 für Gläubige geblasen wird, während die sieben Posaunen von Offenbarung 8, 9 und 11 für Ungläubige erschallen. Die Posaunen der Offenbarung können daher für die Kirche keine Relevanz haben.

Die Befürworter der Auffassung von der Entrückung vor dem Zorn glauben, die Entrückung werde sich etwa nach drei Vierteln des Weges durch die Trübsal, etwa nach fünf Jahren oder kurz danach, mit bis zu vier Kommen Christi, ereignen. Laut Dr. David Reagan in seinem Artikel The Pre-Wrath Rapture:

„Diejenigen, die diesen Standpunkt vertreten, glauben, dass die Siegelgerichte der Zorn des Menschen und Satans sind und dass sie die erste Hälfte der Trübsal hindurch und in die zweite Hälfte hinein bis zum Dreiviertelpunkt oder kurz danach andauern. Sie legen die Posaunengerichte ins letzte Viertel der Trübsal und die Schalengerichte in die ersten 30 Tage nach dem Ende der 70. Jahrwoche Daniels.“

Aber ist es nicht Jesus selbst, der die Siegel bricht, die jedes der Siegelgerichte von Offenbarung 6 auslösen, welche sich zu Beginn der Trübsal ereignen? Auch werden den sieben Engeln, welche die Posaunen blasen, die jedes der Posaunengerichte einleiten, ihre Posaunen am Thron Gottes gegeben (Offenbarung 8,2). Und Offenbarung 15,1 stellt fest, dass die Schalengerichte am Ende der Trübsal den Zorn Gottes beenden, nicht seinen Zorn beginnen.

Da diese Gerichte von Jesus selbst am Anfang der Trübsal initiiert werden, muss die gesamte Trübsal Gottes Zorn sein, von welchem die Kirche ausgenommen ist.

7) Das Alte Testament und die Offenbarung lassen die Kirche aus der Trübsal heraus.

Der Fokus der Trübsal – Gottes Zorn auf die Erde auszugießen, ebenso wie die Sintflut (Jesaja 24,22; Zefanja 3,8; 1. Thessalonicher 5,3; 2. Thessalonicher 2,12), und die Juden dazu zu bringen, Jesus als Messias anzunehmen (Matthäus 23,39; Lukas 13,35) – ist im Alten Testament und im Buch der Offenbarung auf die Ungläubigen und das jüdische Volk gerichtet. In keinem biblischen Inhalt, der sich auf die Trübsal/ den Tag des Herrn bezieht, kann die Kirche gefunden werden.

Das gesamte Konzept der Kirche war für die Propheten des Alten Testaments ein Geheimnis. Sie konzentrierten sich auf die Nation Israel. Das Buch von Matthäus ist an das jüdische Volk geschrieben, an das sich Jesus in Matthäus 24 wendet. Im Buch Offenbarung behandeln die Kapitel 2 und 3 das Zeitalter der Kirche, aber dann gibt es keine Erwähnung der Kirche mehr bis nach der Trübsal/ dem Tag des Herrn, Kapitel 6-18. In Kapitel 19 kehrt die Kirche in die Texte zurück und findet sich nicht leidend, sondern mit Christus beim Hochzeitsmahl des Lammes feiernd und sich darauf vorbereitend, mit Jesus auf die Erde zurückzukehren.

8) Die Kirche ist während der Trübsal anderweit beschäftigt.

Während die siebenjährige Trübsal abläuft, so hält die Bibel fest, wird die Kirche mit drei Veranstaltungen beschäftigt sein. Keine der drei hat mit dem Leiden an einer Welt, die gerade zerstört wird, zu tun.

Die erste Veranstaltung, an der die entrückte Kirche teilnehmen wird, ist ein Gericht Gottes – die Beurteilung der Gerechten. Dieses Gericht über die Werke soll nicht das ewige Los entscheiden, sondern Grade der Belohnung ermitteln (2. Korinther 5,10; Offenbarung 19,6-9).

Die zweite Veranstaltung ist das Hochzeitsmahl des Lammes. Mit diesem Fest wird die geistliche Vermählung der Braut Christi – der Kirche – mit ihrem Erlöser gefeiert. Offenbarung 19,7-9 teilt diese wunderbare Feier: „Lasst uns fröhlich sein und jubeln und ihm Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereit gemacht. Und ihr wurde gegeben, dass sie sich kleide in feine Leinwand, glänzend, rein; denn die feine Leinwand sind die gerechten Taten der Heiligen. Und er [der Engel] spricht zu mir: Schreibe: Glückselig, die eingeladen sind zum Hochzeitsmahl des Lammes! Und er spricht zu mir: Dies sind die wahrhaftigen Worte Gottes.“

Die dritte Veranstaltung folgt auf das Hochzeitsmahl des Lammes und ist die Vorbereitung der Kirche, dem König der Könige in die Schlacht von Harmagedon am Schluss der Trübsal zu folgen. Dieses Ereignis ist das Zweite Kommen Jesu Christi (Sacharja 14,1-21; Matthäus 24,29-31; Markus 13,24-27; Lukas 21, 25-27; Offenbarung 19,11-21). Offenbarung 19,14 identifiziert die Kirche in ihrer „feinen Leinwand, glänzend, rein“, die ihr während der ersten Veranstaltung – dem Gericht der Gerechten – gegeben wurde. Die Kirche und die Streitmacht der Engel folgen dem König der Könige in sein Zweites Kommen auf die Erde, aber nur Jesus selbst wird in die Schlacht ziehen und besiegt mit bloßen Worten die Völker, die Jerusalem belagern.

9) Es muss Schafe geben, um sie von den Böcken zu trennen.

Wenn die Kirche am Ende der Trübsal entrückt wird, ihre verherrlichten Körper empfängt und dann sofort mit Christus für das Zweite Kommen zurückkehrt, wie die Ansicht von der Entrückung nach der Trübsal (posttribulationale Entrückung) meint, welcher Christusgläubige wird dann für das Gericht über die Schafe und Böcke von Matthäus 25 zur Verfügung stehen? Die einzigen Menschen, die auf der Erde übrig blieben, würden Ungläubige sein, Böcke genannt. Kein Gläubiger – Schafe – stünde Gott zur Verfügung, um in die Kategorie der Schafe eingeordnet zu werden.

Da diejenigen, die in verherrlichten Körpern sind, wie die Engel sein werden, insofern als sie nicht heiraten oder sich fortpflanzen (Matthäus 22,30; Markus 12,25), muss ein gläubiger, unverherrlichter menschlicher Überrest es in die Kategorie der Schafe schaffen und während der tausendjährigen Herrschaft Christi weiter die Nationen hervorbringen (Hesekiel 43,13-27; Jesaja 19,21; Jesaja 65,20-22; Offenbarung 20,7-10). Das bedeutet, dass Menschen während der Trübsal, doch nach der Entrückung, zu Christus kommen müssen, um diese Bevölkerung des Tausendjährigen Reichs (die millenniale Bevölkerung) hervorzubringen.

10) Die Bibel zeigt: Gott errettet die Gerechten vor seinem Zorn.

Christ zu sein bedeutet, Leiden und Prüfungen durch Menschenhand ertragen zu müssen (Johannes 16,33; Philipper 1,27; 1. Thessalonicher 3,3; 1. Petrus 4,12-13). Doch hat die Bibel viele Beispiele dafür, dass diejenigen, die ihren Glauben auf Gott setzen, von Gottes Zorn verschont bleiben. Noah und seine Familie wurden aus den Wassern der Sintflut weggebracht, die in Gottes Zorn benutzt wurden, die Erde zu richten und zu reinigen. Lot und seine Frau und zwei Töchter wurden dazu gebracht, Sodom und Gomorra zu verlassen, bevor Gott die Städte mit Feuer und Schwefel verbrannte. Die Familie von Rahab wurde abgesondert, als Joshua mit seiner Armee in Jericho einfiel.

Könnten Gläubige während der Trübsal auf wundersame Weise beschützt werden, wie die Israeliten während der Plagen in Ägypten beschützt wurden? Ja, die 144.000 jüdischen Evangelisten aus Offenbarung 7 und 14 zum Beispiel werden göttlich beschützt werden. Aber das Abschlachten der Gläubigen während der Trübsal wird so massiv sein, dass sie sicherlich nicht unter besonderem Schutz stehen werden (Offenbarung 7,9-17; 20,4).

11) Die Auffassung von der Entrückung vor der Trübsal (prätribulationale Entrückung) ist nicht zu neu, um sie abzuwerten.

Einige werden argumentieren, dass die Auffassung von der Entrückung vor der Trübsal einfach „zu neu“ sei, um als brauchbar angesehen zu werden. Kritiker werden auf den Ursprung des modernen Vorentrückungs-Standpunkts hinweisen und John Nelson Darby (1800-1882) das Verdienst zuschreiben, sie begründet zu haben. Doch ist diese Einschätzung historisch korrekt? Nein, das ist sie nicht.

Die frühen Kirchenväter, wie Barnabas (ca. 100-105), Papias von Hierapolis (ca. 60-130), Justin der Märtyrer (110-195), Irenäus (120-202), Tertullian (145-220), Hippolyt von Rom (ca. 185-236), Cyprian von Karthago (200-250) und Lactantius (260-330) schrieben über die jederzeit bevorstehende Wiederkunft Jesu Christi, das zentrale Argument für die Auffassung von der Entrückung vor der Trübsal.

Biblische Wahrheit wird durch die Heilige Schrift festgelegt und nicht dadurch, wie diese Lehre zu verschiedenen Zeiten in der Geschichte wahrgenommen wurde. Als Augustinus anfing, die Bibel zu spiritualisieren, setzte sich seine Sichtweise einer nicht wörtlichen Auslegung in der Kirche bis zur Renaissance durch und löschte die Ansichten des Prämillennialismus und der Entrückung vor der Trübsal zugunsten eines Amillennialismus aus. Doch einige mittelalterliche Schriftsteller, wie Ephräm von Nisibis (der Syrer; 306-373), der lateinische Codex Amiatinus des Abtes Ceolfrid (ca. 690-716) und Fra Dolcino schrieben Darstellungen, welche die Entrückung vom Zweiten Kommen unterscheiden.

Als die Ketten der allegorischen Auslegung ab der Reformation in den 1400er und 1500er Jahren fielen, schrieben Schriftsteller wie Joseph Mede (1586-1638), Increase Mather (1639-1723), Pierre Jurieu (1687) und Philip Doddridge (1738), John Gill (1748), James MacKnight (1763), Thomas Scott (1792) und Morgan Edwards (1722-1795) alle über die Entrückung, dass sie getrennt vom Zweiten Kommen stattfinde. Selbst in der neuzeitlicheren Kirche waren Männer wie William Witherby (1818) Vorläufer von John Darby, um diese Ansicht zu unterstützen. Die Auffassung von der Entrückung vor der Trübsal ist tatsächlich nicht nur biblisch, sondern wird in der gesamten Geschichte der Kirche unterstützt.

Schlussgedanken

Ich danke Ihnen, dass Sie diese gedankliche Reise mit mir unternommen haben, um nachzuvollziehen, warum ich an die Vorentrückung der Kirche vor der Trübsal glaube. Hoffentlich hat sie einige Ihrer eschatologischen Ideen bestätigt oder in Frage gestellt. Behalten Sie jedoch im Auge, dass die Endzeitansichten keinen Einfluss auf die Heilslehre haben. Was es zu feiern gilt, ist, dass unser Heil uns eines Tages emporführen wird, um für immer und ewig bei unserem Herrn und Retter Jesus Christus zu sein.

Englischer Originalartikel auf der Website Lamb & Lion Ministries – Proclaiming the soon return of Jesus Christ!:
Why I Believe in a Pre-Tribulation Rapture

Übersetzung aus dem Englischen:
Dr. Gunther M. Michel

Die deutschen Bibelzitate sind der Elberfelder Studienbibel, 5. Aufl. 2015, entnommen.

Zum Nachschlagen der Bibelstellen können Sie diese Weltnetzseite benutzen:
Elberfelder Übersetzung (Edition CSV Hückeswagen)

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5 Gedanken zu „Voraussetzungen und Gründe, warum die an Jesus Christus Glaubenden vor Beginn der siebenjährigen Trübsal (Drangsal) in den Himmel entrückt werden

  1. VÖLKISCH ZU DENKEN UND JÜDISCH ZU GLAUBEN, IST FÜR EINEN DEUTSCHEN DER WIDERSPRUCH ALLER WIDERSPRÜCHE !!!

    Der Tanách ist von den Weisen von Zion (WvZ) erfunden worden, um den Juden eine Heilsgeschichte zu verschaffen, die sie in Wirklichkeit NIEMALS gehabt haben !!!
    Jemand hat sich mal die Mühe gemacht, an Hand der im Tanách angegebenen Zahlen die Opfer dieser Erwählten zusammen zu rechnen. Das ergebnis ist erschütternd!
    Wenn man die geschätzten 200’000’000 Opfer der „Sintflut“ außen vor läßt, die dieser „Herr“ der Erwählten in seiner grenzenlosen Barmherziglkeit persönlich ermordet hat, bleiben noch immer 50’000’000 Opfer, die diese Erwählten dieses „Herren“ auf die zum Teil abartigste Weise selbst ERMORDET haben !!!
    Allein schon dadurch ist bewiesen, daß der „Herr“ der Juden ‚$ATAN‘ ist, und daß der Taná den $ATANI$MU$ lehrt, und der Talmúd ist dazu die „Gebrauchsanweisung“ !!!
    Kein Tanách ohne Talmúd !!!
    Ohne Talmúd kein Tanách !!!
    Im sogenannten „Neuen Testament“ ist nicht nur die wahre Geschichte des Jesus von Nazareth gänzlich verfremdet, sondern auch ER SELBST, der ER der HOCHGOTT IN EIGENER PERSON WAR UND IST, bis zur Unkenntlichkeit entstellt worden !!!
    IHN, den HOCHGOTT IL – das heißt ‚LICHT‘ und meint ‚Licht im Lichte‘ – zum „Sohne ihres Herren“, also zum „Sohne $ATAN$“ zu machen, ist wohl die abscheulichste Blasphemie, die den Juden einfallen konnte !!!
    Dabei bedarf es nur eines der letzten wahren Sätze, die im sogenannten NT überhaupt noch zu finden sind, um den ganzen Schwindel auffliegen zu lassen und die Kirchenbibel als LÜGENBUCH der WvZ zu entlarven:
    Johannes 8, 44
    „IHR HABT $ATAN ZUM VATER !!!“

    Da ich dem nichts mehr hinzu zu fügen habe, verlasse ich nun diese Seite!
    Schade drum!

    1. Darauf und auf einen Kommentar von Henry Hafenmayer werde ich in einem eigenen Beitrag einmal grundsätzlich eingehen. Ein Blick auf die deutsche Geschichte zeigt, wer von uns beiden der Verirrte ist. In der Anerkennung Jesu Christi und der biblischen Offenbarung weiß ich mich einig mit den Geistesgrößen, den besten Deutschen und vielen Generationen einfacher, biederer Deutscher seit mehr als tausend Jahren. Ich weiß, woran und wem ich glaube.

  2. Die Heilige Familie

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    Das neue alte Licht — Der Menschheit Rettung (3)

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    Das neue alte Licht (2)

    https://morbusignorantia.wordpress.com/2020/05/15/von-corona-covid19-immunitaetsnachweis-und-anderen-horrorgeschichten/#comment-52456

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    Die Kirche Christi ist allgemein gefaßt das Reich Christi auf Erden.

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    Der letzte Zweck dieses Reiches ist ganz der gleiche, welchen Christus selbst hatte, als er Mensch wurde.

    „ Wie mich der Vater gesendet hat, so sende ich euch “ ( Joh. 20, 21. ), sprach er zu seinen Aposteln.

    Oder mit anderen Worten: Zweck der Kirche ist, die Menschen aller Zeiten und aller Völker nach der von Christus festgesetzten Ordnung ihrer letzten ewigen Bestimmung zuzuführen. Diese umfassende Allgemeinheit des Zweckes, welcher seine Grenzen findet einzig in den Grenzen der Welt und der Menschheit, ist klar und scharf hervorgehoben in den Abschiedsworten des Heilandes:

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    „ Gegeben ist mir alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Sehet denn hin und lehret alle
    Völker . . . und lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe.

    Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ ( Matth. 28, 18 — 20. ) „ Gehet hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium aller Creatur. Wer glaubt und getauft worden ist, wird selig werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. “ ( Marc. 16, 15. 16. )

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    In diesen Worten ist die Idee und, weil es göttliche Worte sind , auch die Verwirklichung des allumfassenden, einen, unvergänglichen Weltreiches Christi ausgesprochen.

    Es ist ein Reich, welches Christus gegründet, das gehört wesentlich zum Begriff der Kirche.
    Kein Ausdruck kehrt mit Bezug auf das Erlösungswerk des Herrn häufiger in der heiligen Schrift wieder, als die Bezeichnung „ Reich “ .

    Schon der Engel verkündet es Maria:

    „ Und es wird ihm Gott der Herr den Thron deines Vaters David geben, und er wird herrschen im Hause Jakob in Ewigkeit und seines Reiches wird kein Ende sein. “ Luc. 1, 32. 33.

    Johannes weist auf die Nähe des „ Himmel reiches “ ( Matth. 3, 2. ) hin, und Christus selbst bezeichnet es geradezu als seine Lebensaufgabe, dieses Reich zu errichten und auszubreiten.

    „ Auch den anderen Städten muß ich als frohe Botschaft bringen das Reich Gottes, weil ich dazu gesendet worden bin.“ Luc. 4, 43.

    Christus hat also nicht etwa nur Gnadenmittel auf die Erde herabgebracht, damit jeder einzelne in beliebiger, freier Benützung dieser Mittel sein Heil sichere, sondern die durch ihn gewirkte Erlösung, fortdauernd in seiner Kirche bis zum Ende der Zeiten, ist ein organisches gegliedertes Ganze, mit Ueber= und Unterordnung, mit Rechten und Pflichten, Verfassung und Gesetz, Oberen und Untergebenen.

    Ohne dieses alles ist ja auch ein Reich für und unter Menschen gar nicht denkbar.

    ————————————————————

    *) Uebrigens, bliebe auch nur der mindeste Zweifel über den Charakter der Kirche als eines eigendlichen und wahren Reiches, ein weiterer Blick in die Evangelien würde diesen Zweifel beseitigen.

    ————————————————————

    Vom Beginne seiner Thätigkeit an sammelte Christus eine Schaar von Zwölfen um sich. ( Marc. 3, 14. ) Diese Zwölf sonderte er ab, nicht nur von der Menge der Gläubigen, sondern auch von jenen „ anderen 72 Jüngern “ ( Luc. 10, 1. ) , welche er aus seinen übrigen Anhängern zu besonderer Dienstleistung ausgeschieden hatte. Diesen Zwölfen allein gab er den Namen Apostel ( Luc. 6, 13. ) , und wer zu ihm gehörte, erhielt die mit diesem Amtsnahmen verbundene Gewalt ( Apg. 1, 21 — 25 ) . Diesen Aposteln gab Christus die Sendung ( Joh. 20, 21. ) , ihnen ertheilte er den Auftrag, die Völker zu lehren, sie zu taufen, sie anzuhalten, alle seine Vorschriften zu beobachten ( Matth. 28, 18 — 20. ) .

    Er bekleidete diese Apostel mit seiner eigenen Autorität ( Joh. 20, 21. ); er rüstete sie aus mit der Gewalt, zu binden und zu lösen ( Matth. 18, 18. ) , die Sünden zu behalten oder zu vergeben ( Joh. 20, 23. 23. ) aus der Kirchengemeinschaft auszuschließen und in dieselbe wieder aufzunehmen ( Matth. 18, 17. 18. 1 Kor. 5, 3 — 5. ) .

    Naturnothwendig mußte aber durch Ausübung dieser apostolischen Gewalt von der einen Seite und durch die Unterwerfung unter dieselbe auf der anderen Seite eine Scheidung und Gliederung sich vollziehen in solche, welche befehlen, und solche, welche gehorchen, und zwar beides nach fest bestimmten Gesetzen ( Matth. 28, 20. ).

    Was ist das aber anders, als die Gründung eines Reiches ? Denn auch das Territorium, auf welchem sich dieser Bau erheben sollte, fehlte nicht, nämlich die ganze weite Welt.

    Also mitten in die bestehende Staatenordnung hinein sehen wir den Gottmenschen, kraft göttlicher Gewalt und Macht, sein neues Reich errichten: zwar ein Reich, seinem Hauptzweck und seinen wesentlichen Grundformen nach überirdisch, aber doch ein Reich, in welchem Menschen Träger der Autorität, in welchem Menschen Ausüber des Gehorsams sein sollten. Und welche unter den Menschen ? Etwa solche, die noch keiner staatlichen Gemeinschaft angehörten, oder solche, die durch den Eintritt in sein Reich die frühere staatliche Gemeinschaft verlassen mußten ?

    Gewiß nicht.

    Nach Christi Willen und Bestimmung war dieses Reich für alle; in gleicher Weise für Herren wie Diener, für Fürsten wie Unterthanen.

    Als der Herr die Worte sprach, durch welche er, mit Berufung auf seine absolute, göttliche Herrschaft, Plan und Zweck dieses Reiches erklärte:

    „ Gehet hin und lehret alle Völker “,

    da überschaute sein allsehendes Auge die Welt, und nicht bloß die damalige, sondern die Welt bis zu ihrem Ende. Da sah er Monarchien und Republiken, die patriarchalische Verfassung kleiner Stämme und die verwickelten Staatseinrichtungen großer Staaten. Er sah Erb= und Wahlreiche, Kaiser und Präsidenten, Kammern und Parlamente. Er sah diese nach innen und außen so verschiedenartigen staatlichen Verbände theils geeint, theils entzweit, heute in friedlichen Bund, morgen in blutigem Krieg. Und diese ganz unermeßlichen Verschiedenheiten, diese sich befeindenden Interessen, diese oft schneidenden Gegensätze in Charakter, Sprache und Sitte, kurz alle Nationen der ganzen Welt, so wie sie waren, sind und jemals sein werden, ohne Verlust ihrer berechtigten Eigenthümlichkeiten , ohne Preisgebung oder auch nur Schmälerung ihrer politischen Selbstständigkeit und gesellschaftlichen Gliederung:

    dies alles sollte zusammengefaßt werden in einen Organismus, in ein Reich.

    Welch ein Plan !

    Und, setzen wir gleich hinzu, welche Ausführung dieses Planes !

    Nehmen wir allein den gegenwärtigen Bestand dieses Reiches: 220 Millionen Menschen, in zahllosen Staaten, in allen Weltteilen lebend. Und zu diesen Zahlen kommen die vergangenen Jahrhunderte mit ihren ungezählten Menschenmassen, mit ihren Hunderten längst verschwundener Reiche, kommt die Zukunft, je nach der Zeit, welche ihr noch bemessen, mit Milliarden von Menschen, mit stets neuen politischen Gebilden. Hier haben wir die Erfüllung dessen, was vor Jahrtausenden schon die Propheten des Alten Bundes verkündeten:

    das weltumspannende Messias= Reich.

    „ Es werden sich zurückerinnern und zu dem Herrn bekehren der Erde Enden, und vor ihm werden sich anbetend neigen alle Heidenstämme. Ist ja des Herrn das Königthum und herrscht er auch über die Heiden. “ ( Ps. 21, 28. 29. ) „ O Gott, gib dein Gericht dem König, deine Gerechtigkeit dem Königssohn. Aufgehen wird in dessen Tagen die Gerechtigkeit und Friedensfülle, bis der Mond vernichtet wird. Vom Meere bis zum Meere wird seine Herrschaft reichen, vom Strom bis an des Erdballs Grenzen. “ ( Ps. 71, 2. 7. 8. ) „ In den Tagen dieser Reiche wird errichten der Gott des Himmels ein Reich, welches in Ewigkeit nicht wird zerstört werden, und dessen Herrschaft nicht wird gegeben einem andern Volke.“ ( Dan. 2, 44 )

    Dieses Messiasreich ist jenes Bild, welches Mischäas schaute:

    „ Und es wird sein der Berg des Hauses des Herrn gefestet auf der Berge Gipfel. Und zu ihm werden Völker strömen. Und es werden eilen viele Völker und sagen: Kommt, laßt uns hinangehen zum Berge des Hern und zum Hause des Gottes Jakobs. Denn von Sion wird ausgehen Gesetz und des Herrn Wort von Jerusalem. “ ( Mich. 4, 1. 2. Jf. 2, 2. 3. )

    In der That, nur ein göttlicher Verstand, nur eine göttliche Kraft vermochte einem solchen Reiche die Verfassung zu geben; aber, diese Verfassung einmal vorausgesetzt, sieht auch unsere menschliche Vernunft, daß für dieses Reich die vollendetste Unabhängigkeit von jeder staatlichen Gewalt Grundbedingung des Bestandes ist. Eine Einrichtung, welche in der denkbar mannigfachsten Umgebung, in den denkbar verschiedensten Verhältnissen, mitten im beständigen Wechsel und Fluß der Menschen unverändert ist und sein soll, muß ihrer innersten Natur nach von allem, was sie umgibt, ganz und gar unabhängig sein. Das leuchtet ein.

    Doch mit dieser flüchtigen Andeutung der Unabhängigkeit der Kirche dürfen wir uns hier nicht begnügen. Sie ist für die Frage, welche uns beschäftigt, von grundlegender Bedeutung.

    Zunächst ist hier, wie bei allem, was die Kirche betrifft, der in der Heiligen Schrift zum Ausdruck gelangte Wille Christi zu befragen. Hat er, der göttliche Stifter, die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit vom Staate für seine Kirche gewollt, so besitzt sie dieselbe auch. Und jeder Versuch einer Verkürzung dieser Freiheit ist ein Angriff auf die von Gott festgesetzte Ordnung.

    Schon in den mehrfach angeführten Worten des Herrn:

    „ Gegeben ist mir alle Gewalt im Himmel und auf Erden; gehet denn hin und lehret alle Völker “, liegt dieses Recht auf souveräne Unabhängigkeit unzweideutig ausgesprochen. Ohne jegliche Erwähnung der kaiserlichen Regierung zu Rom oder irgend eines andern der damaligen
    Machthaber, mit alleiniger Berufung auf seine eigene göttliche Macht und Gewalt, sendet Christus die Apostel in alle Welt, d. h. in alle Staaten.

    Er trägt ihnen auf, durch Verkündigung seiner Lehre, durch Einführung seines Gesetzes Fürsten wie Unterthanen dieser Staaten und dadurch die Staaten selbst seinem Reiche einzugliedern. Und dieser Auftrag, verbunden mit der ihm entsprechenden Gewalt, ist gegeben für immer, also für alle Nachfolger der Apostel, in Bezug auf alle Nachfolger der damaligen Staaten.

    „ Und siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt.“ ( Matth. 18, 18. )

    Die Vollziehung dieses Auftrages wäre aber ganz und gar unmöglich, der Auftrag selbst somit widersinnig gewesen, wenn nicht zur gleichen Zeit den beauftragten Aposteln völlige Unabhängigkeit von jeder staatlichen Gewalt verliehen worden wäre.

    Es befand sich ja die entstehende Kirche ausschließlich heidnischen, nicht christlichen Staaten gegenüber. Ist es aber da nicht Widersinn, anzunehmen, derartigen Staatsgewalten habe Christus einen bestimmten Einfluß auf Gründung und Leitung seiner Kirche vorbehalten wollen ?

    Keine einzige derselben hätte es jemals freiwillig zugegeben, daß ihre Unterthanen dem Christenthum unterworfen würden. Durch eine solche Unterwerfung wären ja die meisten ihrer Einrichtungen und Gesetze, so viele ihrer angemaßten Gewalten wie mit einem Schlage vernichtet worden. Das feierliche „ Gehet und lehret“ des Gottmenschen würde sich also ohne diese Unabhängigkeit als ein nichtiges Wort, als ein gehalt= und machtloser Wunsch herausstellen.

    Alle Staatsgewalten ohne Ausnahme hätten sich das Wort der obersten jüdischen Behörde angeeignet, wodurch dieselbe den Aposteln die Ausbreitung der Kirche untersagen wollte:

    „ Ernstlich hatten wir euch geboten nicht zu lehren auf diesen Namen hin“ ( Apg. 5, 28. ) , und wenn diesem Gebot der irdischen Gewalt eine rechtlich bindende Kraft zugekommen wäre, so gäbe es bis zur heutigen Stunde noch keine Kirche Christi. Aber wie damals die Apostel in klarer Erkenntniß ihrer vollen Unabhängigkeit diese Einmischung zurückwiesen mit dem Ausspruch:

    „ Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen“ ( Edd. 5, 29. ) , so hat auch die Kirche aller spätern Zeit durch Wort und That ihre Unabhängigkeit bekundet und sich ausgebreitet und gefestigt trotz staatlicher Verbote und gegen dieselben.

    Ferner bezweckte der Herr bei Aussendung der Apostel, nicht nur die Menschen in den Staaten, sondern auch die Staaten selbst, d. h. die Staatsgewalten, seinem Gesetz zu unterwerfen, sie christlich zu machen. Ja, Christus mußte diesen Willen haben wegen des Zweckes, den er bei Gründung seiner Kirche verfolgte. Die irdischen Verhältnisse und Dinge sind ja Mittel für die Menschen, ihr ewiges Ziel zu erreichen. Die Sorge für dieses letztere übergab Christus der neugegründeten Kirche; als Lenker und Leiter der ersteren beließ er die Staatsgewalt.

    Christus mußte also wollen, daß diese irdischen Angelegenheiten, welche dem Staate unterstellt blieben, so geleitet würden, wie sie ihrer Bestimmung, Mittel zum ewigen Ziele zu sein, auch wirklich entsprächen und zwar in jener Weise entsprächen, welche er innerhalb des Rahmens der Kirche festgesetzt hatte.

    Was heißt dies aber anders, als festsetzen, daß der Leiter selbst, nämlich die Staatsgewalt christlich sei ?

    Denn nur ein christlicher Staat kann sich zu der Auffassung bekennen, daß das Irdische dem übernatürlichen Ziele des Menschen dienstbar sein muß; und nur ein christlicher Staat wird das alleinige Recht der Kirche anerkennen, Führerin zu diesem Ziele zu sein. Wie konnte somit Christus wollen, daß die Staatsgewalten als solche sein Gesetz auf sich nähmen, und zu gleicher Zeit wollen, daß es ihnen rechtlich überlassen bliebe, dies Gesetz und diese Kirche von sich zu weisen ?

    Noch viel weniger aber konnte es der Wille des Herrn sein, einer Staatsgewalt das Recht zu gewähren, nach Unterwerfung unter das christliche Gesetz sich über dasselbe zu stellen und es von sich abhängig zu machen. Wer ein Gesetz zu befolgen und einer Einrichtung sich anzupassen hat, welche nicht von ihm herrühren, der kann doch nicht über diesem Gesetz und über dieser Einrichtung stehen. Beide sind seinem Einfluß entzogen, sind von ihm unabhängig.

    Mit einem Wort, der christliche Charakter einer Regierung kann vernünftigerweise nur die Folge haben, daß dieselbe dem concreten Christenthum, d. h. der Kirche Jesu Christi untergeordnet sei.

    Fast noch klarer, weil mehr berechnet auf die ausdrückliche Hervorhebung der Unabhängigkeit der Kirche, drückt sich ihr Stifter an einer anderen Stelle aus:

    ————————————————————

    „ Wahrlich, ich sage euch, was immer ihr gebunden haben werdet auf Erden, das wird auch gebunden sein im Himmel; und was immer ihr gelöst haben werdet auf Erden, das wird auch gelöst sein im Himmel. “ ( Matth. 18, 18. )

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    Diese Worte aus göttlichem Mund müssen Wahrheit enthalten. Sie müssen auch wahr bleiben, solange es eine Kirche gibt, welche durch diesen Ausspruch die Binde= und Lösegewalt überkommen hat.

    ————————————————————

    Niemand, der noch in Christus den Gottmenschen erkennt, kann daran zweifeln.

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    Allein, wäre die kirchliche Gewalt von der staatlichen abhängig: diese großartige Verheißung des Herrn, dieser Freibrief, ausgestellt von der göttlichen Wahrhaftigkeit und Allmacht selbst, würde bei der ersten Gelegenheit sich als ein werthloses Stück Papier erweisen.

    Gott selbst müßte ihn widerrufen. Ein Beispiel mag dies zeigen.

    Die nach der Voraussetzung abhängige Kirche erläßt ein Gesetz; der Staat, als über ihr stehend, hebt es auf. Weil nun diese Aufhebung von der rechtmäßigen Gewalt ausgegangen, so wäre Gott verpflichtet, sie anzuerkennen. Also falsch wäre, was Christus gesagt:

    „ Was immer du binden wirst, wird auch im Himmel gebunden sein. “

    Denn die Kirche hätte zwar gebunden, der Himmel aber, d. h. Gott, hätte gelöst.

    Es besteht somit eine durchaus untrügliche Verbindung zwischen den Anordnungen der Kirche und deren Bestätigung durch Gott; und diese Verbindung schließt eben die kirchliche Unabhängigkeit ein. Denn keine Gewalt kann rechtlich binden, was Gott löst, und rechtlich lösen, was Gott bindet.

    Gott hat sich aber durch Christus verpflichtet, zu binden, was die Kirche bindet, und zu lösen, was die Kirche löst; also kann auch keine Gewalt binden, was die Kirche löst; und lösen was die Kirche bindet.

    Besagt dies nicht vollste Unabhängigkeit ?

    Was der ausgesprochene Wille des Stifters der Kirche so bestimmt hervorgehoben hat, das fordert nicht minder die Natur dieser Stiftung und ihr Zweck.

    Die Natur einer jeden Gesellschaft wird immer bestimmt durch ihren Zweck.

    ————————————————————

    Zweck der Kirche ist, die Menschen ihrem letzten, ewigen Ziele, zu dessen Erreichung sie von Gott geschaffen sind, zuzuführen.

    ————————————————————

    Die Aufgabe der Kirche umfaßt also, wie das jenseitige, so auch das diesseitige Leben des Menschen, und zwar letzteres vorzugsweise. Ist ja doch das ganze irdische Leben, sind alle Verhältnisse und Vorkommnisse desselben nichts anders als Vorbereitung und Mittel, um das jenseitige Ziel zu erlangen. Jene Anstalt also, welche nach Gottes Bestimmung die Menschheit in das andere Leben hinüberführen soll, muß, um ihre Aufgabe lösen zu können, auch das Recht besitzen, den Weg zu diesem Ziel zweckentsprechend zu regeln. Und weil diese Anstalt allein diesen Auftrag erhalten hat, so muß sie diese Regelung auch allein vornehmen können. Sie kann bei Ausübung ihrer Thätigkeit nie und nimmer einer rechtlichen Beeinflussung von seiten irgend einer andern Gewalt unterstehen.

    Abermals ist das Ergebniß Unabhängigkeit für die Kirche, und zwar gefolgert aus ihrem Zweck. Doch die Betrachtung dieses Zweckes drängt mit logischer Unvermeidlichkeit einen gewaltigen Schritt über die bloße Unabhängigkeit hinaus.

    Dieselben Menschen nämlich, welchen Gott ein letztes, ewiges Ziel vorgestreckt hat, und welche zur sicheren Erreichung dieses Zieles in die von Christus gestiftete und organisierte Kirche eintreten sollen, diese Menschen sind zugleich, und zwar auch nach Gottes Willen, Glieder der verschiedenen auf der Erde bestehenden staatlichen Gemeinwesen. Diese beiden Gesellschaften, Kirche und Staat, durchdringen sich also, und zwar nicht bloß insofern sie die nämlichen Menschen in ihrem Verbande umschließen, sondern auch weil ihre Zwecke wesentliche Beziehungen zu einander haben.

    Allerdings findet die Thätigkeit des Staates ihren Abschluß in der Sorge für das zeitliche, irdische Wohl; sie erstreckt sich nicht auf das ewige Heil der Menschen. Hierfür ist allein und unmittelbar die Kirche bestellt. Aber weil irdisches Leben und ewiges Ziel im Verhältniß von Mittel und Zweck, von Weg und Ziel zu einander stehen, so müssen auch jene zwei Gewalten, welchen Gott die Sorge für beides übertragen hat, aufeinander hingeordnet, die eine muß der anderen übergeordnet sein.

    Welche aber unter diesen zwei Gewalten den Vorrang besitzt, ist aus dem Vorhergehenden klar:

    er kann nur der Kirche gebühren.

    Der höhere Zweck einer Gesellschaft erheischt nämlich auch deren höhere Stellung, und weil der Zweck der Kirche einfachhin der letzte und höchste ist, so ist auch ihre Stellung als Gesellschaft einfachhin die höchste.

    Daraus erwächst aber für den Staat eine Pflicht der Kirche gegenüber und für die Kirche ein Recht gegenüber dem Staat. Der Staat hat die Pflicht, alles zu unterlassen, was dem höhern Zweck der Kirche hinderlich ist. Es steht aber der Kirche das Urtheil zu, inwieweit die die zeitlichen und irdischen Angelegenheiten, über welche der Staat gesetzt ist, für ihren überirdischen Zweck nothwendig und nützlich sind; sie hat somit auch das Recht, hierüber Bestimmungen zu treffen, an welche der Staat sich zu halten hat.

    Das ist die sogen. indirecte Gewalt der Kirche über das Zeitliche. Es ist eine Gewalt. Denn, weil Gott der Kirche die Aufgabe übertragen hat, die Menschen zum letzten Ziele zu führen, und weil die irdischen Verhältnisse oft, sei es fördernd, sei es hemmend, auf die Erreichung dieses Zieles einwirken, so muß die Kirche auch die Macht besitzen, in solchen Fällen mit rechtlich bindender Gewalt aufzutreten. Diese Gewalt ist aber eine indirecte, weil von derselben das Zeitliche nur insofern betroffen wird, als es zum Ewigen in Beziehung tritt. Innerhalb der rein materiellen Sphäre bleibt die Staatsgewalt unabhängig und selbstständig nach wie vor.

    In der That hat also die Kirche Christi ein Verfügungsrecht über das Irdische, und in dieser indirecten Gewalt gipfelt gleichsam ihre Unabhängigkeit. Sie ist eben nichts anderes, als der concrete Ausdruck und die praktische Bethätigung der absoluten Nothwendigkeit, des absoluten Vorrangs jenes höchsten Zweckes, welchen die Kirche verfolgt:
    das ewige Heil der Menscheit.

    Wie nach den Worten des Erlösers der einzelne Mensch sich des Rechtes auf den Besitz und Gebrauch seiner eigenen Glieder begeben soll, wo der höhere Zweck es fordert
    (*** Matth. 18, 8. ) , und wie er dadurch die Unterordnung seines leiblich irdischen Wohles unter das ewige zum Ausdruck bringt, so ist aus demselben Grund auch der Staat gehalten, von seinen Rechten zu opfern, wenn die Kirche zur wirksamen Anstrebung ihres Zieles solch ein Opfer von ihm verlangt.

    ————————————————————

    (*** Matth. 18, 8. ) Wenn aber deine Hand oder die Fuß dich ärgert, haue ihn ab und wirf ihn von dir. Denn besser ist es dir, in das Leben einzugehen verstümmelt oder lahm, als zwei Hände oder zwei Füße zu haben und in das ewige Feuer geworfen zu werden.

    ————————————————————

    Neben dieser indirecten Gewalt, welche der Natur der Sache nach nur gelegentlich und vorübergehend sich äußert, besitzt aber die Kirche auch eine directe Macht über Irdisches und Zeitliches. Diese Macht ist das Recht auf den Besitz zeitlichen Gutes: ein Recht, welches vom ersten Beginn der Kirche sich bethätigte und bethätigen mußte; ein Recht, welches durch vollendete Unabhängigkeit vor aller nicht kirchlichen Beeinflussung geschützt ist und geschützt sein muß.

    Das will man ja der Kirche gerne lassen: frei und selbstständig zu sein im geistlichen, überirdischen Gebiet. Aber sobald sie gleichsam den Fuß setzt auf die Erde, und zur Erreichung ihrer Ziele sich der irdischen Mittel bedient, da erklärt man sie der Hoheit des Staates für verfallen und will ihr zeitliches Gut, ihren irdischen Besitz seinen vermögens= und steuerrechtlichen Bestimmungen unterwerfen. Es ist dies eine Inconsequenz, welche zwar auf der Hand liegt, aber von Tausenden nicht beachtet wird.

    Wohl liegt nämlich Ziel und Zweck der Kirche gänzlich außerhalb dieser materiellen Welt; überirdisch und geistlich sind auch viele ihrer Mittel. Allein da ihre Mitglieder Menschen sind, da sie selbst als sichtbar organisiertes Reich auf dieser Erde besteht und ihre Thätigkeit unter und für Menschen ausüben soll, so ist sie naturnothwendig angewiesen auf die Benutzung und deshalb auch auf den freien Besitz von irdischer Habe und irdischen Gut.

    ————————————————————

    Nicht zwar ist die Kirche Gottes ein Reich von dieser Welt, aber wesentlich ist sie ein Reich in dieser Welt und für diese Welt.

    ————————————————————

    Ein doppeltes Leben ist also in der Kirche zu unterscheiden.

    Das eine ist ganz auf das Innere gerichtet, auf die Verbindung der einzelnen Menschen mit Gott,
    und in diesem Leben ist alles überirdisch, alles geistlich: Anfang, Ziel und Mittel.

    Das andere entspringt aus der gesellschaftlichen Natur der Kirche und ist auf Erhaltung der organischen Verbindung ihrer Mitglieder, der Menschen, gerichtet.

    Und zur Bethätigung dieses letztern Lebens bedarf die Kirche, so gut wie jede andere Gesellschaft, der irdischen, materiellen Mittel. Diese äußerlich sichtbare gesellschaftliche Natur gehört aber zum Wesen der Kirche, rührt von ihrem göttlichen Stifter her, nicht minder wie ihr überirdischer Zweck. Also ist auch das damit nothwendig verbundene Recht auf Besitz und Vermögen ein wesentlich göttliches Recht und kann in seiner Bethätigung nicht vom Staate abhängig sein.

    Diese Folgerung muß jeder zugeben, der die obigen Ausführungen aufmerksam gelesen.

    Dort sahen wir, daß Christus in dem Auftrag: „ Gehet und lehret alle Völker “ sein Reich absolut unabhängig von aller Staatsgewalt errichtet hat.

    Wenn nun dieses Reich zu seinem irdischen Bestand, z. B. zur Ausübung des Cultus, zum Unterhalt der Beamten, zum Bau der kirchlichen Gebäude und Anstalten, irdischen Besitz bedarf — und dieses Bedürfniß benöthigt keines Beweises — , so muß eben dieser Besitz auch ein unabhängiger sein. Abhängigkeit des zum Bestande nothwendigen Vermögens brächte ja Abhängigkeit des Reiches selber mit sich. Was die eine Hand gäbe, würde die andre wieder nehmen.

    Das ist in ihren wesentlichen Zügen die Unabhängigkeit der Kirche Christi, eine Unabhängigkeit, welche nur ein Gott zu verleihen, nur ein Gott zu beschützen vermag.

    Nur mit solcher Unabhängigkeit bekleidet kann diese Reich seinen Zweck erfüllen, seine Aufgabe lösen:

    zu sein die eine, heilige katholische und apostolische Kirche.

    Denn ohne diese Unabhängigkeit zerfällt sie nothwendig in so viele Einzelkirchen, als es Landesgrenzen und Staatsgewalten gibt; ohne diese Unabhängigkeit verliert sie den Zusammenhang mit ihrem apostolischen Ursprung, indem nicht mehr die Apostel und ihre Nachfolger, sondern die wechselnden Regierungsgewalten ihre Vorsteher sind; ohne sie wird sie aus der heiligen, vom Heiligen Geiste mit heiligender Kraft und Gnade geleitenden Heilsanstalt eine Handhabe des Staates für seine rein materiellen, politischen und oft unheiligen Zwecke.

    Das Wort des Apostels ist also gerechtfertigt:

    „ Demnach, Brüder sind wir nicht Söhne einer Magd, sondern einer Freien.“ ( Gal. 4, 31. )

    Wenden wir jetzt den Blick vom Reich wieder auf den Herrscher in diesem Reich, auf den Papst.

    Die feste Grundlage für eine richtige Auffassung seiner Unabhängigkeit und Souveränität haben wir in der Unabhängigkeit und Souveränität der Kirche gewonnen.

    (…)

    Quelle siehe: Das neue alte Licht (2)

    ————————————————————

    *) Uebrigens, bliebe auch nur der mindeste Zweifel über den Charakter der Kirche als eines eigendlichen und wahren Reiches, ein weiterer Blick in die Evangelien würde diesen Zweifel beseitigen.

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    Die Erdenwege des Herrn Jesus= Kartenbüchlein !

    Uebrigens… es dürfte auch schon ein Blick in dieses Kartenbüchlein dafür ausreichen um
    diesen Zweifel zu beseitigen !

    Die Erdenwege des Herrn Jesus

    im Großen Evangelium vom Vater des Lichts

    kundgegeben durch Jakob Lorber

    Durch die Reisen des Herrn wurde dessen Botschaft von der Liebe Gottes und dem Heilsweg des Menschen vor allem in den drei Landschaften Palästinas: Galiläa, Samaria und Judäa verbreitet.

    Durch die Reise nach Essäa ( Band 8 und 9 ), sowie durch den im Evangelium des Jakobus „ Die Jugend Jesu“ geschilderten früheren Aufenthalt der Heiligen Familie mit dem Jesuskindlein in der ägyptischen Stadt Ostrazine wurde die Lehre nach dem südlichen Grenzlande Aegypten getragen. — Durch die Reise in die Euphratländer ( Band 6 des Großen Evangeliums ) gab der Herr Sein Licht den nördlich angrenzenden Völkern.

    Und während dieser ganzen Zeit der dreijährigen Lehrtätigkeit wurden durch göttliche Fügung Menschen aus den verschiedensten Teilen von Asiens, Europa und Afrika auf den denkwürdigsten Schicksalswegen zum Herrn geführt, um aus Seinem Munde die große Botschaft zu vernehmen und in ihr Heimatland zu tragen.

    Der hauptsächlichste und bedeutendste Schauplatz dieser einzigartigen Lehrtätigkeit der Gottheit in Jesu war das Uferland des einem Herz nicht unähnlich geformten Galiläischen Meeres. Wer die Karte von Palästina im Lichte der Entsprechung betrachtet, kann in den drei Seen dieses Landes und im lebendigen Wasserlaufe des Jordantales Kopf, Herz, Leib und Mark eines Menschen erkennen. Und wer auf der Weltkarte die Lage dieses Landes der großen Verkündigung sucht, wird sehen, daß Palästina, der Ort des großen, ewigen Leuchtfeuers von Golgatha, mit seinen drei Landschaften genau im Mittelpunkt der drei Weltteile Asien, Europa und Afrika liegt, die im weiteren Kranze umgeben sind von den drei Weltteilen Australien, Süd= und Nordamerika.

    Den großen, heiligen Plan der göttlichen Offenbarung durch die in Jesus zu uns herniedergestiegene
    Gottheit kann aus diesen denkwürdigen Umständen ein aufmerksamer Wahrheitssucher unschwer erkennen.

    Die Erdenwege des Herrn Jesus= Kartenbüchlein ↓

    Klicke, um auf Jakob-Lorber-Die-Erdenwege-Des-Herrn-Jesus.pdf zuzugreifen

    …..Aber zugleich merket ihr auch, wie noch ein gar großer finsterer Teil sich nun bestrebt, das Gewand des Lichtes über sein schwarzes anzuziehen, und daraus und damit aus Eigennutz und Herrschsucht abermals ein neues antichristisches Heidentum zu schaffen ; aber Ich Selbst lasse Meinen Zorn über sie hereinbrechen, d. i. das Feuer Meiner Wahrheit und Meiner Engel der neuen Erde fallen wie mit flammenden Schwertern über sie her, und schlagen jede weitere finstere Bestrebung in die Flucht und in den Abgrund der gänzlichen Vernichtung……

    …… Dann werde auch Ich zu den Meinen kommen als ihr heiliger Vater. Amen !

    Die Frohe Botschaft an das deutsche Volk !

    Deutsches Volk magst ruhig sein, Ich (Ostfront) sehe sie, die vielen Engelein !

    Das ganze Deutschland wird es sein !

    Das sagt euch Ostfront…. der Zimmermann aus dem Erzgebirge !

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