Adolf Hitler von einem fremden Dichter gesehen – Teil 5: Amor fati. Von Grigol Robakidse

A m o r   f a t i

Ich gebrauchte oben den Ausdruck: die opfernde innere Hingabe. Ich höre die Stimme Hitlers – einmal weherfüllt, einmal drohend, einmal ermutigend und erhellend – und jedesmal spüre ich hinter ihr jenes Opfern. Es ist nicht einfach die Kühnheit der Hingabe, es ist der Mut zur Verwandlung: das Genie des Feuers. Hier sei eine Überlieferung als Beispiel angeführt.

Von einem alten Baum ging die Sage: wer ihn anzubrennen wagen würde, der sähe im Feuer das letzte Geheimnis – doch mit dem Preis des Wahnsinns oder des momentanen Todes. Nun entschließt sich einer, entbrannt von einem quälenden Geheimnis, den sagenhaften Baum anzuzünden. Oft geht er zu ihm und ist bereit: die Hand soll aus dem Kiesel Feuer schlagen. Doch jedesmal erstarrt seine Rechte in Entsetzen. Einmal legt er sich müde und erschöpft in das dürre Laub, zündet die Pfeife an, raucht und schlummert ein. Plötzlich merkt er Brandgeruch: es muß wohl unbemerkt ein Funken hingefallen sein. Er blickt um sich, und Freude überstürzt ihn: nun wird er das Geheimnis erraten, ohne den Verstand zu verlieren oder gar den Tod zu atmen – nicht nach seinem Willen ist wahrlich das Feuer aufgeflammt! Im selben Augenblick aber ergreift ihn trotzdem die Angst, und er wirft sich schleunigst hin, um die Flammen sofort zu ersticken Seine Hände arbeiten hastig, dämonisch, er schreit und brüllt, als wolle er sagen: nein, nein, es soll nicht sein! Es gelingt ihm endlich, das Feuer zu löschen; er flieht nun mit zerbrannten Händen davon.

Man sieht: ihm fehlte der Mut zum Erleben des Letzten, das heißt der Mut zum Sein schlechthin. Ohne diesen Mut aber gibt es weder die Einsicht in das Verborgene noch die historische Tat. Luther hätte jenen Baum brennen lassen, wie auch Friedrich Nietzsche, und der große Augenblick Napoleons kam immer in Flammen dieses Feuers. Die führenden Männer von heute [1939], die sich in ihren Völkern durchgesetzt haben, sie alle sind vom Genie des Feuers durchdrungen. Mussolini besitzt den Mut zum letzten Einsatz, völlig geballt von amor fati. Ganz ungewöhnlich ist Adolf Hitler von diesem Mut bis zu den den letzten Fasern seines Wesens erfaßt. Hier ein Beispiel.

46393835_304„Am 8. April 1932 tobte ein Unwetter über Deutschland, das alle Vorstellungen übersteigt. Aus schwarzer Wolke prasselt der Hagel hernieder. Die Sturzwasser verwüsten Gärten und Felder. Die trübe Gischt unterspült die Straße und Bahngeleise, und der Orkan entwurzelt selbst die ältesten Baumriesen. – Wir fahren im Wagen zum Mannheimer Flugplatz. Niemand möchte das Wagnis unternehmen, ein Flugzeug diesem Toben der Elemente auszusetzen. Die Deutsche Lufthansa hat den gesamten Flugverkehr eingestellt. – Im strömenden Regen stehen dichtgeschart die unverzagtesten unserer Anhänger. Sie wollen dabei sein, sie wollen es selbst sehen, wenn der Führer bei diesem Unwetter sich dem Flugzeug anvertraut. – Der Führer befiehlt, ohne zu überlegen, sofortigen Start. Für uns muß das Tagesprogramm eingehalten werden, denn in Westdeutschland warten Hunderttausende. – Die Maschine wird aus dem Hangar gezogen. Nur mit äußerster Anstrengung können die kräftigen Fäuste der Monteure und SA.-Männer mit langen Stangen die Maschine an den Tragflächen festhalten, damit der Sturmwind sie nicht emporwirft und zerschellt. – Die große Motorenorgel setzt ein. Der Pilot zieht wie ein unsichtbarer Organist die Register und läßt das Brausen an- und abschwellen. Nun sind die Motoren warm. Ungeduldig zittert in gebändigter Kraft unser Hippogryph, bis ihm die Bahn freigegeben wird. – Ein kurzes Aufbäumen, und schon fegt unser wildes Roß über die grüne Steppe. Ein paar verwegene Sprünge, ein letztes kurzes Berühren der Erde, und wir reiten durch die Luft, in den brodelnden Hexenkessel hinein. – Das ist kein Fliegen mehr, das ist ein Wirbel, an den wir heute nur noch wie an einen fernen Traum zurückdenken können. Bald setzen wir über Fallböen hinweg, bald peitschen wir durch Wolkenfetzen hindurch, bald zieht uns ein unsichtbarer Strudel in die Tiefe, bald ist es uns, als ob wir von einem fernen Schleuderkran steil emporgezogen werden. – Und doch, welches Gefühl der Geborgenheit in uns in diesem Aufruhr der Elemente. Die absolute Ruhe des Führers überträgt sich auf uns alle.“ (Otto Dietrich: „Mit Hitler in die Macht“)

1gnai0Adolf Hitler handelt in einer Ergriffenheit, die das Gefühl weckt: er schrecke nicht zurück, sähe er das Unheimliche. Ja, man ist sicher: er besiegt es. Er wendet sich zum Volke, entschlossen und muterfüllt hingegeben, und die Grenzscheide zwischen ihm und den Anderen merkt er nicht mehr: er hat in sich den ganzen Pulsschlag seines Landes. Er gebraucht immer und immer wieder das persönliche Fürwort „Ich“ – es bedeutet hier jedoch das überpersönliche Selbst des Volkes. Sein erzenes Wort bekommt dann ungeheure Strahlkraft, ja, es wird zur gewaltigen Tatkraft selbst. Seine Einsicht dringt in das ungeboren Geheimnisvolle hinein, und der tatfrohe Fackelschleuderer bändigt das blinde Schicksal. Sein dionysischer Schwung am Ende der Rede gleicht dem Fluge eines Ozeanfliegers, der siegreich vor der wartend ergriffenen Menge landet.

Quelle: Grigol Robakidse, Adolf Hitler – von einem fremden Dichter gesehen, Eugen Diederichs Verlag Jena 1939

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