Adolf Hitler von einem fremden Dichter gesehen – Teil 3: Gleichnisse. Von Grigol Robakidse

G l e i c h n i s s e

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Jede Pflanze ist nur in einem Zeitabschnitt wahrzunehmen: entweder im Keimen oder im Blühen oder im Reifen. Da sie aber die Möglichkeit in sich trägt, aus jedem ihrer Teile die ganze Pflanze zu entfalten, so durchschaut das sonnenhafte Goetheauge sie in der Ganzheit, vorwärts: vom Keime bis zur Blüte, rückwärts: von der Blüte bis zum Keime. Nun schwebt vor uns stofflich-unstofflich die Urpflanze selber – (Man denke, wie man im Gesicht eines Kindes das Gesicht seiner Mutter oder seines Vaters flüchtig erhascht).

Die Urpflanze schlummert in jeder Phase der Pflanze – zwar im Wachstum, doch einmalig ganz. Sie ist, man möchte sagen: die mythische Realität der Pflanze. Sie findet im Seinsbilde des Volkes eine vollgültige Entsprechung. Man könnte so auch von einer Urzelle des Volkes sprechen. Ich weiß nicht, ob jemand dieser Urzelle des Volkes so tief innegeworden wäre wie gerade Adolf Hitler.

Noch deutlicher. Frage ich irgendeinen Bauern meiner heimatlichen Erde: Was geschieht mt der Weintraube während des Reifens? – so bekomme ich sofort die Antwort: „Das Auge ist in die Traube eingegangen.“ Wobei unter dem Auge die Sonne gemeint ist. Hat er etwa Goethes tiefe Einsicht vernommen – „Wär‘ nicht das Auge sonnenhaft, die Sonne könnt‘ es nie erblicken“? Natürlich nicht. Woher weiß er nun um dieses Geheimnis? Dieses Wissen ist ihm in seiner Sprache mitgegeben, wo „Sonne“ und „Schauen“ ein und dieselbe Wurzel haben. Wer aber hat es eingesehen? Zuerst: Daß die Sonne das kosmische Auge sei, in dessen Leuchten etwas von innen her erschaut wird, und dann: dieses Auge gehe in die Traube ein, um sie zur Reife und Fülle zu bringen? Wer hat also dieses wunderbare Bild geschaffen? Vielleicht ein Namenloser vor ihm in der Urzeit, dessen Schau nun weiter überliefert wurde! Nein. Hier gilt weder Vorher noch Nachher, denn: jeder Einzelne findet seine Sprache schon vom Urbild her geschaffen vor. Von Anbeginn an ist also in jedem Einzelnen – sei er der gegenwärtig Lebende oder der schon längst Vergangene oder gar zukünftig Kommende – etwas gegebenen, was in ihm keimweise beschlossen ist und fortwährend lebt. Dieses Etwas – eine Art lebendigen Wesens, in sich gespalten und einheitlich – erscheint als die eigentlliche Schöpferkraft des Weltbildes im Medium der Sprache. Ist einmal das Volk erschüttert – sei es durch den Schmerz der Niederlage oder durch irgendeine beseligende Ekstase – so muß wohl jeder Einzelne in sich jenes Etwas, wenigstens für den Bruchteil einer Sekunde, als seine Urzelle beinahe persönlich fühlen. Dieses Fühlen in Wurzeln geht manchmal so weit, daß eine begnadete Persönlichkeit sich mit dem Volkes identisch empfindet: durch die opfernde innere Hingabe ist sie dann in das Selbst des Volkes hineingewachsen. Nun findet in ihr das Volk greifbare Gestalt.

Ist es auch Metapher? Man betrachte die Geige eines Paganini. Heimlich bewahrt, schlummern in ihr jene musikalische Wellen, die einst der geniale Geiger aus ihr herausgeholt hat. Die berauschenden Schwingungen haben das tote Holz so verdedelt -sie haben in ihm vielleicht eine neue Maserung hervorgerufen – daß ein Laie, spielte er auf der Geige, ihre verfeinerten Holzfasern grob verletzen könnte. Und wenn das Holz solcher Verwandlung fähig ist, rein physikalisch sogar – könnte es einem Menschen, der sich dem Volke völlig hingibt, versagt sein, die heilen völkischen Zellen in sich aufzunehmen und zu bewahren?

Das Phänomen Hitlers liegt hier, nirgends sonst.

Quelle: Grigol Robakidse, Adolf Hitler – von einem fremden Dichter gesehen, Eugen Diederichs Verlag Jena 1939

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