„Robert Koch, der Bekämpfer des Todes“ (1939) – Deutscher Biographiefilm von Hans Steinhoff, mit Emil Jannings in der Hauptrolle

 

Robert_Koch_−_Bekämpfer_des_Todes-Filmplakat

Das Filmvideo:

Robert Koch – der Bekämpfer des Todes ist ein Biographiefilm von 1939 über Robert Koch.
Die Dreharbeiten fanden zwischen dem 20. März 1939 und Juni 1939 im Außengelände des Tobis-Ateliers Berlin-Johannisthal, Berlin, statt.
Die Uraufführung war am 26. September 1939 im Ufa-Palast am Zoo in Berlin.

Handlung:

Schnee- und Regenschauer fegen über winterliche Felder. Heulend fängt sich der Wind in dem steinigen Hohlweg, durch den in früher Morgenstunde der Landarzt und Kreisphysikus Dr. Robert Koch zu einem sterbenden Kinde fährt. Die Tochter eines armen Waldhüterpaares ist der tückischen Tuberkulosekrankheit, die jedes vierte Kind in dem ländlichen Kreise dahinrafft, zum Opfer gefallen.
Erschüttert steht Koch an der Leiche der Kleinen. Jedes vierte Kind im Kreise … und keine Aussicht, diese fürchterliche Seuche mit Erfolg zu bekämpfen. Seit Jahren beschäftigt er sich damit, den Erreger der Tuberkulose zu finden. In seinem Sprechzimmer in Wollstein hat Koch sich einen kleinen Verschlag gebaut. Hier arbeitet er in jeder freien Minute an seinen Präparaten – sitzt Nächte hindurch vor seinem Mikroskop, um dem Erreger dieser fürchterlichen Geißel der Menschheit auf die Spur zu kommen. Kleinbürgerlicher Unverstand macht ihm das Leben schwer. Ein in seiner Würde gekränkter Lehrer und eine Gesundbetersekte gehen mit scharfen Anklagen gegen den stillen Forscher vor. Gemeine anonyme Artikel erscheinen im Kreisblatt, um den Landarzt und Kreisphysikus Dr. Koch aus seiner Stellung zu bringen.
Zum Glück hat er in dem Landrat des Kreises einen verständnisvollen Freund, der die große Bedeutung der wissenschaftlichen Arbeiten seines Kreisphysikus längst erkannt hat. Eingaben über Eingaben gehen an das Ministerium nach Berlin. Koch selbst schickt immer wieder neue Berichte über seine Forschungen ein, mit dem einzigen Resultat, daß die Akten der Berliner Registratur dicker und dicker werden! Denn der große Berliner Gelehrte Geheimrat Virchow, auf dessen Urteil die ganze medizinische Welt hört, ist ein erklärter Gegner der Kochschen Theorie. Bazillen als Erreger der Krankheiten erklärt er für Unsinn. Seiner Meinung nach sind die Krankheiten auf einen Zerfall oder Veränderung der Zellen zurückzuführen. Einer der eifrigsten Anhänger Kochs ist der Sohn des Landrats, Fritz, ein junger, angehender Arzt, der in Berlin gerade sein Staatsexamen macht. Nach vielen Monaten aufopferungsvollster Arbeit gelingt es Koch, nach Hunderten von vergeblichen Versuchen und Färbungen seiner Präparate den Erreger der Tuberkulose festzustellen. Aber noch gibt er diese Entdeckung nicht bekannt, denn erst gilt es, bis ins letzte den Beweis zu erbringen, daß dieser von ihm gefundene Erreger einwandfrei der Ursprung dieser todbringenden Krankheit ist.
Trotz aller Intrigen und niedrigen Anschuldigungen, die gegen den Landarzt erhoben werden, kommt endlich die Berufung Kochs nach Berlin als Regierungsrat an das Kaiserliche Gesundheitsamt. Der Leibarzt des Fürsten Bismarck, der gleichzeitig Direktor dieses Gesundheitsamtes ist, hat sich auf das wärmste für den stillen Forscher eingesetzt. Voller Freude eilt Koch nach Berlin – aber auch hier erwarten ihn nur neue Kämpfe und Schwierigkeiten.
Man spöttelt über den „Bazillenjäger“, der sich mit seinen Assistenten Löffler, Gaffky und Fritz tagelang im Laboratorium einschließt. Untergeordnete Beamte versuchen, dem Regierungsrat Koch immer neue Hindernisse in den Weg zu legen – so daß dieser sich schließlich hilfesuchend an Virchow – den „Papst der Wissenschaft“ – wendet.
Leider hat der vielbeschäftigte Geheimrat, der gerade zu einer großen Reichstagssitzung fahren will, keine Zeit, um sich von Herrn Doktor Koch seinen „Bazillen-Zirkus“ vorführen zu lassen. Der Herr Geheimrat hat heute Wichtigeres vor … Im Reichstag greift er die Außenpolitik des großen Kanzlers an – wird aber von Bismarck in einer großen Rede glänzend widerlegt. Als Virchow nach der Sitzung mit Koch zusammentrifft, kommt es zu einer Auseinandersetzung der beiden großen Forscher. Als unversöhnliche Gegner trennen sie sich. – Wieder folgen Monate schwerster, unermüdlicher Arbeit im Laboratorium.
Frau Koch sieht ihren Mann wochenlang nicht im Hause. Die Ehe des Forschers geht beinahe in die Brüche. Immer verschlossener – immer menschenscheuer wird der den Geheimnissen der Natur nachspürende Mann, mit einer beispiellosen Gründlichkeit und Methodik ringt er um den Beweis seiner Theorie. – Es ist ein gigantischer, dramatischer Kampf, den Koch für seine Entdeckung führt. Ein Kampf vor allem auch gegen Rudolf Virchow – der sich am Ende doch vor dem Gegner beugen muß!
Und es ist ein Kampf, den Koch mit schwerstem Opfer bezahlen muß; sein junger Assistent Fritz, den er wie einen Sohn liebt, wird nach einer Ansteckung, die er sich während der gemeinsamen Laboratoriumsarbeit zuzieht, von dieser schrecklichen Krankheit befallen und stirbt. In der Aula der Universität wird der jetzt zu Weltruhm gelangte Robert Koch stürmisch gefeiert. In einer mitreißenden Rede fordert er die ihm gläubig lauschende Jugend auf, den Kampf gegen den heimtückischen Feind, die Tuberkulose, fortzuführen bis zum siegreichen Ende.
Quelle: Illustrierter Film-Kurier

Anmerkungen
Die Dramatiker Paul Joseph Cremers (bekannt als Autor der „Marneschlacht“) und Gerhard Menzel gestalteten den Stoff, Walter Wassermann und C. H. Diller besorgten die filmische Fassung, und der bekannte Robert-Koch-Biograph Hellmuth Unger zeichnete verantwortlich für die medizinischen Fragen.
„Robert Koch − der Bekämpfer des Todes“ wurde 1942 in Chile prämiert. Bei der Auszeichnung der besten Filme, die 1941 im „Institut für erzieherisch wertvolle Filmkunst“ vorgeführt wurden, erhielt der Film von der chilenischen Universität in Santiago den ersten Preis für kulturell wertvolle Filme zugesprochen.

Kritik
„Der internationale Erfolg des Robert-Koch-Filmes, bei der Uraufführung in Venedig errungen, wurde bei der Berliner Aufführung – wenn möglich – noch verdoppelt. Selten hat ein Spitzenwerk der deutschen Filmkunst einen so tiefen und nachhaltigen Eindruck hinterlassen wie dieser erhebende und erschütternde Film. Es ist notwendig, darauf hinzuweisen, daß die Schöpfer dieses Filmes, Dichter, Autoren und Regisseur in erster Linie vor der ungemein schwierigen Aufgabe standen, einen an sich spröden Stoff, einen auf den ersten Blick vielleicht sogar unpopulären Stoff in eine allgemein verständliche Form zu bringen. Robert Koch hat das stille, zurückgezogene, ja fast weltabgewandte Leben eines Gelehrten und Forschers geführt.“ — Filmwelt – Das Film- und Foto-Magazin, Nummer 40, 6. Oktober 1939

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Der Film:

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