Philosophische Fragen (12): Noch einmal, was war am Anfang?

G.: Noch einmal: “WAS WAR AM ANFANG?”

Antworten: Am Anfang war – das Wort; der Sinn; die Kraft; die Tat; Schwingungen; der Gedanke; Licht und Ton; die göttliche Inspiration (ursächliche Richtkraft)…

Die Frage wurde gestellt: Gibt es überhaupt einen “Anfang”?

Es ist auch zu fragen: Was ist das: “Anfang”? und: Was für ein Anfang ist gemeint, wenn hier gefragt wurde, was “am Anfang” war?

Anlass für diese Frage war, wie gesagt, die Meinung, dass am Anfang Schwingungen waren, und daran angehängt die biblischen Aussagen, 1. dass am Anfang Gott (genauer: der oder die “elohim”) Himmel und Erde “schuf(en)” (Genesis 1,1); und 2. dass am Anfang der “Logos” war (Johannesevangelium 1,1).

Nach allem, was wir heute erdgeschichtlich wissen, kann es sich bei dem Anfang in Genesis allenfalls um einen relativen Anfang innerhalb eines ungeheuer längeren Zeitablaufs gehandelt haben, also um den Neuanfang nach einem vorausgegangenen Ende, es sei denn, wir unterstellen dem biblischen Autor Unwissen, Irrtum oder Betrug, oder er hat mit “Anfang” etwas anderes gemeint als einen zeitlichen Anfang. Letzeres ist wahrscheinlich im Johannesevangelium der Fall, denn da wird auch gesagt: und der “Logos” war Gott, was da wohl bedeutet: göttlicher Natur.

Es stellen sich Fragen über Fragen, und daran sollte sich niemand stören.

Wenn hier schon “Philosophie” im Gruppentitel steht, muss man damit rechnen, dass Fragen gestellt werden. Grundsätzlich ist alles hinterfragbar, in der Philosophie jedenfalls. Fragen sind ihr Grundgeschäft. Vor allem fragt Philosophie nach der Bedeutung von Begriffen und nach der Begründung von Meinungen, und zwar von Begriffen und Meinungen, die einen hohen Allgemeinheitsgrad haben.

Zum Beispiel meint jemand, dass der 1. FC Köln im nächsten Spiel gegen Borussia Dortmund gewinnen wird. Man kann fragen: Warum meinst du das? und derjenige sagt dann, aus dem und dem Grund. Diese Meinung kann man teilen oder ihr mit Einwänden widersprechen, die man wiederum begründet. Jemand kann auf die Warum-Frage auch antworten: Ich fühle es im Bauch. Vielleicht hat er die Erfahrung gemacht, dass er sich auf sein Bauchgefühl verlassen kann, aber eine Begründung ist das nicht.

Philosophie befasst sich normalerweise aber nicht mit der Fußballbundesliga, sondern mit allgemeinen Begriffen (“Anfang”) und ihrer Bedeutung, sowie allgemeinen Meinungen (“Im Anfang war Gott”) und ihrer Begründung. Vielleicht sagt sie sogar, dass gewisse Begriffe, Meinungen und Fragen sinnlos sind.

Daher ist es m.E. eine Selbstverständlichkeit, die Bedeutung von Begriffen wie Licht, Schwingungen, Ton usw. zu recherchieren, wenn sie in Meinungen gebraucht werden. (Eigentlich ist es an dem, der eine Meinung aufstellt, darin verwendete Grundbegriffe nötigenfalls zu erklären und seine Meinung zu begründen.)

Das Wort “Anfang” kann mehreres bedeuten: Beginn, Ursprung, aber auch Grund und Ursache, besonders in den antiken Urtexten, aus denen die obigen Zitate übersetzt sind: griechisch “arché” und lateinisch “princípium”. (Hebräisch lassen wir jetzt mal weg.)

In der Frage “Was war am Anfang?” ist der Anfang “von allem” gemeint. Aber was ist “alles”?

Im jüdisch-christlichen Denken, wovon bis vor kurzem auch das westliche wissenschaftliche Denken stark geprägt war, ist mit dem All unser Universum gemeint, das gegebenenfalls noch einen unsichtbaren geistigen Überbau (den Himmel) und Unterbau (die Hölle) hat. Dieses Universum ist dann eine einmalige Angelegenheit, so etwas wie eine Ausbuchtung inmitten einer anfanglosen Ewigkeit der Vergangenheit und endlosen Ewigkeit der Zukunft.

Hingegen ist das nichtsemitische Denken der Indoarier zyklisch. Die indischen Veden etwa gehen von einem ewigen Zeitenzyklus von Schöpfung, Erhaltung, Vernichtung, Schöpfung, Erhaltung, Vernichtung … aus. Dieser Zyklus hat mehrerlei und zahlreiche Unterzyklen (Teilschöpfungen und Teilvernichtungen). Die Lebensdauer eines Universums entspricht der Lebensdauer “Brahmas” und beträgt nach irdischer Zeitrechnung 311,04 Billionen Jahre, bestehend aus 36.000 Kalpas (Tagen Brahmas, jeweils 4,32 Milliarden Jahre) plus die gleiche Anzahl von Nächten Brahmas. Brahmas gegenwärtiger Tag soll vor knapp 2 Milliarden Jahren begonnen haben.

Wie immer dem sei: Wenn wir nach dem Anfang fragen, müssen wir präzisieren, was für ein und welcher Anfang gemeint ist.

Wenn man ein materialistisches Weltbild hat, dann ist die Frage nach dem Anfang des Universums eine rein physikalische Frage. Dieser Sichtweise kann man eine gewisse Berechtigung nicht absprechen. (Nebenbei gesagt, ich bin kein Materialist.) Es gab eine Zeit, wo man glaubte, dass Gewitter von Gott hervorgebracht werden. Der antike Dichter Aristophanes, Zeitgenosse von Sokrates, macht sich in einer Komödie darüber lustig, dass Regen entsteht, wenn Zeus durch ein Sieb pinkelt. Auch der alttestamentlich-biblische Gott tritt als Gewittergott auf. Heute glauben wir abendländischen Menschen solches nicht mehr, weil wir die physikalischen Ursachen von Wettererscheinungen erforscht haben. Die heutige Mainstream-Wissenschaft nimmt an, dass das physische Universum ein geschlossenes System sei. Sie erklärt physi(kali)sche Phänomene durch physikalische Ursachen und nicht durch metaphysische Ursachen. Auch diese Annahme darf natürlich in Frage gestellt werden. Doch muss man sich dann die Mühe machen, vernünftige Argumente für eine abweichende Annahme vorzubringen, sonst mag die Meinung Wert für einen selbst haben, aber sie hat keinen Wert für andere.

Wir können also zumindest die Frage nach dem Anfang aufspalten in die Frage nach dem Anfang dieses Universums und die Frage nach dem Ursprung, der Ursache, dem Urgrund von allem. Beide hängen offensichtlich zusammen.

Der Ursprung von allem ist auch Ursprung dieses Universums. Dabei entsteht die Frage, ob dieser Ursprung unmittelbare oder nur mittelbare Ursache dieses Universums ist. Vielleicht gibt es außer dem absoluten schöpferischen Ursprung ja auch mittelbare, sekundäre schöpferische Ursachen. Denken wir an Goethes Gedicht “Der Zauberlehrling”.

Wenn wir von diesem Universum reden, ist denkbar, dass neben ihm gleichzeitig weitere Universen existieren. Sogar einige Wissenschaftler sprechen heute von Multiversen und dem Omniversum. Vielleicht sind ja andere Universen auf gut deutsch gesagt nicht so beschissen wie unseres? In einem seiner Perelandra-Romane zum Beispiel beschreibt der Schriftsteller C. S. Lewis ein Leben auf außerirdischen Planeten, das verglichen mit dem unsrigen schön, harmonisch, unschuldig, ohne “Sünde” ist.


M.S.: Nicht jede Frage kann der menschliche Verstand beantworten/ (be-)greifen.

G.: Das ist wohl wahr. Siehe z.B. hier: http://www.antworten.com/nicht-beantwortbare-fragen.htm
Doch was für Schlüsse ziehst Du aus dieser Tatsache?
Den Fragen, die der Menschenverstand nicht beantworten kann, stehen viele gegenüber, die er beantwortet, und zwar richtig. Falsche Antworten gibt es auch. (Wie unterscheidet man richtige von falschen Antworten?)
Ein Beispiel:
Du sitzt abends in der Küche. Das elektrische Licht ist eingeschaltet. Nun gehst Du in Dein Zimmer und betätigst den Lichtschalter. Du erwartest, dass es hell wird, aber es bleibt dunkel? Frage: Was denkst und tust Du jetzt?


J.S.: Ich tippe auf: das Brahmaversum. Die 311 Billionen Jahre für ein einzelnes Universum scheinen sehr realistisch. Jedenfalls realistischer, als was uns aus Nicht-Indien angeboten wird.

G.: Ich weiß nicht, ob man die Zahlen auf die Goldwaage legen darf, aber die Größenordnung kommt mir (ohne dass ich es auf Anhieb begründen kann) auch plausibel vor. Beachtlich ist die Größenordnung des Brahma-Tages. Dessen Länge wird mit 4,32 Milliarden Jahren angegeben, bestehend aus 14 Manvantaras + 15 Sandhyas (Übergangszeiten). Brahmas Nacht hat die gleiche Länge. Da sind wir nahe beim wissenschaftlich geschätzten Alter der Erde, für welches bei Wikipedia 4,6 Milliarden Jahre angegeben wird.

G.: Video „Zeitebenen des Universums in den Veden“


G.: Bezeichnenderweise stand die Frage: Was war am Anfang? am Anfang der abendländischen Philosophie. Wie wir fragten die Vorsokratiker nach dem Ursprung und Wesen, dem Woher und Warum der Welt. Diese verstanden sie vor allem als Natur. Sie fragten: Was sind die „archaí“, die „Urgründe“ (Prinzipien) der Natur. Sie versuchten, alles aus e i n e m natürlichen Prinzip abzuleiten.

Naturphilosophen
Thales (7.-6. Jh. v. Chr.): Wasser
Anaximander ( “ ): das „Unbegrenzte“ (ápeiron)
Anaximenes (6. Jh. v. Chr.): Luft / belebter Atem
Heraklit (6.-5. Jh. v. Chr.): (Ur-) Feuer, wohl auch im übertragenen Sinn
Empedokles (5. Jh. v. Chr.): vier Ur-Elemente Wasser, Luft, Feuer, Erde
Leukipp und Demokrit (5.-4. Jh. v. Chr.): Atome

Pythagoras (6. Jh. v. Chr.) und die Pythagoreer: Zahl bzw. mathematische Verhältnisse

Eleaten:
Xenophanes von Kolophon (6.-5. Jh. v. Chr.), Parmenides ( ~ ), Zenon (5. Jh. v. Chr.): das unwandelbare Sein

Anaxagoras (5. Jh. v. Chr.): die Weltvernunft (noûs)

Heraklit sprach auch schon vom „Logos“ (Rede, Weltvernunft) und vom Kreislauf des ewigen Werdens.

Fasst man die angeführten Einzelauffassungen zusammen, dann erkennen wir darin als Urgrund/ Urgründe der Welt:
* physische Elemente. (Modern kann man das auch so formulieren: Was ist bzw. woraus besteht Materie?)
* ein ewiges unveränderliches Sein
* ein ewiges veränderliches Werden
* eine Weltvernunft (noûs, lógos)
* mathematische Verhältnisse

Nebenbei sehen wir, dass Johannes in seinem Evangeliumprolog den „Lógos“ nicht selbst erfunden hat. Die alten Griechen sind früher darauf gekommen. Seine direkte Quelle waren aber nicht Heraklit und Anaxagoras, sondern wahrscheinlich der jüdische Philosoph Philon von Alexandria (https://de.wikipedia.org/wiki/Philon_von_Alexandria?fbclid=IwAR0V5EFnhK9BsagWjV3Ot3B3kE_pEdiltYl5tGTjlhoycBzyi9551o-ebK8#Gott_und_die_Welt ). Von ihm hat er den Logos übernommen, worüber jeder kritische Bibelkommentar belehrt, und diesen Begriff allerdings theologisch umgedeutet.
An der Zusammenfassung ist auch zu erkennen, dass die ältesten griechischen Philosophen sich die gleichen Grundfragen stellten, die noch heute in Philosophie und Naturwissenschaften (Physik, Kosmologie) gestellt werden.

J.S.: Philon ist ein wertvoller HInweis. ALso irrt Goethe im Faust, wenn er hinter Logos noch das „davar“, die Tat, sieht. Es ist eher umgekehrt, dass das griechische Konzept das hebräische beeinflusste.

G.: Goethe kannte seine Griechen gut. In der klassischen Walpurgisnacht, Faust II, lässt er ja sogar Vorsokratiker auftreten, wie den Thales.

G.: Goethe hat sich wohl seine eigenen Gedanken gemacht und mitgeteilt, vielleicht hat er sogar bei Herder abgeguckt – bekanntlich hatte er kein Problem damit, von anderen zu übernehmen und auch zuzugeben, wieviel er anderen verdankte. Erich Trunz schreibt in seinem Faustkommentar:

Im Anfang war das Wort. Der Anfang des Johannes-Evangeliums. Der griechische Ausdruck „logos“ ist hier mit „Wort“ wiedergegeben. In der antiken Philosophie bedeutete „logos“ Begriff, Vernunft, Weltgeist. Das Wort wurde aufgenommen von dem Frühchristentum, bedeutete die göttliche Vernunft und das Schöpfungsprinzip, wurde dann auch auf Christus angewandt. – Faust will zwar, wie er sagt, übertragen, doch geht er sogleich dazu über, über das entscheidende Wort nachzudenken. Es handelt sich um das, was im Anfang war, und deswegen kommt er im Sinne der Schöpfungsgeschichte (1. Mose 1) auf die Tat. – Herder als Theologe hat imJahre 1775 in seinen „Erläuterungen zum Neuen Testament“ geschrieben: „Im Anfang war das Wort … Was wissen und begreifen wir vom Wesen des Unendlichen, des Unerforschten? … Ließ sich also die väterliche, erziehende Gottheit herab, sich, den Unbegreiflichen, uns … begreiflich zu machen: wie anders, als Menschen ähnlich, in einem Bilde unserer Bilder … Das innigst Begriffene, Heiligste, Geistigste, Wirksamste, Tiefste wählte sie, das Bild Gottes in der menschlichen Seele, Gedanke! Wort! Wille! Tat! Liebe!“ (Werke, hrsg. von Suphan, Bd. 7, S. 355f.)
(Erich Trunz, Hg. ) Goethe, Faust, München 1999, S. 531)

 


G.: Nun, Schlüsselwort zu dem Thema ist „Urstoff“ bzw. „Urmaterie“.
Im deutschen Wikipedia-Artikel wird versäumt, darauf hinzuweisen, dass auch die germanische Mythologie etwas dazu zu sagen hat.
Bemerkenswerterweise wird das Àpeiron (Unbegrenzte) des Anaximander unter den Urstoffen aufgeführt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Urmaterie

J.S.: Ach! Haben die Germanen auch in Richtung Apeiron gedacht? „„Anfang und Ende der seienden Dinge ist das Apeiron. Woraus … den seienden Dingen das Werden, in das hinein geschieht auch ihr Vergehen nach der Schuldigkeit; denn sie zahlen einander gerechte Strafe und Buße für ihre Ungerechtigkeit nach der Zeit Anordnung.[4]“ Wir haben das in der Schule v.a. als Unerfahrenes übersetzt. Aber Unbegrenztes klingt heute in den Zeiten der Grenzabschaffungen der Nationalstaaten, Traditionen, Definitionen (Denkverwirrung) sehr aktuell. Ein Hinweis, dass wir uns in der Endzeit = Anfangszeit befinden.

G.: Was die Wortbedeutung von „ápeiron“ ist, ist zunächst eine philologische Frage. Bestimmt gibt es Untersuchungen darüber. Mein kleines Wörterbuch führt „ápeiros“ als zwei unterschiedliche Lexeme:
1. unbegrenzt, unermeßlich, unendlich, unzählig
2. unerfahren, unkundig
Grenze ist „tò péras, -atos“. Davon direkt kann 1. nicht abgeleitet sein. Es gibt aber auch noch „tò peîrar, -atos“: Ende, Rand, Grenze, Ziel: a) Entscheidung, Ausgang. b) Werkzeug, Mittel.
2. hängt dann wohl zusammen mit „he peîra“ 1. a) Erprobung, Versuch, Probe. b) Erfahrung, Kenntnis, Bekanntschaft. – 2. Wagnis, Unternehmen; (listiger) Anschlag, Überfall

Für die Bedeutung „unerfahrbar“ dürfte die philosophische Reflexion noch nicht weit genug gewesen sein. Den philosophischen Erfahrungsbegriff finden wir erst von Aristoteles ausgearbeitet.

G.:

Den Anfang aller Dinge bezeichnet die nordische Weltlehre mit der Verneinung dessen, das für uns sichtbar besteht: Da war nicht Sand noch See, noch kalte Woge, nicht Erde gab es noch Oberhimmel, nur gähnende Kluft (ginnunga gap), doch nirgends Gras. Es wird ein Chaos oder besser Chasma, Hiatus, gähnender Schlund gesetzt. Der Begriff des Abgrundes, der Kluft liegt in gap, der des Weiten, Gähnenden im dazu gestellten Genitiv ginnunga. Mit ginnunga gap ist der leere Raum gemeint. Der leere Raum entstand aber, wie die Gylfaginning ergänzend hinzufügt, dadurch, dass der wesenlose Urstoff im Norden und Süden zu finsterm Nebel, zu Wasser und Eis und zu Feuer sich verdichtete. „Viele Jahre vor der Erschaffung der Erde war Niflheim (die Welt des Nebels, des Dunkels) entstanden; mittendrin liegt der Brunnen, der Hwergelmir (der in kesselförmiger Vertiefung Rauschende) heißt. Aus ihm ergießen sich viele Flüsse. Zuerst bestand jedoch die Gegend, welche Muspellsheim heißt: diese ist hell und heiß, und sie kann von niemand, der dort nicht zu Hause ist, betreten werden.“ (…) In der Schöpfungssage tritt damit nur die Feuerwelt der Nebelwelt gegenüber, worin einerseits die Anschauung von Feuer und Wasser als den Urelementen, andererseits wohl auch die christliche Vorstellung einer Wasser- und Feuerhölle anklingt. In Niflheim und Hwergelmir sind eigentlich zwei Elemente angedeutet: der Nebel, d.h. die dunkle Luft, und das Wasser. In Gestalt von zwölf Flüssen, die kalte, feuchte Luftschichten mit sich führen, entströmt das Wasser dem Urquell und verdichtet sich zu Eis, womit offenbar der Übergang des Flüssigen zum Festen erklärt werden soll. Somit werden die Elemente als uranfänglich betrachtet, welche zunächst geschieden an den Grenzen des leeren Raumes lagern. Bald aber dringen sie herein, und aus ihrer Vermischung, insbesondere durch die belebende Kraft des Feuers, erstehen die ersten organischen Gebilde.
Wolfang Golther, Germanische Mythologie, 5. Aufl. Wiesbaden 2013, 611 f.

J.S.: Sagenhaft. Bei mir gähnt da eine Wissenslücke. Viele Adoleszenten laufen mit diesen GAP-Shirts rum. Gunninga gap wäre passender. Das Wort Nebel hat im indogermanischen eine lustige Wanderung hinter sich. Im Süden sind es die nuvole, im Russischen der Himmel njebo. Wobei man im Russischen und Polnischen bei diesem Wort auch das a privativum wie bei apeiron heraushören mag, da „nie“ nein heißt. Ist aber falsch, denn es kommt von wolkig, nebelig.

J.S.: Wer Ahnen fragt, bekommt Ahnung. https://www.youtube.com/watch?v=ujEeh4Okw4k

G.: Wenn man Golthers Darlegung zusammenfasst, kommt man zu folgenden Grundannahmen der germanischen Mythologie für den „Anfang“:
* die „gähnende Kluft“ ( leerer Raum ?)
* Physische Ur-Elemente (Feuer, Wasser, evtl. Luft)

G.: Nur nebenbei, weil es so schön ist.
Felix Dahn (1834-1912) war ein unwahrscheinlich gelehrter, begabter, fruchtbarer Schriftsteller – da kann man nur staunen. Die germanischen Göttersagen hat er zusammengetragen und “in Versen formuliert, wie es ein Dichter des 13. Jahrhunderts getan hätte”. Den “Anfang” hat er im Kapitel “Riesenalter” wie folgt formuliert:

Dies erfuhr ich als Erstes, daß im Beginne der Zeit
Nicht Erde war noch Himmel, nur Öde weit und breit.
Das war das Riesenalter, als Imer lebte hehr.
Da war nicht kühle Woge, nicht Sand, noch See, noch Meer.
Nicht Erde fand sich irgend, noch Überhimmels Spur,
Auch Gras und Kräuter nirgend, die “gaffende Gähnung” nur.
Im Norden aber der Gähnung Nibelheim erstand,
Darinnen sich der Brunnen Wergelmer befand.
Im Süden der Gähnung aber heißt Muspelheim der Ort;
Es ist so licht und lohend, so heiß und brennend dort,
Daß es unfahrbar dünket jedem Menschenkind
Und allen, die von Anfang nicht dort inländisch sind.
Er heißt mit Namen Surter, der dort am Sunde sitzt
Und mit dem lohenden Schwerte die Stätte streng beschützt.
Jedoch am Ende der Zeiten fährt er mit Heeresmacht
Hervor, um zu zerstören im Brand der Erde Pracht.
Usw.

https://de.metapedia.org/wiki/Dahn,_Felix

J.S.: Was für eine Geistesgröße, nie gehört von ihm. Die germanische Kunde von den Urelementen wird in diesem Vortrag auch erwähnt, auf das ursprüngliche Schamanentum und die Verbindung mit den Pflanzen zurückgeführt: https://www.youtube.com/watch?v=YBZhBt-QN6I&t=214s

G.: J.S., Ja, viele anregende Einzelheiten. Am besten gefällt mir am Schluss, wo er von der Geistigkeit der Natur spricht. — Aber schau mal den hier:
„Werner Heisenberg und die Frage nach der Wirklichkeit“


G.: EINHEITLICHE MATERIE?
Erstaunlich, dass wir auch nach zweieinhalbtausend Jahren keinen einheitlichen Urstoff finden konnten. Sobald man glaubte, nun hätte man ihn erwischt, entwischte er der Forschung wieder, weil immer wieder noch kleinere Teilchen auftauchten: https://de.wikipedia.org/wiki/Materie_(Physik)#Die_Frage_der_Einheitlichkeit_der_Materie


G.: Die Suche der Physiker nach der WELTFORMEL oder THEORY OF EVERYTHING
https://www.focus.de/wissen/weltraum/odenwalds_universum/odenwalds-universum_aid_140018.html


G.: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltformel


.

***

Quelle: https://www.facebook.com/groups/deutscherglaube/permalink/606480846848523/

Kurzverweis: https://wp.me/p2UUpY-2iu

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