Philosophische Fragen (1): Gibt es deutschen Glauben, deutsche Weltanschauung?

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Der Untersberg von Salzburg gesehen (Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Untersberg_von_salzburg.jpg)

Im folgenden und in weiteren Beiträgen dokumentiere ich Diskussionen in der Facebook-Gruppe https://www.facebook.com/groups/deutscherglaube/ : „Philosophie – Religion – Weltanschauung“. Wenn neue Kommentare hinzukommen, werden die Artikel entsprechend aktualisiert. 

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G.: Im Laufe der über tausendjährigen deutschen Geschichte und vieltausendjährigen germanischen Vorgeschichte folgten unsere Vorfahren dem indogermanischen und germanischen Glauben, dann übernahmen sie das Christentum. Seit der Aufklärung entwickelten sie eine eigene deutsche Philosophie. Im 20. Jahrhundert entstand eine deutsche Glaubensbewegung. Auch der Nationalsozialismus war eine deutsche Weltanschauung. Gibt es so etwas wie einen deutschen Glauben, eine deutsche Weltanschauung, die sich durch alle diese Zeitabschnitte hindurchzieht, in ihnen zur Entfaltung kommt? Oder ist unser Volk seit seiner Christianisierung religiös und weltanschaulich für immer zerrissen?

R.: Ich sehe den Deutschen Idealismus als roten Faden in unserer Geschichte an. Er durchzieht alle genannten Weltanschauungen. Allerdings beurteile ich ihn nicht durchweg positiv, denn das wichtige Element einer Weltanschauung, nämlich genau das Anschauen der Welt, also der Realität, kommt zugunsten des Strebens nach dem Ideal oft zu kurz. Die Auswüchse können wir in den Weltrettungsambitionen unserer Landsleute heute gut betrachten. Das soll aber nicht grundsätzlich vom Idealismus abhalten, denn auch das Streben nach einer lebensrichtigen Anschauung der Welt ist ein Ideal.

G.: Stärken sind oft auch Gefährdungen, bei Individuen und bei Völkern.

G.: Den Ausdruck „deutscher Idealismus“ kann man in einem engeren und einem weiteren Sinn verstehen.

Gehen wir, wie es oft sinnvoll ist, von der alltäglichen Wortbedeutung aus!
Die Bedeutung von „Idealismus“ finden wir in gewöhnlichen Wörterbüchern der deutschen Sprache, etwa im „Wahrig“:
1. durch sittliche, nicht materielle Ziele bestimmte Anschauung und Verhaltensweise, Glaube an Ideale, nach Idealen ausgerichtete Lebensführung;
2. (Philosophie:) Auffassung, daß es die Wirklichkeit nur als rein geistiges Sein gibt und die Materie dessen Erscheinungsform ist;
3. (figürlich:) opferfreudige Begeisterung; Gegensatz: Materialismus

Entsprechend ist ein „Idealist“:
1. ein Vertreter, Anhänger des (philosophischen) Idealismus; jemand, der sein Leben nach Idealen ausrichtet;
2. (figürlich:) ein Schwärmer, wirklichkeitsfremder Mensch; Gegensatz: Materialist
Hier sind, meine ich, die Bedeutungen abgedeckt, die Du in Deiner Antwort verwendest.

Nun gibt es noch die engere Bedeutung von „Deutscher Idealismus“ als jenem bedeutenden Abschnitt der Philosophiegeschichte, den man mit den Jahren 1781 (Erscheinung von Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft) und 1831 (Tod Georg Wilhelm Friedrich Hegels) eingrenzen kann. Obwohl Kants Philosophie als „transzendentaler Idealismus“ meist selbständig behandelt wird, ist seine Zuordnung zum „Deutschen Idealismus“ (Hauptphilosophen: Fichte, Schelling, Hegel) gerechtfertigt, weil letztere ohne Kant undenkbar sind, auf diesem aufbauen und ihn fortführen.

Es wäre also zu fragen, was, kurz ausgedrückt, das Wesentliche des Deutschen Idealismus (im philosophiegeschichtlichen Sinn) ist und ob und inwiefern dessen Philosophie in der Denkart des deutschen Volkes überhaupt liegt. Das liegt nahe, ist jedoch eine Frage, auf die konkret geantwortet werden müsste. Denn der Deutsche Idealismus steht natürlich auch in der Tradition der gesamten abendländischen Philosophie, auf deren alte Probleme er eine sehr spezifische, eben deutsche Antwort ist.

Das älteste deutsche Denken, das germanische, war, wie das ursprüngliche Denken aller alten Völker 1. mehr mythisch als philosophisch, und 2. hauptsächlich auf die Bewältigung der Lebensherausforderungen, die im Norden besonders schwierig waren, und auf die Aufrechterhaltung der eigenen Menschenart ausgerichtet. Wenn es Ideale gab, so waren sie jedenfalls ziemlich verschieden von denen, die heute gang und gäbe sind. Was wir da vorfinden, ist, neben Mythologie und Religion, vor allem Sittenlehre und Lebensweisheit. Das „Artbekenntnis“ und das „Sittengesetz unserer Art“ der „Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft“ dürfte eine gelungene Zusammenfassung der Essenz der alten Weltanschauung und des alten Sittengesetzes sein.


 

Quelle: https://www.facebook.com/groups/deutscherglaube/permalink/405620083601268/

Kurzverweis: https://wp.me/p2UUpY-2gu

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