Persönlichkeit und Lebensweise Friedrichs des Großen

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„Kein Volk versinkt, das an sich selber glaubt; auch ich sah Sterne hell aus Nächten steigen. Einst kommt der Tag, da steht der Baum belaubt, und freies Volk wohnt unter seinen Zweigen.“ — Friedrich der Große

Der Große König war von Gestalt sehr klein, im Alter etwas gekrümmt. Aber das Feuer seiner großen Adleraugen verriet auch noch da seinen großen Geist.

Bald nach Beendigung des zweiten Schlesischen Krieges ließ er sich nahe bei Potsdam das  Lustschloß   S a n s s o u c i   bauen. Dort verbrachte er den größten Teil des Jahres, jeden Tag in strenggeregelter Tätigkeit.   „D e r   K ö n i g,“ sagte er, „i s t   d e r   e r s t e   D i e n e r   s e i n e s   S t a a t e s   und wird gut genug bezahlt für sein Amt, um ordentlich zu arbeiten.“ Im Sommer stand er schon um 3 Uhr, selten nach 4 Uhr auf. Vor Tisch ritt er gewöhnlich aus, immer im Trab oder Galopp. Bei großer Kälte ging er auch wohl zu Fuß, aber sowohl beim Reiten als beim Gehen trug er einen Krückstock und war in der Regel von 3—4 Windspielen, seinen Lieblingen, begleitet. — Schlag 12 Uhr wurde das Mittagessen aufgetragen. Die Unterhaltung bei Tische war meist sehr lebhaft. Gegen Abend veranstaltete der König gewöhnlich ein Konzert in seinem Schlosse; dabei spielte er dann die Flöte. Erst um Mitternacht ging er zu Bett; „denn nichts,“ sagte er, „hat mehr Ähnlichkeit mit dem Tode als der Müßiggang“. Alljährlich im Mai machte der König Reisen durch sein Land, musterte die Truppen und sah nach, ob seine Beamten ihre Schuldigkeit taten. Auf der Reise hatte jedermann Zutritt zu ihm und durfte seine Bitte oder Klage vortragen.

Er war für das Volk eine ehrfurchtgebietende und doch vertraute Persönlichkeit. Gewöhnlich nannte man ihn den „Alten Fritz“. Ein Augenzeuge schildert, wie der König, von einer Truppenbesichtigung heimkehrend, bei seinem Ritt durch die Straßen von einer jubelnden Menge begleitet wurde, bis er vor dem Schlosse vom Pferde stieg. Dann standen die Leute noch lange schweigend, die Mütze in der Hand, und schauten die Tür, hinter der er verschwunden war. „Und doch war nichts geschehen! Keine Pracht, kein Feuerwerk, keine Kanonenschüsse, kein Trommeln und Pfeifen, keine Musik, kein vorangegangenes Ereignis! Nein, nur ein 73jähriger Mann, schlecht gekleidet, staubbedeckt, kehrte von seinem mühsamen Tagewerk zurück. Aber jedermann wußte, daß dieser Alte auch für ihn arbeitete, daß er sein ganze Leben an diese Arbeit gesetzt und sie seit 45 Jahren noch nicht einen einzigen Tag versäumt hatte! Jedermann sah auch die Früchte seiner Arbeit nah und fern, rund um sich her; und wenn man auf ihn blickte, so regten sich Ehrfurcht, Bewunderung, Stolz, Vertrauen, kurz alle edleren Gefühle des Menschen.“


Quelle: L. Kahnmeyer und H. Schulze, Realienbuch, Ausgabe A, Nr. 136, Bielefeld und Leipzig 1940,  I, 115 f.


Kurzlink: https://wp.me/p2UUpY-23R

 

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