Ein Gedanke zu den Weltanschauungen Mathilde Ludendorffs und Adolf Hitlers

Ingo Bading hat vor vier Jahren einen lesenswerten Artikel über die kontroverse Beziehung zwischen Dr. Mathilde Ludendorff und Adolf Hitler veröffentlicht:

Adolf Hitler bekam es wörtlich: „Nie will der Lebend’ge Lebendige knechten“ – von Mathilde Ludendorff im Jahr 1923

Dazu habe ich diesen Kommentar verfasst:


Mathilde Ludendorffs Grundannahme (vielleicht auf ihre naturwissenschaftlichen Kenntnisse gestützt?), dass das Leben des Menschen auf das persönliche Einzeldasein begrenzt sei, ist aber nicht d e r deutsche Glaube, sondern nur eine Auffassung, eine Glaubensweise unter mehreren. Der Jenseitsglaube (im Sinne der oben erwähnten falschen Übersetzung „afterlife“) ist eben auch deutscher Glaube. Dabei ist nicht nur an den Jenseitsglauben des Christentums zu denken, der die Religiosität der Deutschen ein Jahrtausend lang tief prägte und bis heute weithin bestimmt. Bekanntlich glaubten auch unsere germanischen Vorfahren, wie verschwommen auch immer, an ein Leben nach dem Tod (Belege dafür z.B. in Wolfgang Golther, Germanische Mythologie). Mathilde Ludendorff war Wissenschaftlerin, Philosophin. Adolf Hitler war Politiker, Staatsmann. Da ist von vornherein wenig Einklang zu erwarten. Hitler war jedoch vielseitig interessiert, auch weltanschaulich. In „Monologe im Führerhauptquartier 1941-1944“ ist dieser Ausspruch von ihm überliefert (Echtheit einmal vorausgesetzt): „Wenn einer sagt, diese schlechte Welt, ich werfe mein Leben weg – mir gefällt sie! Ja, wenn der Grund zum Weltschmerz Verliebtheit ist, dann würde ich sagen: Wartet nochmal ein Jahr, es finden sich gewiß noch andere! Wenn sonst aber einer meint, es ist besser, er nimmt sich das Leben, gut, ich hindere ihn nicht; nur auf eines muß ich ihn aufmerksam machen: Ganz kann er sich der Welt nicht entziehen, die Stoffe, aus denen sein Körper sich aufbaut, bleiben im Haushalt der Natur, und was seinen Geist betrifft, so wissen wir nicht, ob nicht auch seine Seele in ein Reservoir zurückfließt und vielleicht eines Tages in irgendeiner Form wiederkommt. Ich möchte nur nicht, daß alle Leute so sind. Wenn die Kirche den Menschen ein Jenseits lockend vors Auge stellt, um ihnen das Sterben zu erleichtern, so stellen wir es darauf ab, daß einer sich das Leben lebenswert gestaltet. Dazu bedarf er der Anpassung an die Naturgesetze, und wenn wir nur diese unsere Prinzipien vertreten, so werden auf die Länge der Zeit wir stärker sein als die Kirche. Niemals aber darf der Nationalsozialismus sich bemühen, in äffischer Weise kultisch eine Religion nachzuahmen, für ihn gilt immer nur, wissenschaftlich eine Lehre aufzubauen, die nichts weiter ist als ein Kultus der Vernunft.“ Zeigt dieses Zitat nicht, dass die Weltanschauungen Mathilde Ludendorffs und Adolf Hitlers gar nicht so weit auseinanderliegen? Gemeinsam ist ihnen jedenfalls das Bekenntnis zur Vernunft und zur Achtung der Naturgesetze. Im Blick auf ein Jenseits des persönlichen Einzellebens ist Hitler aber offener als Frau Ludendorff: „… was seinen Geist betrifft, so wissen wir nicht, ob nicht auch seine Seele in ein Reservoir zurückfließt und vielleicht eines Tages in irgendeiner Form wiederkommt“ – vermutlich denkt er an die Möglichkeit der Reinkarnation. Ein solcher Glaube ist nicht weniger deutsch als der Ludendorffsche Deutsche Glaube und findet sich nicht nur bei den Germanen, auch in den indoarischen Religionen.

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