Frühlingsausfahrt

Steh auf vom müden Sitz! streif aus in Frühlingsfluren!
Am Hof die Hecke blüht, der Bau’r stutzt Bäum und Gras,
im Acker hockt die Dohl, gemächlich hoppt der Has,
ein Reiher aufgestört kreist unsichtbare Spuren…
Ist nicht dem Himmelsblau, das endlostief sich weitet,
das frische Grün der Erde herrlich hingebreitet?

Suchst du den rechten Weg, wer kann dich weiterweisen?
Du, weißgeschopfter Greis, der grad vorüberkommt.
Was eins am andern späht, uns beid erfreut und frommt:
als ferne Thuiskon-Söhn wir insgeheim uns preisen.
Nicht fremder Kehl entpresst tönt heiserer Misslaut,
nein, unsrer Ahnen Sprache innig lieb und traut.

Das dort den Blick begrenzt, dem Dorf aus braunen Mauern
mit Giebeln, Dächern, Turm, auf Grund, getränkt mit Blut –
ihm zu! sein treues Treiben heb den Zweifelmut
zu deutschem Freiheitskampf aus ohnmächtigem Trauern.
Des Ehrenmales Namen, o Allvater, hab
ins Herz gegraben dir zu ewger Opfergab.

Im Gasthaus ‚Nachtigall‘ sitz dann zum Ruhen nieder
bei biedrer Landeskost, an deine Lieben denk,
Teilhaber deines Bluts, durch Freud und Leid Geschenk:
woll hegen, was dir lebt, denn nimmer kehrt es wieder.
Die Wiese grünt, der Himmel blaut – was du magst fühlen
an Qual: des Federvolkes fröhlich Lied soll’s stillen.

(c) Gunther M. Michel
Uedem, 30. März 2017

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